#Interview – “Vor der Gründung habe ich nicht geahnt, wie sehr mich das Startup einnehmen wird”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Justus Lauten, Gründer von foodforecast, einem Tech-Startup das Künstliche Intelligenz (KI) zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung einsetzt.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Morgens geht’s mit dem Fahrrad ins Coworking Space. Hier startet der Tag erstmal mit einem leckeren Kaffee der Barista auf der Dachterrasse. So habe ich gleich Energie, um in den Tag zu starten und die ersten Emails zu beantworten.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Das ist ehrlich gesagt ganz schön schwierig. Wenn man sein eigenes Startup gründet, dann ist man eigentlich Non Stop damit beschäftigt und es fällt schwer, den Laptop zuzuklappen. Sport hilft mir auf jeden Fall, um den Kopf frei zu kriegen und auch bei meiner Lieblingsserie kann ich gut entspannen.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Passend zu der vorherigen Frage: Vor der Gründung habe ich nicht geahnt, wie sehr mich das Startup einnehmen wird und dass ich dagegen kaum etwas tun kann.
Anfangs habe ich gegründet, um ein Produkt für Kunden:innen zu bauen. Als Gründer habe ich heute eine Vielzahl an anderen Aufgaben und muss mich auch in Themen einlesen, die mich nicht so interessieren. Die Zeit, die man hierfür benötigt, habe ich unterschätzt.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Als Gründer hat man erst einmal eine Idee und ist selbstverständlich von dieser überzeugt. Die Herausforderung war für mich anschließend, Kunden für die Idee zu gewinnen. Insbesondere die Suche nach den ersten Kunden war eine große Hürde. Das Gleiche gilt in Bezug auf die Mitarbeiter. Eine große Hürde ist es anfangs gewesen, neue Mitarbeiter von der Startup-Idee zu überzeugen, sodass diese bereit sind, ihre Zeit in das Startup zu investieren.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Man sollte die Auswahl der Investoren nicht überstürzen. So wie die Investoren sich über das Startup erkundigen, in das sie investieren, sollte sich auch der Gründer, z.B. bei anderen Startups, über den Investor erkundigen. So können beide Seiten überprüfen, ob eine Zusammenarbeit passt.
Außerdem habe ich mit der Zeit besser gelernt, bei der Umsetzung von Projekten genügend Puffer einzuplanen. Also mich sowohl zeitlich nicht zu überschätzen als auch bei der Kalkulation lieber etwas mehr Geld einzusammeln, als zu knapp zu kalkulieren.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Ich habe Mitarbeiter aus meinem eigenen Netzwerk für die Idee von foodforecast gewonnen. Gerade, wenn das Startup neu ist, findet man im eigenen Netzwerk aus Freunden, alten Studien- oder Arbeitskollegen, leichter jemanden, der Vertrauen in die Gründer und die Unternehmensidee hat. Ansonsten ist LinkedIn natürlich auch ein gutes Netzwerk, um qualifizierte Mitarbeiter zu finden.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?
Für mich ist das Wichtigste, ehrlich und authentisch zu sein. Das schafft eine Vertrauensbasis mit seinen Mitarbeitern, Investoren und ist die Grundlage dafür, dass das Startup auch in schwierigeren Zeiten Bestand hält.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Bei uns würde ohne Cloud Computing und die Teams-App nichts mehr funktionieren, da wir (fast) alle remote arbeiten.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Fast unser gesamtes Team arbeitet aktuell aus dem Home-Office. Die Herausforderung ist dabei trotzdem als Team zusammenzuwachsen. Wir möchten hier zukünftig mehr unternehmen und sowohl über virtuelle Kaffeepausen als auch durch persönliche Events in Köln etwas gemeinsame Zeit außerhalb der Arbeit verbringen.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Als ich anfangs auf Kundensuche ging, habe ich den Biobäcker bei mir um die Ecke angesprochen, ob er nicht Interesse an unseren KI-Prognosen hätte. Kurzerhand haben wir uns geeinigt und ich habe einen USB-Stick an seine Kasse angeschlossen, um mir die nötigen Daten der Bäckerei für das Training unserer Künstlichen Intelligenz zu holen. Ich wartete 5 Min., 10 Min., 15 Min. und die Übertragung war immer noch nicht abgeschlossen. In der Zwischenzeit hatte sich schon eine lange Kundenschlange gebildet. Die Verkäufer mussten alle Bestellungen händisch notieren und wurden langsam unruhig, da sie nicht alle Preise für die Backwaren auswendig kannten. Nach einer halben Stunde konnten endlich alle Mitarbeiter wieder auf die Kasse zugreifen. Danach haben wir eine professionellere Schnittstelle zu den Kassensysteme unserer Kunden gebaut.

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln werfen wir einen genaueren Blick auf das Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind dort die Voraussetzungen für Gründerinnen und Gründer, wie sieht es mit Investitionen aus und welche Startups machen gerade von sich reden? Mehr als 550 Startups haben Köln mittlerweile zu ihrer Basis gemacht. Mit zahlreichen potenziellen Investoren, Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents bietet Köln ein spannendes Umfeld für junge Unternehmen. Diese Rubrik wird unterstützt von der KölnBusiness Wirtschaftsförderung. #Koelnbusiness auf LinkedInFacebook und Instagram.

KoelnBusiness

Foto (oben): TVNOW / Bernd-Michael Maurer

#aktuell, #foodforecast, #grunderalltag, #interview, #koln

#DealMonitor – Personio sammelt weitere 200 Millionen ein – Planted bekommt Millionensumme – ProductsUp kauft World of Content


Im #DealMonitor für den 22. Juni werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.

INVESTMENTS

Personio
+++ Greenoaks Capital Partners und Co. investieren 200 Millionen US-Dollar in Personio. Die Bewertung steigt von 6,3 auf 8,5 Milliarden Dollar. Das Münchner Unicorn, 2015 von Hanno Renner, Roman Schumacher, Arseniy Vershinin und Ignaz Forstmeier gegründet, positioniert sich als HR-Softwarelösung für kleine und mittelständische Unternehmen. Greenoaks Capital Partners, Altimeter und Alkeon Capital sowie die Altinvestoren Index Ventures, Accel, Meritech, Lightspeed, Northzone und Global Founders Capital investierten zuletzt 270 Millionen US-Dollar in Personio. Insgesamt flossen bisher rund 700 Millionen Dollar in Personio. Mehr über Personio

Planted
+++ neoteq ventures, Smart Infrastructure Ventures, Rivus Capital und Angel-Investoren wie Julius Göllner, Jochen Berger, Friedrich Neumann, Johannes Sass und Lucas von Fürstenberg investieren 1 Millionen Euro in Planted. Das Kölner Startup, das von Jan Borchert, Heinrich Rauh, Cindy Schüller und Wilhelm Hammes gegründet wurde, möchte seinen “Kund:innen die Möglichkeit geben, aktiv etwas gegen die globale Erwärmung zu unternehmen”. Dazu pflanzt das Unternehmen Mischwälder und kompensiert so CO2-Emissionen. Mehr über Planted

Eeden
+++ Der High-Tech Gründerfonds (HTGF), der TechVision Fonds und ein nicht genannter Business Angel investieren eine siebenstellige Summe in Eeden. Das Startup aus Mönchengladbach, das von Steffen Gerlach und Reiner Mantsch gegründet wurde, kümmert sich um das “nachhaltige und umweltschonende Recycling von Kleidung und anderen textilen Produkten”. Das frische Kapital soll in den “weiteren Ausbau im Bereich Forschung und Entwicklung sowie den Aufbau von ersten Produktionskapazitäten” fließen.

foodforecast
+++ Angel-Investor:innen wie Claus J. Goldenstein, Tobias Hagemann, Yasmin Vadood und Milan Belojevic investieren 500.000 Euro in foodforecast. Das Kölner Startup, das von Justus Lauten unter dem Namen werksta.tt gegründet wurde, setzt Künstliche Intelligenz zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung einsetzt. Das frische Kapital möchte das Unternehmen dafür nutzen, “die KI-Software für den Einsatz in weiteren Branchen zu adaptieren und auszubauen, so zum Beispiel für die Systemgastronomie sowie den Einzelhandel”.

mTek
+++ Die afrikanische Finclusion Group investiert 3 Millionen US-Dollar in mTek. Das deutsch-kenianische InsurTech mit Sitz in Nairobi, das 2020 von der gebürtigen Schleswig-Holsteinerin Bente Krogmann gegründet wurde, positioniert sich als “digital Versicherungsplattform”. Das frische Kapital soll den “weiteren Ausbau der digital Plattform beschleunigen”. Dabei steht auch die Expansion in weitere “ostafrikanische Märkte” an.

MERGERS & ACQUISITIONS

World of Content
+++ Das Berliner Unternehmen ProductsUp, das sich um “Datenintegration im E-Commerce” kümmert, übernimmt den Product Experience Management-Anbieter World of Content. “Die gebündelten Fähigkeiten bieten Unternehmen die volle Kontrolle über ihre Produktinformationen innerhalb des Commerce-Ökosystems”, teilen die Unternehmen mit. Bregal Milestone und Nordwind Capital investierten zuletzt 70 Millionen US-Dollar in Productsup, das 2010 von Kai Seefeldt und Johannis Hatt gegründet wurde. Mehr über Productsup

VENTURE CAPITAL

Einstein Industries Ventures
+++ Mit Einstein Industries Ventures geht ein neuer Venture Capital-Geber an den Start. Das Team von  Einstein Industries Ventures tritt an, um die “Finanzierungslücke europäischer Raumfahrt-Startups zu bekämpfen”. Hinter dem neuen SpaceTech-Investor stecken Marco Fuchs, Hans Steininger, Ulrich Hermann, Arndt Geiwitz und Christoph Keese. Die Mannschaft möchte in Unternehmen investieren, “die im Downstream tätig sind, also Daten aus dem Weltraum für B2B-Kunden wie beispielsweise Versicherungen, Finanzmärkte, Rohstoffhändler, Agrarproduzenten oder Logistiker nutzbar machen”.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): azrael74

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