#Interview – “Am Anfang habe ich den Workload der Mitarbeiter etwas unterschätzt”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Sanja Bonelli, Gründerin von Herbliz, einer Berliner Kosmetikmarke, die unter anderem Health- und Wellness-Produkte mit Hanföl anbietet.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Ohne irgendwelche besonderen Rituale, ganz klassisch. Ich arbeite sehr strukturiert und so vorausschauend wie möglich, nur so kann ich meine Prioritäten im Fokus behalten. Außerdem bin ich wahnsinnig viel unterwegs und pendle zwischen Berlin und Hamburg, da ist Zeitmanagement das A und O. Trotzdem kann natürlich immer etwas dazwischen kommen, denn seit der Gründung ist kein Tag wie der andere.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Im Moment gar nicht. Wir haben vor gut einem halben Jahr gegründet und ich habe mich von Anfang an darauf eingestellt, dass es in den ersten Monaten arbeitsintensiv wird. Das ist aber auch in Ordnung, denn ich brenne für unsere Idee und Marke und möchte sie zum Erfolg bringen. Außerdem habe ich Spaß dabei. Da bin ich gerne bereit, Zeit zu investieren. Perspektivisch werde ich natürlich auch anderen Dingen wie Sport wieder mehr Raum in meinem Leben einräumen, aber im Moment bin ich happy, so wie es ist. Wenn ich mir dann doch mal eine kleine Auszeit gönne, entspanne ich natürlich am liebsten mit den CBD-Badekugeln aus unserer Eigenproduktion.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Ehrlich gesagt gibt es nichts, was ich vorher gern gewusst hätte. Ungewissheit, Risiken und auch Fehler gehören zum Gründen dazu. Man sollte sich bewusst sein, dass man die eigene Comfort Zone auch mal verlassen muss, um den neuen Herausforderungen offen und mutig gegenüberzustehen.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Eine der größten Hürden war es anfangs alle Aufgaben mit noch sehr wenig Personal zu bewältigen. Da musste man flexibel agieren. Parallel dazu war der Aufbau des Teams anspruchsvoll.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Das ist natürlich positionsabhängig. Ich glaube insgesamt ist die richtige Kombination aus Cultural Fit und Erfahrung ausschlaggebend. Und dann ist es natürlich wahnsinnig wichtig, dass die Leute auch Lust haben und bereit sind, sich wirklich einzubringen, die Anfangsphase mitzutragen, flexibel reagieren können. Jede Idee steht und fällt mit den Leuten, die für sie arbeiten.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Am Anfang der Gründung habe ich den Workload der Mitarbeiter etwas unterschätzt, da unser Business so unerwartet schnell gewachsen sind. Daraus habe ich gelernt und schnell in mehr Personal investiert, wodurch die einzelnen Aufgaben besser verteilt werden konnten und der Teamzusammenhalt gestärkt wurde.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Das Wichtigste für mich: im Voraus planen und ganz klare OKRs benennen. Es ist extrem entscheidend, dass alle Mitarbeiter*innen von Anfang an fokussiert und in die gleiche Richtung arbeiten. In den ersten Monaten war bei uns natürlich vieles noch nicht fix, aber wir hatten uns klare Ziele gesetzt und haben erste wichtige Erfolge eingefahren. Die bauen wir jetzt aus und sehen tolle Ergebnisse. Eine gute Struktur und die Mitarbeiter*innen sind entscheidend.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Ohne unsere ERP-Plattform, über die wir unser komplettes Business steuern. Mit unserer komplexen Struktur aus verschiedenen On- und Offline-Channels, Retail, White- und Private-Labellösungen müssen wir uns zu 100% auf unser System verlassen können. Nur durch stetige Prozessoptimierung gelingt es uns, das Wachstum unserer vielseitigen Firmenzweige voranzutreiben.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Trotz unseres busy Alltags feiern wir unsere Erfolge – auch die kleinen. Es trägt sehr zur Motivation des Teams bei, dass wir positive Erlebnisse teilen. Neben der ganzen Arbeit nehmen wir uns Zeit für gemeinsame Abendessen und Drinks.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Als wir frisch gestartet waren, haben wir einen riesigen Auftrag an Land gezogen, eigentlich viel zu groß für unsere damalige Kapazität. Wir sollten innerhalb von fünf Tagen 10.000 Artikel liefern. Ich habe dem Kunden mit Pokerface zugesagt und wir haben die nächsten fünf Tage und Nächte gearbeitet, um das hinzubekommen. Es war ein großes Risiko und eine große Chance, das haben alle gewusst. Die Mitarbeiter aus den Shops sind abends nach ihrer Arbeit in die Manufaktur gekommen und haben geholfen, nach fünf Tagen hatten wir es tatsächlich geschafft.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Herbliz

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#Interview – “Viele Gründer stellen sich den Weg zu einem erfolgreichen Unternehmen zu einfach vor”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Jonathan Kurfess, Gründer von Appinio, einem Marktforschungsunternehmen.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Mein Tag beginnt in der Regel mit einem Blick aufs Smartphone. Ich weiß, das ist nicht der gesündeste Start in den Tag – und ich arbeite daran, mir dieses Verhalten abzugewöhnen –, aber ich checke morgens gerne schnell die Slack- und Mail-Nachrichten. Wenn es mein Terminkalender zulässt, versuche ich dann noch joggen zu gehen und fahre danach mit dem Fahrrad ins Büro und arbeite erst einmal Mails ab. Mein erstes Frühstück nehme ich gegen 11 Uhr zu mir – meistens Müsli.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Am besten kann ich abschalten, wenn ich mich nach Feierabend mit Freunden auf einen Drink treffe – im Sommer gern ein Glas Rosé, im Winter eher Rotwein. Auch Sport und Yoga ist ein sehr guter Ausgleich.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Viele Gründer stellen sich den Weg zu einem erfolgreichen Unternehmen zu einfach vor. Ich hatte das zu Beginn auch unterschätzt. Das liegt vermutlich daran, dass wir häufig nur die positiven Start-up-Stories zu hören bekommen und seltener die Geschichten, die die Probleme und Herausforderungen oder gar das Scheitern beschreiben. Jedem sollte klar sein: Der Weg zu einem erfolgreichen Unternehmen ist steinig und zeitintensiv. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich auf jeden Fall trotzdem gegründet, aber ich hätte mich besser darauf einstellen können. Heute sind wir bei Appinio stolz, selbst eine dieser positiven Start-up-Stories zu sein.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Da ich kein Entwickler bin, sondern einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund habe, brauchte ich zu Beginn jemanden, mit dem ich die Idee umsetzen kann. Das war die erste Hürde, die ich zu nehmen hatte. Damals hatte ich das große Glück, unseren jetzigen CTO Kai Granaß kennenzulernen, der Feuer und Flamme für meine Idee war. Im weiteren Verlauf komplettierte unser jetziger COO Max Honig das mittlerweile eingespielte Führungstrio – die Heterogenität im Management-Team ist sicherlich ein essenzieller Faktor unseres bisherigen Unternehmenserfolgs und die größte Challenge, die man bei einer Gründung hat. Eine weitere Hürde war die Finanzierung: Ich musste ein Darlehen aufnehmen und dadurch privat ins Risiko gehen, weil ich damals nicht zu früh Unternehmensanteile abgeben und durch einen Investor verwässern wollte. Und da wäre noch das Thema Glaubwürdigkeit oder neudeutsch “Street Credibility”: Es ist nicht einfach, mit Anfang 20 eine ganze Branche auf den Kopf stellen zu wollen. Ich musste anfangs häufig sehr dicke Bretter bohren, um in den Chefetagen ernst genommen zu werden. Das ist heute glücklicherweise nicht mehr nötig.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Wir hatten im Jahr 2016 eine wilde Phase, in der Appinio unglaublich schnell gewachsen ist. Leider haben wir auf diese Entwicklung damals mit zu vielen Neueinstellungen reagiert, woraufhin ich einige Mitarbeiter*innen kurz darauf wieder entlassen musste. Ich gebe gern zu: Diese Kündigungen auszusprechen war extrem hart für mich. Aber ich habe daraus gelernt: Heute ist ein ordentliches Recruiting und ein optimaler Auswahlprozess ungemein wichtig für uns. Wir treffen die Entscheidungen mit sehr viel Augenmaß und sind uns als Arbeitgeber unserer Verantwortung gegenüber den Mitarbeiter*innen sehr bewusst.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Ich beantworte diese Frage immer anhand von drei Faktoren: Smartness, Begeisterung fürs Produkt und freundliches bzw. leidenschaftliches und überzeugendes Auftreten. Letzteres ist mir persönlich sehr wichtig. Der Drive, also ein gewisser Anspruch, selbst etwas erreichen zu wollen, muss deutlich spürbar sein. Der Lebenslauf kommt erst an zweiter Stelle.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Bleibt hartnäckig! Was Gründer*innen von Nicht-Gründer*innen unterscheidet, ist die Hartnäckigkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, selbst wenn es ungemütlich wird. Ein paar weitere Tipps: Seid zu 100 Prozent von eurer Idee überzeugt, habt keine Angst vor dem Urteil anderer, habt keine Angst vor dem Scheitern und nehmt euch selbst und andere nicht immer zu ernst. Außerdem: Karma is a bitch. Pflegt einen freundlichen Umgang und ihr erfahrt viel Unterstützung, was gerade als junge*r Gründer*in extrem wertvoll ist. Klingt nach Binsenweisheit, nimmt sich aber nicht jeder zu Herzen und wird unterschätzt.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Hubspot als sehr zentrales Tool für Sales und Teile des Marketings, Slite als Wiki, die G-Suite und Slack sind für unser Unternehmen extrem wichtig – auch wenn ich nicht so weit gehen würde zu sagen, dass Appinio ohne diese Tools nicht existieren könnte.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie haben wir Wege und Mittel gefunden, die Stimmung innerhalb des Teams aufrecht zu erhalten. Wir haben beispielsweise ein virtuelles Pub-Quiz initiiert und einen Zauberkünstler per Videokonferenz zugeschaltet. Eine gute Stimmung leitet sich aber vor allem über den Erfolg des Unternehmens ab. Wir dürfen uns glücklich schätzen, in der Krise weder Mitarbeiter*innen entlassen noch in Kurzarbeit gehen zu müssen. Im Gegenteil: Das Geschäft läuft gut und wir stellen aktuell sogar monatlich zwei neue Mitarbeiter*innen ein. Eine solche positive Entwicklung innerhalb einer Wirtschaftskrise stärkt den Zusammenhalt des Teams enorm.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Die Coronakrise war für uns auf jeden Fall eine wilde Zeit. Wir sind für circa drei Monate ins Home Office gegangen und sind es zum Teil immer noch, was eine starke Umstellung für uns war. Wir haben allerdings gemerkt, dass wir remote ohne Produktivitäts- und Effizienzverlust als Organisation funktionieren. Vom Gefühl her waren wir in Teilen sogar noch effizienter. Das war ein großes Learning für mich. Außerdem ist die Dynamik und das Commitment im Team in dieser Zeit sehr hoch, da alle nochmal eine Schippe drauf gelegt haben und wir so bisher weiterhin profitabel mit deutlich mehr als 100 Neukunden in diesem Jahr durch die Krise gekommen sind.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

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#Interview – “Als Startup kannst du dir es nicht leisten, die falschen Personen mitzuziehen”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Til KleinGründer des Altersvorsorge-Startups Vantik.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Mein Alltag hat sich durch Corona komplett verändert. Seit Mitte März arbeiten mein Freund und ich vom Homeoffice aus – erst komplett, mittlerweile wieder im Wechsel mit Büroarbeit. Wenn wir zu Hause in den Arbeitstag starten, stehen wir um 6 Uhr auf. Dann gehe ich mit unserem Hund eine Stunde im Wald joggen, denn dabei kann ich ganz gut Probleme lösen und Entscheidungen treffen. Danach füttere ich den Hund, dusche, mache mir einen Kaffee und plane meinen Tag. Bis zum ersten Call habe ich ca. zwei Stunden Zeit, in denen ich mich gut konzentrieren und auf wichtige Dinge fokussieren kann. Sobald der Telefonwahnsinn losgeht, gibt es den “ganz normalen Arbeitsalltag” nicht mehr, denn jeder Tag bringt eine neue Überraschung.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Als Berater habe ich mir schon vor Jahren einen Rhythmus angewöhnt, der für mich persönlich sehr gut funktioniert. Unter der Woche konzentriere ich mich zu 100 % auf die Arbeit. Am Wochenende blende ich die Arbeit komplett aus. Das funktioniert für mich persönlich sehr gut. Die Woche ist komplett dem Job gewidmet. Das heißt, dass ich unter der Woche “nur” darauf achte, einigermaßen genug Schlaf und Bewegung zu bekommen. Zum Hochfahren am Morgen und Herunterfahren am Abend bin ich vor Corona circa eine halbe Stunde ins Büro und nach Hause gelaufen. Momentan ersetzen das die Spaziergänge mit unserem Hund. Am Wochenende, von Freitagabend bis Sonntagmittag, kann ich den Job dann sehr gut ausblenden. Die Zeit gehört meinem Freund, unserem Hund, meiner Familie und meinen Freunden. Sonntagnachmittags setze ich mich dann gerne wieder an den Schreibtisch, vor allem für Themen, für die man Zeit und Ruhe braucht.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Wie schwierig es ist, wirklich Top-Level-Mitarbeiter*innen zu bekommen! Aus meiner Zeit bei BCG war ich natürlich sehr verwöhnt, was die Pipeline an super motivierten Menschen fürs Team angeht. Im Nachhinein verstehe ich noch besser, warum Unternehmensberatungen wie BCG oder McKinsey so viel Ressourcen fürs Recruiting verwenden. Als Startup hast du am Anfang kein Brand, vergleichsweise wenig Geld und vor allem keine komplettes Recruiting-Team. Das heißt: Um Top-Leute zu bekommen, musst du das x-fache an Zeit und Geld aufwenden. Mein Rat daher an alle Gründer*innen: Recruiting ist entscheidend, plant viele Ressourcen dafür ein!

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Mit Vantik wollen wir die Altersvorsorge einfacher machen. Aber Geldanlage ist in Deutschland generell stark reguliert. Das ist grundsätzlich richtig und notwendig. Aber leider verfehlt die Regulierung oftmals ihr Ziel. Statt die Verbraucher*innen zu schützen, werden die Banken vor ihnen geschützt. Wir sind zum Beispiel rechtlich gezwungen, den Kund*innen mehrere hundert Seiten komplizierter rechtlicher Texte zur Verfügung zu stellen. Das schützt vor allem uns als Finanzdienstleister vor der Haftung – aber die Verbraucher*innen haben gar nichts davon. Hier wäre ein generelles Umdenken seitens des Regulierers wünschenswert, denn nur mit mehr Transparenz kann Vertrauen seitens der Verbraucher*innen aufgebaut werden.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Mein größter Fehler war, mich nicht schnell genug von Mitarbeiter*innen getrennt zu haben, die entweder ihrem Job nicht gewachsen waren oder nicht voll hinter dem Produkt standen. Ohne die notwendige Überzeugung vom Produkt fehlt die notwendige Passion für den Job. Das zeigt sich übrigens schon im Bewerbungsprozess. Bewerber*innen, die nicht mal so viel Interesse haben, dass sie das Produkt vorher mal ausprobiert haben, lehne ich gleich ab. Als Startup kannst du dir es nicht leisten, die falschen Personen mitzuziehen.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Wirklich gute Mitarbeiter*innen zu finden, ist nicht leicht. Die besten Mitarbeiter*innen haben wir fast immer direkt oder indirekt über unser Netzwerk gefunden. Gerade Investoren mit einem guten Netzwerk können hierbei Gold wert sein. Mit Atlantic Labs und STS Ventures haben wir Investoren mit einem großen Netzwerk von Top-Talenten gewonnen, die sie möglichst innerhalb ihres Portfolios weitervermitteln. Das ist natürlich eine Win-win-Situation für alle.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Fokus, Fokus, Fokus. Insbesondere kleine Unternehmen, aber das gilt auch für große Unternehmen, können nur ein paar Dinge gleichzeitig wirklich sehr gut machen. Daher fokussiere dich auch die absolut wichtigsten Dingen. Das tut manchmal sehr weh, weil man gerne 100 Ideen gleichzeitig umsetzen möchte. Aber auch hier gilt, weniger ist meistens mehr. Und unterschätze nicht deine Rolle als Gründer*in. Dein Fokus ist der Fokus des Unternehmens. Für Gründer*innen im Bereich FinTech und InsurTech ist die richtige Einstellung zum Thema Compliance besonders wichtig. Regulierung ist richtig und wichtig. Aber in einigen Fälle ist die Regulierung bzw. die Umsetzung nicht im besten Interesse der Verbraucher*innen. Über hundert Seiten Vertragsdokumente in unverständlichem Juristendeutsch schaffen nicht mehr, sondern weniger Transparenz und Vertrauen. Daher kann ich nur empfehlen, das Thema Compliance nicht allein den Juristen*innen zu überlassen.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Ehrlich gesagt: keines. Tools sind Tools und kein Selbstzweck. Ja, es gibt zahlreiche Tools, die uns das Leben erleichtern. Aber es gibt inzwischen für jedes Thema mehrere Lösungen, die jeweils Vor- und Nachteile mit sich bringen und austauschbar sind. Das ist oftmals eine Gewohnheitsfrage. Ich musste mich nach 15 Jahren Windows etwa auf Mac OS umstellen. Das ist nicht unbedingt besser, sondern einfach anders.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Erfolg ist der beste Garant für eine gute Stimmung im Team. Daneben spielt der soziale Aspekt eine große Rolle. Der wöchentliche Team Lunch, monatliche Teamevents, aber auch das Feierabendbier auf der Dachterrasse sind wichtig. Der fehlende soziale Austausch ist auch für uns bei Vantik die größte Herausforderung durch Corona. Wir alle vermissen den informellen Austausch untereinander und versuchen, dass virtuell und digital – so geht es eben nur geht – zu kompensieren.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Da gibt es einige. Der Launch von Vantik 2019 war zum Beispiel “intensiv”. Bis zum Tag X musste die neue Webpage und Onboarding-Strecke fertig sein. Wie das immer so ist, hat sich einiges verzögert. Da wir den Termin schon in der Presse angekündigt hatten, war eine Verschiebung nicht mehr möglich. Um 3:00 Uhr nachts haben wir die neue Webseite dann doch noch rechtzeitig live geschaltet. “Wild” war aber besonders diese Episode: Im Sommer letzten Jahres haben wir mit dem Team einen Bootsausflug auf der Havel gemacht. Auf dem Rückweg sind wir mit Motorschaden liegen geblieben und mussten zwei Stunden warten, bis wir abgeschleppt wurden. Zwei Teammitglieder mussten aber am Abend noch zum Flughafen. Um ihren Flieger zu bekommen, mussten sie ans Ufer schwimmern und per Anhalter weiterfahren… Aber sie haben ihren Flieger noch bekommen!

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

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Foto (oben): Vantik

#aktuell, #grunderalltag, #interview, #reloaded, #vantik

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#Interview – “Es ist sehr schwer, sich von sehr guten Mitarbeitern zu trennen”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Nikbin Rohany von Shore.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Meine Daily Routine beginnt meist mit einem morgentlichen Lauf an der Isar. Idealerweise schaffe ich es, dreimal in der Woche vor der Arbeit Laufen zu gehen. Es folgt ein schnelles, gesundes Frühstück. 

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Abschalten kann ich am besten beim Sport. Aber ich gehe auch gerne an der Isar spazieren oder unternehme mit meinem Motorrad eine Spritztour durch das Münchner Umland.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Wie wichtig ein komplementär aufgestelltes Gründerteam ist. Idealerweise ist man auch nicht alleine, sondern gründet zusammen mit ein oder zwei weiteren Leuten, die sich in ihren Fähigkeiten ergänzen. 

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Eine der größten Herausforderungen auf dem Weg zur Gründung ist es einerseits, den oder die richtigen Mitgründer zu finden. Denn ein Gründerteam, das zusammen passt, ist das A und O. Das gleiche gilt andererseits auch später für die Mitarbeiter – man sollte also immer und in jedem Bereich die richtigen Leute an Board haben. Ansonsten habe ich persönlich keine weiteren großen Hürden erlebt, bis auf die eigenen mentalen – sei es der eigene Erfolgsdruck oder die Angst vorm Scheitern. 

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Es ist sehr schwer, sich von sehr guten Mitarbeitern zu trennen, die aufgrund ihrer exzellenten Skills vermeintlich unersetzlich scheinen, aber nicht in das Team passen. Ich habe aber mit der Zeit gelernt, dass das Team wichtiger ist als einzelne “Superhelden”, die einen negativen Einfluss auf den Rest der Angestellten ausüben. 

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Passende Mitarbeiter findet man heutzutage am besten über sein eigenes Netzwerk und Empfehlungen. Wir haben über zufriedene Unternehmer und Angestellte schon erfolgreich viele neue Mitarbeiter für uns gewinnen können. 

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Gründer sollten anfangs nicht zu stark auf Wachstum setzen, sondern den Fokus lieber auf die Produktqualität und eine hohe Kundenzufriedenheit setzen. Denn einem theoretischen Plan hinterher zu hecheln und dabei das Produkt oder den Service und die damit einhergehenden Prozesse zu vernachlässigen, wird sich früher oder später rächen. Das gilt zumindest für Geschäftsmodelle, in denen es nicht auf einen First-Mover-Advantage ankommt.

Ohne welches externe Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Digitale Tools wie Slack oder G Suite sind für uns nicht mehr wegzudenken. 

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Wir haben eine Office-Hündin namens Pinky, die immer für gute Laune im Team sorgt. Außerdem darf bei uns jeder Mitarbeiter selbstständig an den für ihn oder sie am spannendsten Themen arbeiten, was zu einer hohen Zufriedenheit im Team führt. Als waschechtes Start-up gibt es bei uns selbstverständlich auch regelmäßige Kicker- und Tischtennis-Matches. 

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Ehrlicherweise gibt es keine wilden Erlebnisse, die ich hier teilen kann. In diesem Punkt muss ich die Leser wohl enttäuschen. 

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

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Foto (oben): Shore/Klaus D. Wolf Fotografie

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#Interview – “Ein Gründer hat mehr Einfluss, als er tatsächlich glaubt”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Sonny Vu, Gründer von Arevo, einem E-Bike-Unternehmen aus dem Silicon Valley.

Wie startest du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Mit Musikmeditation und Lesen der Bibel bevor ich die News auf meinem Smartphone checke. Danach bereite ich mich auf den Tag vor und mache das Frühstück für meine Familie. Währenddessen höre ich Hörbücher in zwei- bis dreifacher Geschwindigkeit – je nach Buchdichte. Derzeit höre ich „Just Send Me Words“ von Orlando Figes.   

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Ich schalte gar nicht ab. Meist versuche ich vor dem Schlafengehen meine täglichen Liegestütze und Kniebeugen zu machen und sobald die Arbeit getan ist, schlafe ich einfach ein. Die Leute, die mich kennen, wissen, dass ich schneller einschlafe als jeder andere – das dauert im Normalfall nicht länger als 30 Sekunden.  

Was über das Gründerdasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Ich hätte gerne vorher gewusst, dass ein Gründer mehr Einfluss hat, als er tatsächlich glaubt. Denn das wird sehr schnell zur Realität.

Was waren die größten Hürden, die du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Die erste Finanzierungsrunde zu überstehen, war jedes Mal eine große Herausforderung. Da ist es egal, wie viele Exits ich bereits hatte. Denn es gab genug Skeptiker da draußen – sogar die, die mich gut kennen – die an meinen Ideen gezweifelt haben. 

Was waren die größten Fehler, die du bisher gemacht hast – und was hast du aus diesen gelernt?
Ich habe zu schnell Personal eingestellt und zu langsam entlassen. Mit der Zeit habe ich gelernt, dass ich anders herum besser fahre.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Ich arbeite gerne mit gescheiterten Unternehmern zusammen. Sie haben am eigenen Leib erfahren müssen, wie schwer es ist, Geld zu verdienen. Sie können außerdem in der Regel gut mit der Ungewissheit und dem dynamischen Wesen von Unternehmensgründungen umgehen. Auch schätze ich die Zusammenarbeit mit Migranten der ersten Generation. Sie hatten es im Leben oft sehr schwer und sind demzufolge ambitioniert und fokussiert, die Dinge wirklich ins Rollen zu bringen. Vor allem setze ich aber auf Menschen, mit denen ich bereits in der Vergangenheit erfolgreich zusammengearbeitet habe, die mit mir durch gute und schlechte Zeiten gegangen sind und die auch meine schlechten Seiten kennen, aber trotzdem noch mit mir arbeiten wollen.

Welchen Tipp hast du für andere Gründer?
Findet Wege, wie ihr schneller und effektiver lernen könnt und hört niemals damit auf! 

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Google Sheets!

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Indem wir unseren Mitarbeiter dabei helfen, zu verstehen, warum das, was wir tun, wichtig ist und warum wir es eben genau so machen. Außerdem schaffen wir einen Raum, in dem alle Team-Mitglieder offen sagen können, wenn sie der Meinung sind, dass falsche Entscheidungen getroffen werden. Alternative Vorschläge bei Herausforderungen sind auch sehr willkommen.  

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Das war ganz klar der Reverse Pitch meiner zweiten Firma – AgaMatrix – am 11. September 2002.  Wir hatten es wirklich schwer, Finanzierungsmittel zu sammeln. Mein Mitgründer und ich haben unsere Ersparnisse aufgebraucht, um zwei Monate lang die Löhne unserer Mitarbeiter zu decken. Am Ende lief die Gehaltsabrechnung sogar für zwei weitere Monate über unsere eigenen Kreditkarten. Und es war immer noch kein Geld in Sicht. Das war der Zeitpunkt, an dem klar war, dass wir zu noch radikaleren Maßnahmen greifen müssen. Also luden wir Investoren zum ersten Jahrestag des 11. Septembers, an dem normalerweise niemand in den USA irgendwohin fliegen würde, zu einem Reverse Pitch ein. Wir haben ihnen ein Term Sheet ausgehändigt und einfach gefragt, wer investieren würde. So konnten wir gerade noch rechtzeitig einen Serie-A-Deal abschließen. 

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

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Foto (oben): Arevo

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#Interview – “Wir haben zweieinhalb Jahre damit verbracht, unseren Händlern zuzuhören”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antworten Philippe de Chanville und Christian Raisson, die Gründer von ManoMano, einem millionenschweren Online-Baumarkt.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
de Chanville: Jeder Tag ist anders! In gerade mal sieben Jahren ist unsere Mitarbeiterzahl von 0 auf über 500 Angestellte gestiegen. Wir treiben jetzt Handel in sechs Ländern und haben Büros in Paris, Barcelona und Bordeaux eröffnet. Infolgedessen ändern sich unsere Jobs und unser Arbeitsalltag ständig: von der Einstellung neuer Mitarbeiter, über Verhandlungen, Fundraising, der Akquise von neuen Partnern und Händlern, bis hin zu Geschäftsreisen und Treffen mit Händlern, Journalisten und potenziellen Investoren. 

Raisson: Es gibt jedoch eine Sache, die wir jeden Tag machen – uns die Zeit zu nehmen, mit unseren Familien und einer Tasse Kaffee gut in den Tag zu starten.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
de Chanville: Das Ziel im Leben ist, ein Leben mit Sinn zu führen, sich selbst treu zu bleiben, um glücklich zu sein. ManoMano ist für uns nicht nur ein Job – es ist unsere Lebensaufgabe. Wir haben daher das Glück, dass wir nach der Arbeit „nicht abschalten“ müssen, da wir mit Freude an unserem Unternehmen arbeiten. ManoMano ist ein Teil von dem, was wir sind, genauso wie unsere Familien. Wir leben unser Leben auch dementsprechend: wir geben dem einen nicht den Vorrang vor dem anderen – sondern stellen vielmehr sicher, dass wir die richtige Balance finden.

Raisson: Als Gründer gibt es kein offizielles „mentales Abschalten“. Selbst wenn man abends aufhört zu arbeiten – man hat immer sein Unternehmen im Kopf. Deshalb ist es so wichtig, sich auch Zeit für die Familie freizuhalten. Jeden Tag verbringe ich mindestens eine Stunde mit meiner Frau und meinen Kindern, um über ihren Tag zu sprechen, genau wie am Morgen auch  – danach geh ich auch mal wieder an die Arbeit.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
de Chanville:  Ich hätte gerne gewusst, dass es wirklich ein Marathon ist anstatt eines  Sprints – eher 15 bis 20 Jahre meines Lebens anstatt 4 oder 5. Bevor wir angefangen haben, hätte ich mir es niemals träumen lassen, dass ManoMano in so kurzer Zeit solche Erfolgsebenen erreicht, und dass Christian und ich so lange als Gründer und CEOs für ManoMano tätig sind. 

Raisson: Glück und Timing sind ein großer Teil des Erfolgs, denn man kann nicht alles kontrollieren. Du kannst die besten Partner, die beste Finanzierung, das beste Business Modell etc. haben, aber wenn du kein Glück oder schlechtes Timing hast, kann es passieren, dass deine Ideen nicht funktionieren  – oder schlimmer noch, es kann dein Unternehmen zerstören – wenn man mal an die Unternehmen denkt, die aufgrund von Covid-19 zu kämpfen haben. Wichtig ist, dass man bescheiden bleibt, um mit Misserfolgen und Erfolgen umgehen zu können, und um dann den Kurs korrigieren zu können.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?
Raisson: Wenn man ein Startup ist, das aus dem Nichts auftaucht, ist die wohl wichtigste Herausforderung, das Vertrauen der Menschen in dein Unternehmen zu gewinnen. Um das zu erreichen, mussten wir viel Überzeugungsarbeit leisten. Unseren Kunden haben wir neue Wege offenbart, wie sie ihr Zuhause gestalten können – unseren Händlern haben wir eine neue Möglichkeit geboten, ihr Business voranzubringen. Dafür mussten wir geduldig sein, zuhören und unser Modell flexibel anpassen:  Wir haben zweieinhalb Jahre damit verbracht, unseren Händlern zuzuhören, um unsere Technologie besser an ihre Bedürfnissen anzupassen. Das hat ihnen gezeigt, wie engagiert wir ihnen beim Aufbau ihres Geschäfts helfen wollen.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
de Chanville: Zu Beginn hießen wir tatsächlich noch monechelle.fr, bis Google uns dann auf die schwarze Liste gesetzt hat. Denn im Eifer des Gefechts haben wir unser SEO im Growth-Hacking-Modus so sehr optimiert, sodass unser Traffic auf Null reduziert wurde. Also blieb uns nichts anderes übrig, als die URL zu ändern und von vorne anzufangen. Und dieses Mal haben wir alles richtig gemacht. 

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Raisson: Da wir ein stark wachsendes Unternehmen sind, ändern sich unsere Prozesse, Ziele, die Mentalität und unsere Ressourcen alle paar Monate. Wir brauchen Menschen, denen es nicht schwerfällt sich anzupassen, die aber auch Charakterzüge haben, die mit unseren Unternehmenswerten – Mut, Einfallsreichtum & Wohlwollen – übereinstimmen. Das ist für uns ein entscheidender Faktor und nicht verhandelbar. 

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
de Chanville: Ein Unternehmen zu gründen ist, wie oben schon erwähnt, ein Marathon und kein Sprint. Wenn du ein Unternehmen startest, sei darauf vorbereitet, dass du langfristig dabei bist und stelle sicher, dass du dein Unternehmen in einen Markt mit großem Potenzial einführst. Das wird helfen! Bei der Personalbeschaffung sollte man keine Kompromisse eingehen oder Fertigkeiten über die eigenen Unternehmenswerte stellen. Umgib dich mit den richtigen Leuten. Und ganz wichtig: achte darauf, ein ausgeglichenes Leben zu führen, und Zeit mit der Familie zu verbringen.

Ohne welches externe Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Raisson: Ganz klar, das Internet! Aber jetzt mal im Ernst: unsere Händler spielen eine ganz entscheidende, übergeordnete Rolle. Ohne sie können wir nicht überleben, denn sie sind der Kern unseres Geschäftsmodells und unseres heutigen Erfolgs. 

de Chanville: Unser Unternehmen umfasst ein Ökosystem von etwa 30.000 Menschen, die alle eine grundlegende Rolle für den Erfolg unseres Unternehmens spielen.

 Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Raisson Indem wir Ehrgeiz zeigen und eine klare Vision haben. Einen wichtiger Faktor bei der Motivation unserer Teams ist es, eine bodenständige und menschliche Philosophie zu haben. Als Vorgesetzter sollte man, man selbst bleiben, transparent und zugänglich sein. Außerdem ist es wichtig, die Teams darin zu bestärken, dass sie eine wichtige Rolle spielen, die gesteckten Ziele zu erreichen. Und – niemals vergessen, für eine gute Work-Life-Balance zu sorgen.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
de Chanville: Die Reise, die wir bisher gemacht haben, war unglaublich. Wir hätten uns niemals erträumen lassen, dass wir in nur wenigen Jahren auf dem deutschen Markt Fuß fassen könnten – dem größten und dynamischsten Home Improvement Markt der Welt mit fantastischen Marken, Händlern und enormen Wachstumspotenzial. Wir führen jetzt ein durch und durch europäisches Unternehmen –  mit Menschen aus aller Welt, die von einigen der besten Unternehmen der Welt rekrutiert wurden.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): ManoMano

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#Interview – “Man sollte schnell den Stecker ziehen – auch wenn es weh tut”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Thomas Bernik, Gründer von rebike1, einem Marktplatz für den Verkauf von gebrauchten E-Bikes.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Im Idealfall habe ich bereits am Vorabend meine E-Mails abgearbeitet, so dass mein Tag üblicherweise damit beginnt, dass ich mir zunächst einen Überblick über die am aktuellen Tag anstehenden To-Dos, Termine und Meetings verschaffe und diese anschließend priorisiere. Zudem schaue ich mir sämtliche aktuellen Verkaufs-, Verleih- und Abo-Zahlen unserer Angebote rebike.de und ebike-abo.de sowie Refurbishment-Daten vom Vortag an.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Am besten abschalten kann ich tatsächlich durch Sport. Jede*r Gründer*in wird allerdings wissen, dass leider nur selten Zeit dafür bleibt. Dennoch versuche ich, zumindest so oft es geht, am Ende eines langen Arbeitstages noch eine Runde zu joggen oder zu schwimmen. Das hilft mir sehr dabei, den Kopf frei zu bekommen. Und wenn tatsächlich mal etwas mehr Zeit verfügbar ist, liebe ich es, am Abend noch eine entspannte Runde Golf zu spielen. Das schaffe ich aber derzeit leider nur sehr selten. Als dreifacher Familienvater komme ich aber auch schnell auf andere Gedanken, wenn ich am Abend Zeit (quality time) mit der Familie verbringe.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Wahrscheinlich, dass es schwierig ist, generell richtig abzuschalten und dass Urlaube und die Familie leider fast immer zu kurz kommen. Außerdem, wie enorm wichtig es ist, den/die richtige*n Mitgründer*in sowie das richtige Team an Bord zu haben. Gerne hätte ich auch noch mehr technischen Background gehabt – beispielsweise um ein MVP – Minimum Viable Product –  schneller aufzuziehen oder um in der Lage zu sein, auch mal Developer selbst mit dem notwendigen Hintergrundwissen zu “challengen”.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Bei allen fünf Unternehmensgründungen, die ich bislang getätigt habe, war eine der größten Herausforderungen, genügend Startkapital zur Verfügung zu haben und vor allem die “Seedrunde” erfolgreich abzuschließen. Wie bereits  erwähnt, ist es meines Erachtens extrem wichtig, den oder die richtige*n Co-Gründer*in an der Seite zu haben und die ersten, zum Unternehmen passenden, Mitarbeiter*innen zu finden. Bei Rebike konnte ich Sven Erger als Co-Gründer gewinnen – wir passen perfekt zusammen, da wir ganz unterschiedliche Kenntnisse und Erfahrungen mitbringen.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
In der Vergangenheit habe ich schon mal zu lange an einem Projekt festgehalten, obwohl ich schon in der MVP-Phase die Befürchtung hatte, dass es am Ende nicht ausreichend skalieren wird. Man sollte also schneller den Stecker ziehen – auch wenn es weh tut. Das spart wertvolle Zeit, Kraft und Geld. Wenn jedoch etwas gut funktioniert, sollte man keine Zeit verlieren, sondern Vollgas geben und das Momentum nutzen. Dabei gilt es vor allem, sich auf den Vertrieb zu fokussieren und – wenn nicht vorhanden – sollte man stets Profis einstellen. Ein weiteres, wichtiges Learning: Exit-Opportunitäten sollte man stets genau evaluieren und dann, wenn man sich dafür entscheidet, schnell umsetzen. Bei einem Exit kann immer noch eine Menge schief gehen. Einmal platzte – nach sechs Monaten intensiver Vorarbeit – ein Notartermin nur eine Woche vor dem angestrebten Exit.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Bei Rebike setzen wir auf verschiedene Kanäle. Zum einen ganz klassisch über Online-Stellenanzeigen. Zum anderen sprechen wir geeignete Kandidaten direkt an, beispielsweise über unsere eigenen Netzwerke oder über LinkedIn. In seltenen Fällen nutzen wir auch Headhunter.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Aufgrund meiner Erfahrung aus inzwischen fünf Unternehmensgründungen mit operativen Geschäften und Beteiligungen an circa zehn Startups, möchte ich gerne folgende Tippsweitergeben.
Erstens: Man kann gar nicht früh genug damit beginnen, sich ein Netzwerk an Investor*innen, Business Angels und potentiellen Partner*innen oder Mitarbeiter*innen zu schaffen. Zweitens:  Auch wenn es – unvermeidbaren – Gegenwind oder Rückschläge gibt – die man im übrigen immer antizipieren muss – sollte man immer an der Grund-Idee festhalten. Dabei muss man natürlich flexibel bleiben und gegebenenfalls schnell Anpassungen vornehmen. Drittens: Das Thema “Finanzen” muss sitzen. Im Idealfall ist einer der Gründer maßgeblich dafür verantwortlich und übernimmt den CFO-Posten. Viertens: Es gilt, den Sales-Bereich frühzeitig professionell aufzusetzen. Die Verantwortung dafür sollte idealerweise bei einem Gründer bzw. dem CEO liegen. Soweit nicht vorhanden: Top-Personal anstellen. Fünftens: Es ist immer ratsam, frühzeitig namhafte Kund*innen als Referenzen zu gewinnen, mit diesen vertrauensvoll zusammenzuarbeiten und gleichzeitig verschiedene Vertriebskanäle und die Wachstumsstory aufzubauen.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Bei Rebike nutzen wir – sicher auch aufgrund der Microsoft-Vergangenheit meines Mitgründers Sven Erger – viele Microsoft-Dienste. Besonders hervorheben möchte ich dabei unser Dashboard und unser eigens entwickeltes ERP-System. Und auch Microsoft-Teams hat sich gerade in der jüngsten Zeit als hervorragendes Video-Konferenzsystem etabliert.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Rebike ist noch ein junges Unternehmen, das sich erfreulicherweise sehr erfolgreich entwickelt. Daher ist die Stimmung bei uns prinzipiell sehr gut. Wir als Gründer sind immer ansprechbar und haben ein offenes Ohr für Wünsche, Sorgen und Anregungen unseres Teams. Ich hoffe, dass wir durch unsere offene Art eine positive Grundstimmung erzeugen können. Darüber hinaus übergeben wir zügig Verantwortung an die Mitarbeiter*innen und lassen sie mit ihren Aufgaben wachsen. Und obwohl es sich nach einer Binsenweisheit anhört: Es ist immer wichtig, dass man Erfolge teilt und diese auch gebührend feiert.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Die bislang intensivste Zeit war vermutlich Anfang 2010. Damals gab es einen regelrechten Hype durch den Erfolg und die großen Funding-Runden von Groupon in den USA. Zusammen mit ein paar anderen Gründern hatte ich cooledeals in München aus der Taufe gehoben – ein Portal mit einem täglich wechselnden Live-Shopping-Angebot für die größten Städte in Deutschland. Wir standen im Wettbewerb mit Dailydeal und Citydeal aus Berlin und haben quasi Tag und Nacht neue Deals akquiriert und über die Plattform verkauft. Gleichzeitig galt es, die Finanzierung zu sichern und jede Menge Leute einzustellen. 2011 wurde Cooledeals dann von Qype gekauft und in QypeDeals umbenannt. Generell gab es bei allen Startups, bei denen ich aktiv war, immer Zeiten, in denen wir nicht wussten, ob wir die nächsten Gehälter noch zahlen können. Da lastet viel Verantwortung auf den Schultern des Gründers und man kann schlecht schlafen. Eine turbulente und sehr intensive Zeit im positiven Sinne erleben wir aktuell auch bei Rebike. Die Branche boomt und wir stehen vor dem Luxusproblem, dass wir die Nachfrage kaum bewältigen können. Im Team  ist aber viel positiver Spirit und wir wachsen rasant. Jetzt kommt es vor allem darauf an, noch mehr gute Mitarbeiter*innen zu finden.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): rebike1

#aktuell, #cooledeals, #grunderalltag, #interview, #rebike1, #reloaded

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#Interview – “Baut etwas auf, dass euch Spaß macht und tut es mit Menschen, die ihr mögt”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet David Prien, Gründer von FirstVet, eine schwedische Plattform für Tier-Telemedizin.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Ich versuche immer mit mindestens einem meiner beiden Hunde ins Büro zu gehen. Wenn es zu viel regnet, nehme ich den, der schlechtes Wetter nicht mag, denn dann kommen wir schneller im Büro an. Da ich keinen eigenen Schreibtisch habe, beginne ich meinen Bürotag damit, einen guten Platz zum Sitzen zu finden. Dann schreibe ich mir eine Aufgabenliste. Damit höre ich dann spätestens auf, wenn die Liste zu lang wird oder wenn ich mittendrin schon mit den ersten Aufgaben anfange.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Da musst du meine Ehefrau fragen (lacht) – sie wird dir wahrscheinlich sagen, dass Abschalten eine meiner größten Schwächen ist. Ich muss mich wirklich darauf konzentrieren und habe damit leider nicht immer Erfolg. Allerdings bin ich schon viel besser darin geworden, was wahrscheinlich an dem tollen Team um mich herum liegt, auf das ich mich verlassen kann.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Es ist sehr leicht, sich auf die falschen Dinge zu konzentrieren und viel Zeit auf Aspekte des Unternehmens zu verwenden, die nicht unbedingt das Unternehmen als Ganzes entwickeln. Das ist insbesondere zu Beginn der Reise eines Unternehmens oft der Fall. Man kann viel Zeit damit verplempern Strategien zu besprechen, Methoden zu optimieren oder sich auf interne Fragen konzentrieren. Am Ende geht es jedoch viel um die Umsetzung. Manchmal muss man einfach etwas ausprobieren und im Zweifel damit leben können, dass man sich zu 100 Prozent geirrt hat.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?
Gründen ist eine ständige Achterbahnfahrt und es gibt viele Hürden. Aus meiner persönlichen Perspektive finde ich es interessant, wie sich die Rolle eines Gründers im Laufe der Zeit entwickelt und welche Herausforderungen mit Führung und Kultur verbunden sind. Es ist wichtig in Bezug auf diese Aspekte einen Schritt weiter zu denken, damit sich die Dinge nicht in die falsche Richtung entwickeln.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Ich und mein Team haben schon viele Fehler gemacht – einfach weil wir oft eifrig verschiedene Initiativen gleichzeitig in Angriff genommen, sie aber nicht ausreichend durchdacht haben und teilweise die Bedeutung für alle Beteiligten unterschätzt haben. Das wird natürlich umso wichtiger, je größer unser Unternehmen wird. Wir haben gelernt, dass es wichtig ist eine gute Balance zwischen Umsetzung und Planung zu halten.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
In der Vergangenheit haben wir uns auf unser persönliche Kontakte und die Rekrutierung über unsere starken Netzwerke konzentriert. Ich finde, dass die Start-Up-Szene in Sachen Recruiting sehr speziell tickt. Viele Unternehmen werden von außen als sehr attraktiv wahrgenommen und ziehen Mitarbeiter an, einfach nur weil ihre Gründer eine sehr präsente Außenwirkung haben. Das sagt jedoch nicht viel darüber aus, ob das Unternehmen ein guter Arbeitsplatz ist. Ich denke, dass die beste langfristige Strategie, um Talente anzuziehen darin besteht, eine starke positive Unternehmenskultur zu entwickeln und nachweisliche Erfolge zu erzielen. Das wird vom Markt und von Bewerbern wertgeschätzt, so dass man auf lange Sicht kompetente Mitarbeiter gewinnt.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Da fallen mir spontan zwei Tipps ein. Erstens: Baut etwas auf, dass euch wirklich Spaß macht und tut es mit Menschen, die ihr wirklich mögt. Zweitens: macht euch stark für eure Idee und das, was ihr tut aber habt auch die nötige Demut, um zu erkennen, wenn Ihr falsch liegt.

Ohne welches externe Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
In diesen besonderen Zeiten sind es vor allem digitale Kommunikationsmittel, ohne die wir nicht arbeiten könnten. Und hätten diese, wie zum Beispiel Video-Calls sich nicht generell etabliert, dann wären wir als Unternehmen natürlich auch nicht in der Lage, unsere Dienstleistungen anzubieten.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Mit einer Mischung aus gesundem Pragmatismus und Bescheidenheit! Und es ist wichtig, einerseits mit Ernst bei der Sache zu sein und sich andererseits auch mal zurücklehnen zu können. Bei letzterem helfen uns unsere Bürohunde sehr. Von denen haben wir eigentlich viel zu viele im Büro. Aber ich mag es, von so vielen Tieren umgeben zu sein.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Das war der Abend, an denen uns ein sehr wichtiger Geschäftsabschluss gelungen ist. Da haben wir die ganze Nacht durchgefeiert. Das war in der Tat sehr wild.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

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#Interview – “Selbst wenn man in den Urlaub fährt, hört die Arbeit nicht auf”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antworten Tessa Zaune-Figlar und Valerie Henssen, die Gründerinnen von Vegdog, einem Shop für veganes Hundefutter.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Henssen: Seit circa einem Jahr verfolge ich die Miracle Morning Routine von Hal Elrod und kann sie definitiv empfehlen. Diese sieht folgendermaßen aus: Ich stehe sehr früh auf, um erst einmal Zeit für mich zu haben, denn das kommt im Rest des Tages zu kurz und abends ist man sehr müde durch den Tag. Also nehme ich mir früh morgens Zeit für verschiedene Aktivitäten wie Yoga, Joggen, Schwimmen, Lesen, Nachrichten schauen. Anschließend beginne ich beim Kaffee mit der Arbeit an: Ich checke Emails sowie Vegdogs Social Media-Kanäle und schaue Nachrichten. Dann geht es direkt ins Büro, wo ich den aktuellen Status mit Tessa bespreche und im Startup-Dschungel loslege.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Henssen: Ich lasse grundsätzlich meinen Laptop und Notizen im Büro, um eine klare Trennung zu haben und nicht wie früher meine Arbeit neben dem Bett vorzufinden. Außerdem versuche ich pünktlich Feierabend zu machen und laufe zu Fuß nach Hause. Das gibt mir dann genug Zeit, um den Tag Review passieren zu lassen und den Feierabend zu genießen.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Zaune-Figlar: Dass man 24/7 die Arbeit im Kopf hat und nie abschaltet. Selbst wenn man in den Urlaub fährt, hört die Arbeit nicht auf, weil man weiter plant und überlegt. Das hat gute wie auch anstrengende Seiten. Das Gute überwiegt zum Glück, denn man hat ein Thema gefunden, mit dem man sich immer beschäftigen möchte. Ebenfalls ist das Thema Bürokratie zu erwähnen: Es ist alles nicht so kompliziert und schwer, wie es die Behörden etc. darstellen. Ein Unternehmen aufzubauen ist ein Marathon und kein Sprint. Man muss wirklich lernen mit seinen eigenen Ressourcen gut umzugehen. Häufig ist man ungeduldig und hat lauter Themen auf dem Tisch, so dass man ins Rennen gerät und lossprintet. In solchen Momenten muss man sich immer etwas zurücknehmen, weil man sonst schnell erschöpft ist. Einen dauerhaften Sprint kann nämlich auch der beste Sportler nicht hinlegen.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Henssen: Ich habe mein zweites Studium unterbrochen, weil die Arbeit an Vegdog nicht mehr neben dem Studium zu bewältigen war. Das war sehr schwer nach vier Jahren harter Studiumsarbeit. Aber zum Glück kann ich es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal aufnehmen, sodass es kein finaler Abschied sein musste. Es war aber bis heute die beste Entscheidung, die ich fällen konnte! Man muss sich jeden Tag in neue Themenfelder einarbeiten. Als ich die Themen wie zum Beispiel Finanzplanung, Businessplan etc. zum ersten Mal angegangen bin, habe ich gedacht, dass wir das nicht zu zweit schaffen würden. Gerade am Anfang hat man fast täglich Momente, in denen man denkt „wie soll man das jemals schaffen“ – zum Glück wechselte dieses Gefühl zwischen Tessa und mir ab, sodass wir uns gegenseitig mitziehen konnten. Ein weiterer Punkt ist Mitarbeiterführung – man kann nie allen gleichzeitig gerecht werden. Als Geschäftsführer muss man lernen, einen guten Mittelweg zu finden.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Henssen: Zu denken, dass ich alles aus einem Buch lernen kann, bevor ich es mache. Das hat mich häufig ausgebremst. Aber aus der Uni kommend, in der man alles aus Büchern lernt, kannte ich es nicht anders. Im Start-Up gilt allerdings die Regel: Learning by Doing. Man muss einfach ins kalte Wasser springen, denn man merkt schnell, dass man hier auch gut schwimmen kann.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Zaune-Figlar:  Das ist sehr schwierig! Tatsächlich sind es diejenigen, die sich initiativ bewerben: sie kommen hochmotiviert und möchten unbedingt genau für dein Unternehmen arbeiten. Das ist gerade in der anfänglichen Wachstumsphase Gold wert. Das Schwierige daran: man hat klare Planungen, in denen diese Mitarbeiter nicht jedes Mal eingeplant sind. Wir versuchen hier allerdings immer so umzustrukturieren, dass wir sie aufnehmen können, weil es diejenigen sind, die eine intrinsische Motivation mitbringen, die unbezahlbar ist.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Zaune-Figlar:  Trau dich! Du lernst alles nur, indem du es machst und es gibt für alles eine Lösung!

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Zaune-Figlar: Definitiv E-Commerce: Onlineshop und Warenwirtschaft.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Henssen: Dafür sorgen vor allem die Hunde.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Zaune-Figlar:  Die Aufnahmen für das TV-Format “Die Höhle der Löwen”. Es war sehr surreal, plötzlich in einer Kulisse zu stehen, die man jahrelang nur aus dem Fernsehen kannte.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Vegdog

#aktuell, #femalefounders, #grunderalltag, #interview, #munchen, #vegdog

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#Interview – “Man darf sich nie sicher sein, dass alles so bleibt, wie es gerade ist”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Sebastian Wagner, Gründer von Hausgold. Bei jungen Startup finden Immobilienverkäufer den passenden Makler.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Normalerweise stehe ich um 6 Uhr früh auf. Ich kann es nicht lassen, dass ich dann erstmal die Zahlen vom Vortag checke. Das ist mein erstes To-do. Zum Glück weiß das mein Team aus der Business Intelligence: Sie schicken mir die Zahlen immer pünktlich jeden Tag um 5 Uhr früh. Dann geht es zwischen 8 und 9 Uhr ins Büro, wo ich die ersten Stunden des Tages durchplane und strukturiere. Das heißt konkret: Ich schaue, welche Meetings anliegen und was die wichtigsten Themen sind, die ich an dem Tag voranbringen möchte. Dann beantworte ich die ersten Mails und ab 9 Uhr gehen dann normalerweise die ersten Meetings los.  Am Abend so ab 19 Uhr habe ich dann etwas mehr Ruhe und Zeit, die Meetings nachzubearbeiten, weitere Mails zu beantworten, Reportings zu lesen, mich über Neuigkeiten in der Branche zu informieren etc.  Dann geht es nach Hause, ich nehme mir Zeit für die Familie. Und wenn dann noch was Wichtiges ansteht, arbeite ich auch gern nochmal so ab 22 Uhr für ein paar Stunden.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Ich bin frisch Vater geworden. Wenn ich die Kleine sehe, dann kann ich super abschalten. Aber eigentlich muss ich nicht groß abschalten, denn ich denke immer gerne an die Firma und die tollen Möglichkeiten, die wir haben, um Hausgold weiter zu entwickeln. Mir persönlich macht es einfach Spaß an einer Firma zu arbeiten, besonders wenn sie noch so große Potenziale hat. 

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Manchmal ist es auch gut, wenn man nicht alles weiß und es durch „Try and Error“ lernt. Deshalb wäre ich auch immer wieder den Weg gegangen, direkt aus der Uni als Unternehmer zu starten. Eins kann man aber sicher festhalten: Es ist sehr viel Arbeit, es dauert immer alles länger als gedacht und man darf sich nie sicher sein, dass alles so bleibt, wie es gerade ist – im Guten wie im Schlechten. 

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?
Von Beginn an lag die größte Herausforderung wohl in der Besonderheit unseres Modells: Vom ersten Kundenkontakt bis zum Verkauf einer Immobilie vergehen mehrere Monate. Da wir erst beim Verkauf des Objekts unseren Umsatz erwirtschaften und wir als Asset-Light-Plattform mit selbstständigen Maklern zusammenarbeiten, ist es nicht einfach, den gesamten Prozess zu begleiten und die Umsätze zu realisieren. Das führte zum Beispiel dazu, dass es eine Herausforderung war, Investoren zu überzeugen. Insbesondere weil die Umsätze aus den hohen Marketingkosten und auch der Erfolg von weiteren Maßnahmen erst spät gemessen werden konnten. Auch der Aufbau eines richtig guten Maklernetzwerk hat lange gedauert und war kostspielig. Dafür kann ich jetzt sagen: Die Begleitung dieses langen Prozesses ist mittlerweile unsere Stärke. Denn wir haben mit unserer transaktionsbasierten Plattform und Dateninfrastruktur mittlerweile ein sehr gutes Fundament aufgebaut. Wir können zukünftige Umsätze sehr genau prognostizieren und die Tests im Marketing oder bei neuen Prozessen frühzeitig bewerten. Zudem bildet ein Netzwerk aus mehr als 3.000 Maklern die Grundlage für unser Geschäft. In Zahlen heißt es: In deutlich weniger als sechs Monaten – früher war es über ein Jahr – haben wir mittlerweile unsere Marketing- und Personalkosten zurückverdient. Genau der richtige Augenblick also, um noch mehr aufs Gaspedal zu drücken. 

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Ich bin seit 10 Jahren Unternehmer und weiß, dass Fehler auf dem Weg zum Ziel dazugehören. Um welche zu nennen: Es ist schon passiert, dass wir den falschen Partnern vertraut oder zu lange an Mitarbeitern festgehalten haben, die gar nicht wirklich zum Aufgabenprofil passen. Organisatorische Fehler sehe ich darin, dass die Arbeit zeitweise zu wenig zielgerichtet verlief. Letztlich bringen Fehler uns aber weiter – und wir lernen daraus. 

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Da gibt es mehrere Wege: Mitarbeiter kommen zum Beispiel über Empfehlungen, über Bewerbungen oder über Direktansprachen. Davon kriegen wir genügend, schwer ist es dann aber, ein wirklich gutes Teamgefüge hinzubekommen und die passenden Mitarbeiter für unser Umfeld zu finden. Wir haben auch schon erlebt, dass an sich gute Mitarbeiter bei uns im Startup mit kurzen Wegen, Hands-on Mentalität und der Geschwindigkeit nicht glücklich waren und nicht ihre volle Leistung einbringen konnten. Wir versuchen deshalb neben der normalen fachlichen Leistung besonders auch das Teamgefüge mit zu berücksichtigen. Personalentscheidungen treffen wir nicht nach Bauchgefühl, sondern führen mehrere, standardisierte Gespräche und greifen auf Persönlichkeitstests zurück, um das Team fachlich und persönlich optimal zusammenstellen zu können. Ohne ein gutes Team geht es nicht.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Überlegt euch vor der Gründung genau, was die Erfolgsfaktoren sind, um euer Geschäft erfolgreich zu machen. Stellt euch die Fragen: Können wir diese selbst gut abdecken oder haben wir zumindest einen Plan wie dieses zukünftig geschehen soll? Denn irgendwo wird es ein anderes Team geben, das genau an der gleichen Idee arbeitet. Und da hilft es schon, bei den entscheidenden Faktoren besser zu sein. Wenn ihr das für euch geklärt habt, solltet ihr möglichst schnell und ohne große finanzielle Mittel eure Annahmen für ein erfolgreiches Business validieren. Oft reicht es, einfach mal den Hörer in die Hand zu nehmen und ein paar potenzielle Kunden anzurufen. Bevor man eine umfassende Website baut und eine Firma gründet, sollte man ein Gefühl für den Markt, den Kunde und die Umsetzbarkeit bekommen. 

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Ehrlich gesagt sind wir auf externe Tools gar nicht so festgelegt. Natürlich nutzen wir auch Slack, Github, Outlook etc., das ist heutzutage Standard. Aber am Ende merken wir immer wieder, dass die Diskussion um das richtige Tool uns nie so richtig weitergebracht hat und kriegsentscheidend war. Es geht mehr darum, das richtige Mindset zu haben und schnell zu sein. Dabei können Tools helfen, sind aber nicht der entscheidende Erfolgsfaktor. Für uns deutlich wichtiger: Die Frage, wie wir die Zusammenarbeit zwischen Verkäufer, freien Maklern und Hausgold mit unserer Plattform so stark vereinfachen und transparenter machen, dass wir wirklich den Immobilienverkauf nachhaltig verändern.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Ganz wichtig: Offene und ehrliche Kommunikation. Klare Ziele und Leitplanken vorgeben. Wir versuchen also alles, damit die Rahmenbedingungen stimmen, dann kann der Mitarbeiter seine optimale Leistung bringen. Ich lege Wert darauf, unsere Mitarbeiter mit regelmäßigen Entwicklungs- und Feedbackgesprächen zu unterstützen und auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. So wird die Motivation hoch gehhalten und die Mitarbeiter dazu zu gebracht, Außergewöhnliches zu leisten. Am Ende muss der Mitarbeiter dann aber auch den Willen haben, diesen Weg mit uns zu gehen. Klar machen wir auch Teamevents, es gibt kostenlose Getränke und andere Benefits, was man halt so im Startup macht.  Aber das ist aus meiner Sicht nicht das Entscheidende, damit unsere Leute gern zu Arbeit kommen.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Für mich gibt es jetzt nicht DAS wildeste Startup-Erlebnis, sondern eher mehrere bzw. ein Startup zu gründen ist per se ja schon wilder Ritt! Wir bewegen uns immer auf neuen Wegen, müssen um die Ecke denken und testen Dinge, die sich vielleicht erst mal verrückt anhören. Das ist unser tägliches Brot und genau das macht Spaß. Gerade am Anfang geht es sehr wild zu, insbesondere wenn die Firma schnell wächst. Dann heißt es, zügig Strukturen reinzukriegen, Gehälter zahlen, Prozesse einführen, das Team auf Spur bringen etc. Parallel dazu muss man sich mit unvorhergesehenen Dingen beschäftigen, wie zum Beispiel Betrugsversuche und Co. und ich als Gründer muss trotzdem alle Bälle gleichzeitig in der Luft halten. 

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

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#Interview – “Nach zwanzig Jahren Gründer-Erfahrung schockt mich kaum noch etwas!”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Adrian Locher, Mitgründer von Merantix. Das junge Unternehmen kümmert sich um den Transfer von KI-Forschung in die Wirtschaft. 

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Direkt nach dem Aufstehen beginne ich den Tag erstmal mit Zeit für mich. Am liebsten starte ich mit Sport und meditiere oder lese danach – am liebsten zu philosophischen Themen. Erst danach greife ich nach Handy und Notebook, um alle Mail- und Messenger-Inboxes zu screenen. Um dabei effektiv zu sein, gehe ich nach dem Triage-Modell vor: Dinge, die in weniger als 20 Sekunden machbar sind, erledige ich sofort; alle anderen aus den Nachrichten hervorgehenden Tasks delegiere ich entweder oder stelle sie auf spätere Wiedervorlage. Nachdem das erledigt ist, werden dann meistens auch meine Kinder wach, denen dann der ganze Rest des Morgens gehört. Das gemeinsame Frühstück mit gutem Kaffee und Obst ist mir sehr wichtig. Wann immer möglich, bringe ich meine Kinder dann auf dem Weg ins Büro in den Kindergarten und in die Schule.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Dazu hilft mir am besten das Spielen mit den Kindern, das Kochen mit meiner Partnerin oder der Gang in die Natur. Wenn ich für mich sein will, dann treibe ich Sport, lese oder meditiere.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Um ehrlich zu sein: Ich habe nie etwas anderes gemacht, als zu gründen oder unternehmerisch tätig zu sein. Schon zu Schulzeiten habe ich ein kleines Unternehmen aufgebaut, später dann zugunsten des Unternehmerdaseins die Uni direkt nach dem Bachelorabschluss verlassen. Will sagen: Nach zwanzig Jahren Gründer-Erfahrung schockt mich kaum noch etwas!

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Am Anfang eines jeden Ventures geht es um den Aufbau von Reputation. Die ist wichtig für das Gewinnen von Kund*innen, Mitarbeiter*innen und Investor*innen. Dabei ist es immer zentral, dass ich nicht nur viel verspreche – Stichwort Vision –, sondern entsprechend auch liefern kann – Stichwort Execution. Um das richtig zu machen, gibt es meiner Ansicht nach zwei relevante Dimensionen: Energie und Kreativität. Energie, um die Extrameile zu gehen, also mehr zu tun als andere. Kreativität, um Dinge anders, innovativer zu machen als die Konkurrenz. Das war und ist auch bei Merantix das Erfolgsgeheimnis.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Grundsätzlich hatte ich immer schon das Glück, eine gute Intuition für Menschen zu haben. Dennoch habe ich rückblickend in einigen Situationen zu lange an Menschen festgehalten, die nicht gut gepasst haben, ob als Kunden oder im Team. Dem versuche ich nun entgegenzuwirken mit mehr Offenheit und Transparenz, sodass Unstimmigkeiten direkt angesprochen und behoben werden können. Der wohl mit Abstand größte Fehler jedoch war, dass ich mir lange Jahre nicht genügend Zeit für mich selbst eingeräumt habe und es keine Balance zwischen Business, Familie und mir selbst gab. Während eines Sabbaticals ist mir das bewusst geworden und ich gehe seitdem ganz anders an das Thema heran. Daher sind mir zum Beispiel auch die Momente mit meinen Kindern absolut heilig. Und wenn ich nicht bei ihnen sein kann, dann will ich in der Zeit etwas sinnvolles tun – so wie bei Merantix, wo wir mit Künstlicher Intelligenz Unternehmen und Produkte entwickeln, die einen positiven Einfluß auf die Welt in der wir leben, haben werden. 

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Die Grundlage dafür, andere einzuschätzen und sie als Team-Mitglieder aufnehmen zu wollen, ist, sich selbst zu kennen. Bevor ich mein Gegenüber zu verstehen und einzuordnen versuche, muss ich als Individuum meine eigenen Stärken und Schwächen klar benennen können. Auf der Ebene darüber, also aus Organisationssicht, ist der Fit zum Wertesystem enorm wichtig. Bei Merantix gründen wir unser Handeln und unsere Kultur auf Leidenschaft, Vertrauen, Gemeinschaft und Exzellenz. Die Frage ist also: Passt ein*e Bewerber*in zu uns? Wir versuchen das in vielen Gesprächen und abschließend auch an zwei sogenannten “Onsite Days” herauszufinden – und sagen, wenn etwa die Skills passen, aber sich kulturelle Probleme andeuten, im Zweifel klar “Nein”. Das ist für beide Seiten besser so, denn dann weiß jede*r genau, woran sie oder er ist.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Entwickle dich ständig als Mensch, Leader*in und Partner*in weiter – etwa indem du dich mit Menschen umgibst, die schlauer als du sind, aber die gleichen Werte mit dir teilen – und baue nur dann ein Unternehmen auf, wenn du Passion dafür hast – denn nur die trägt dich in schwierigen Phasen.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Die G Suite und Slack sind für die Kollaboration bei Merantix gleichsam wichtig, weil sie Austausch und damit Transparenz im Team ermöglichen. Dazu sind – neben den Köpfen und Herzen unserer Teams, meiner Meinung nach übrigens die wichtigsten “Tools” – die Server und die Dateninfrastruktur für unsere Machine-Learning-Plattform unabdingbar. 

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Das fängt schon mit der Auswahl der richtigen Leute an! Wir achten auf einen Mix an diversen Typen, setzen ihnen klare Ziele und geben damit einen Rahmen vor, innerhalb dessen sich jede*r mit größtmöglicher Freiheit bewegen kann. Das betrifft zum Beispiel auch die Urlaubstage – die zählen wir nämlich nicht mit. Im täglichen Umgang mit unseren Gründer*innen setzen mein Co-Gründer Rasmus Rothe und ich sehr stark auf Coaching und persönliche Weiterentwicklung. Während Rasmus als einer der Top-Experten in Sachen KI und Computer Vision Expertise aus der Forschung weitergibt, profitieren Team-Mitglieder in meinem Fall von den vielfältigen Erfahrungswerten als Seriengründer, der neben mehreren erfolgreichen Exits auch mehrfach gescheitert ist. Eine Sache, die ich noch sagen möchte, auch wenn sie unbequem ist und ich sie über die vielen Jahre immer wieder schmerzhaft lernen musste: Mir fällt es heute viel leichter, mich schnell von jemandem zu trennen, der nicht oder nicht mehr ins Team passt. Das hat mitunter wahrscheinlich den stärksten Effekt auf eine gute Kultur im Team.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Bevor ich mich während eines Sabbaticals in San Francisco für das Thema KI begeisterte und 2016 dann schließlich mit Rasmus Merantix gegründet habe, habe ich in der Schweiz das E-Commerce-Unternehmen DeinDeal aufgebaut und zum Exit geführt. Die Zeit war extrem intensiv: In den ersten 18 Monaten sind wir damals von 0 auf 200 Mitarbeiter*innen gewachsen und hatten bereits nach fünf Jahren einen Jahresumsatz von über 100 Millionen Euro Umsatz. Ein solches Wachstum hatte ich bis dato noch nie erlebt. Jeder Tag fühlte sich ein bisschen wie ein Ritt auf einer Rakete an, die während des Fliegens gebaut werden muss.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Merantix / Viktor Strasse

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#Interview – “Alle kochen nur mit Wasser. Punkt”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Daniel Schnadt, Gründer von Gambio. Bereits seit 2004 bietet das Bremer Unternehmen individuelle Cloud-Lösungen für E-Commerce-Startups und etablierte Unternehmen an.

Wie startest du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Mein Arbeitsalltag beginnt generell schon lange, bevor ich die Bürotür öffne. Ich checke meine E-Mails übers Smartphone und je nachdem, welche Fragen oder Informationen reingekommen sind, greife ich auch noch einmal zum Notebook und kümmere mich darum, ehe ich ins Büro fahre. Im Büro angekommen, stehen meistens alltägliche Dinge an, also Meetings, Mitarbeitergespräche usw. – wenn es gut läuft. Wenn es zwischendurch irgendwo brennt und Dringliches an mich herangetragen wird, dann geht das natürlich vor.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Häufig gar nicht! Mittlerweile gelingt mir das etwas besser als früher, aber so richtig abschalten tue ich nur selten. Aber das stört mich auch gar nicht weiter, im Gegenteil! “Abschalten” hat irgendwie eine negative Konnotation, also für mich persönlich gesagt, weil mir meine Arbeit ja Spaß macht. Du als Gründer, du willst das ja auch. So sollte es zumindest sein. Wenn du auf dein Unternehmen Bock hast, dann ist das positiver Stress. Wenn du dein Ziel vor Augen hast, dann machst du das Ganze auch gerne. Klar, das kostet viel Kraft, und nein, das kannst du so nicht 40 Jahre lang machen, aber insbesondere am Anfang ist es nicht verkehrt, so zu ticken. Inzwischen ist Gambio ja längst ein Unternehmen mit einem eingespielten Team. Es ist somit für mich nicht mehr ganz so krass, daher schalte ich gerne mit meinen Kindern ab und gehe in den Garten.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Alle kochen nur mit Wasser. Punkt. Wenn man sich das vor Augen führt, dann macht man sich viel weniger Gedanken und dann klappt das, was man vorhat, auch. Die meisten Leute, die gründen wollen, starten nie, weil sie sich nichts zutrauen oder alles bis ins letzte Detail und darüber hinaus zerdenken. Einfach machen, nicht zu viele Gedanken vorab machen, das ist meine Empfehlung.

Was waren die größten Hürden, die du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Keine. Nur die Hürde, sich selbst zu trauen.

Was waren die größten Fehler, die du bisher gemacht hast – und was hast aus diesen gelernt?
Ich weiß gar nicht, ob das ein Fehler ist, aber man hätte häufiger noch mutiger sein können. Aus damaliger Sicht war es richtig so, wenn wir lieber eine Entscheidung auf “Nummer sicher” gefällt haben, statt etwas risikoreicher zu entscheiden – und rückblickend ist man eh immer schlauer.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Am Anfang am besten tatsächlich über Empfehlungen. Aus meiner Sicht ist das auch der schwerste Punkt: Gute Mitarbeiter müssen idealerweise so zufrieden sein, dass sie von alleine überlegen, wer aus ihrem Netzwerk gut ins Team passen würde und diese Leute dann empfehlen. Was Gründerinnen und Gründern klar sein muss, ist, dass es vielen Menschen nicht mehr alleine um das Gehalt geht. Inzwischen möchte eigentlich jeder lieber etwas machen, das Spaß macht, etwas, woran er glaubt. Es motiviert, etwas beitragen zu können, etwas Gutes zu tun und anderen helfen zu können. Daher ist es wichtig, dass ein Unternehmen für etwas steht und Haltung zeigt. Dann muss man diese Haltung transportiert bekommen und Leute finden, die auch für diese Werte stehen. Ein Anreizsystem haben wir im klassischen HR-Sinne nicht. Die ultimative Motivation sind die Menschen selbst, mit denen man arbeitet: In einem Team zu arbeiten, das Bock hat, zu pushen und sich gegenseitig zu Größerem zu befähigen. Und am Ende auch etwas Konkretes von den gemeinsamen Erfolgen zu haben.

Welchen Tipp hast du für andere Gründer?
Mein Tipp für andere Gründer, auch wenn ich damit Gefahr laufe, abgedroschen zu klingen: Machen. Auch, wenn es mal nicht so läuft, wie geplant. Die meisten, die ein Start-up gründen wollen, beachten dabei alles: Der Businessplan und das Pitchdeck werden bis ins kleinste Detail ausgefeilt. Das ist gut und sinnvoll, denn natürlich lernst du dadurch dein eigenes Unternehmen richtig gut kennen – aber hin und wieder fehlt das letzte bisschen Mut, auch mal von diesen vorgedruckten Pfaden abzuweichen.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Da gibt es kein “Tool”, das Tool heißt Internet. Dem bin ich sehr dankbar. Wir sind mit Gambio in der richtigen Zeit ziemlich unkompliziert an den Start gegangen. Es gab viel Raum für das Ausprobieren neuer Geschäftsmodelle. Das ist jetzt, 15 Jahre später, aus meiner Sicht viel schwerer aber grundsätzlich immer noch möglich..

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Ja, eine gute Frage. Gerade in den ersten Monaten der Corona-Zeit saß ja jeder zuhause, das war noch einmal eine ganz besondere Herausforderung in Sachen Stimmung. Wir haben aber schnell einen guten Dreh rausgehabt und gute Lösungen gefunden, damit das Zwischenmenschliche bei uns nicht zu kurz kam. Generell herrscht in einem guten Team ein guter Umgang, denn dann ist automatisch die Stimmung positiv. Und klar, es ist auch schön, wenn die Leute nach Feierabend mal ein Bier zusammen trinken gehen. Bisher ist meine Erfahrung, dass das ziemlich gut funktioniert, vor allem, wenn ich als Gründer einen offenen und wertschätzenden Umgang vorlebe.

Was war dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Vielleicht nicht wild, aber ungewöhnlich und es regt zum Nachdenken an: Wir wollten im Jahr 2009 gerne in die USA expandieren. Wir haben also Pläne gemacht, uns einen US-Amerikaner als Partner gesucht, Geld in die Hand genommen und sogar ein Büro angemietet – wir waren schon relativ weit. Ich bin dann rüber in die Staaten geflogen, um persönlich vor Ort alles zu klären. Und plötzlich hat sich unser Partner nicht mehr gemeldet. Direkt in der Gründungsphase! Ich habe versucht, ihn auf allen Kanälen zu erreichen – ohne Erfolg. Er meldete sich dann ein paar Tage später und sagte mir, er wäre von einem Einbrecher in seinem Haus angeschossen worden, als er diesen überwältigen wollte. Ein paar Tage später erlag er seinen Verletzungen. Das war eine traurige und schockierende Erfahrung, nach der wir unsere Pläne erst einmal auf Eis legen mussten.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

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#Interview – “Um erfolgreich zu sein, musst du deine Energie langfristig einsetzen”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Vincent Huguet, Gründer der französischen Freelancer-Plattform Malt.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? 
In der aktuellen Situation starte ich meinen Tag wie die meisten zu Hause und bereite Frühstück für meine drei Kinder vor. Normalerweise würde ich aber mit dem Fahrrad durch den Englischen Garten ins Büro fahren und FIP Radio hören – ein Pariser Radiosender, den Jack Dorsey als den Besten der Welt empfiehlt.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Entweder gehe ich laufen oder ich mache einen langen Spaziergang durch die Münchner Innenstadt.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Die Tatsache, dass sich die Unternehmensstrukturen und die Dynamik innerhalb der Teams durch schnelles Wachstum extrem verändern werden, war mir vorher in diesem Ausmaß nicht bewusst. Mit Mitarbeitern umgehen, und sie zu begeistern, ist eine sehr unterschiedliche Aufgabe, je nachdem ob du 3, 10, 50 oder 200 Mitarbeiter hast. Als Gründer musst du darauf vorbereitet sein, deinen Management-Stil und deine Fähigkeiten für diese Aufgabe weiterzuentwickeln.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Die besten Mitarbeiter einstellen. Die richtige Wahl hängt hier sehr stark von dem Stadium ab, in dem sich dein Unternehmen gerade  befindet. Der beste Mitarbeiter für dein Team bei 5 Mitarbeitern muss sehr unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen, wie derjenige, der ein bestehendes 20-köpfiges Team übernehmen soll. Hier die richtige Wahl zu treffen, ohne dabei bei Menschlichkeit und Kultur Abstriche zu machen, wird immer eine Herausforderung bleiben.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Die Antwort ergibt sich im Grunde aus der vorherigen Frage. Ich glaube sehr stark an menschliche Beziehungen und die Dynamiken, die sich aus dem richtigen Set-up an Menschen und individuellen Talenten und Teams ergeben. Hier passieren aber leider auch Fehlentscheidungen. Ein Start-up ist in dieser Hinsicht ein sehr empfindliches Konstrukt. Das Problem ist, dass man falsche Entscheidungen oft nicht schnell genug erkennt, aber in einem solchen Fall eigentlich schnell handeln muss. Meine größten Fehler waren daher in manchen Situationen nicht schnell genug und manchmal Situationen zu schnell einzustellen.  Und wenn man die Chance hat, einen fantastischen Kandidaten einzustellen, dann sollte man es auch tun und im Zweifel eine Rolle für ihn schaffen.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Rekrutierung funktioniert nach den gleichen Prinzipien, wie einen Marktplatz aufzubauen – zum Glück machen wir bei Malt beides. Die Herausforderung liegt im alten Problem von der Henne und dem Ei. Um die besten und richtigen Mitarbeiter zu finden, musst du für sie attraktiv sein. Um attraktiv zu sein, musst du die Besten haben. Der Schlüssel sind die ersten Mitarbeiter, ob im Unternehmen, in einem neuen Team oder in einem neuen Land. In diese ersten Mitarbeiter sollte man all seine Mühe investieren. Bei Malt habe ich die meisten unserer Mitarbeiter – bis zum 150. – im finalen Interview getroffen, sowie alle Schlüsselpositionen in neuen Teams.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer? 
Ein Startup ist ein Marathon, kein Sprint. Um erfolgreich zu sein, musst du deine Energie langfristig einsetzen und bereit sein in jedem Stadium dazuzulernen. Dafür brauchst du Austausch und Hilfe von anderen. Ich würde jedem Gründer empfehlen ein offenes Ohr zu entwickeln und sich von ausgezeichneten Talenten in deinem Gründerteam, unter deinen Mitarbeitern oder deinen Führungskräften beraten zu lassen. Und sich mit anderen Gründern austauschen.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Slack. Ohne dieses Tool wären wir nicht in der Lage gewesen die Kommunikationskultur zu etablieren, die uns heute zu einem agilen und kollaborativen Unternehmen macht, das ohne starke Hierarchiestrukturen auskommt.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Vertrauen, Autonomie und eine ehrgeizige Vision auf den Weg geben und die Magie geschehen lassen. Das richtige Team wird Großartiges erreichen, wenn sie eine Vision vor Augen haben und dafür den Freiraum bekommen, den sie brauchen, um die besten Ideen auszuleben.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?  
Karaoke war von Anfang an Teil unserer Malt-Kultur, daraus sind mehr wilde Abende entstanden als ich hier aufzählen könnte. Darunter hat auch mal das ein oder andere Meeting am Morgen gelitten. Aber rückblickend würde ich daran trotzdem nichts ändern. Am Ende sind es diese Erfahrungen, die deine Firmenkultur schaffen und dein Team zu einem herausragenden Team machen. Manche Dinge lassen sich nicht in Zahlen oder Fakten präsentieren und sind dennoch erfolgsentscheidend.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

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#Interview – “Persönliche Beziehungen sind wichtiger als die Strategie”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Camilo Anabalon, Gründer der Medizintechnikfirma Babybe. Das Unternehmen entwickelt High-Tech-Matratzen, die Frühchen bei der Entwicklung im Inkubator helfen sollen.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
An einem normalen Tag wache ich etwas vor 7 Uhr morgens auf – normalerweise döse ich ab 6:30 Uhr – und gehe direkt unter die Dusche. Dann ziehe ich mich an und gehe in die Küche, um mir einen frischen Kaffee zu kochen und das Frühstück für meine Frau vorzubereiten – sie stillt unser 5 Monate altes Baby, deshalb braucht sie jede Hilfe, die sie bekommen kann. Während ich meinen Kaffee trinke, schaue ich die Nachrichten an oder lese etwas. Ich habe festgestellt, dass Lesen – oder morgens spazieren gehen – optimal für den Einstieg in den Tag ist. Wenn der Kaffee fertig ist, beantworte ich alle kritischen Mails und beginne mit der Tagesordnung.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Normalerweise laufe ich vom Büro nach Hause. Aus der halben Stunde wird meistens mehr, weil ich meine Kamera heraushole und unterwegs ein paar Straßenbilder mache. Wenn es klappt, tauche ich ganz in den Akt des Fotografierens ein und komme mit einem oder zwei guten Bildern nach Hause. Aber es kommt auch sehr oft vor, dass das, was mir durch den Kopf geht, wenn ich das Büro verlasse, bis zum Abend bei mir bleibt. Und dann sind alle Bilder langweilig.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Mehrere Dinge:Work-Life-Balance bezieht sich aufs ganze Jahr, nicht auf die tägliche oder wöchentliche Arbeit. Persönliche Beziehungen sind wichtiger als die Strategie. Wenn die Teamdynamik nicht stimmt, läuft das Business nicht. Gründer und Manager sind nicht dasselbe, meistens haben sie divergierende Erwartungen. Deshalb muss man eine Seite wählen,um nicht mit sich selbst in Konflikt zu stehen. Belohnungen kommen von da, wo man sie am wenigsten erwartet.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Das Start-up-Modell ist eine ziemliche Herausforderung, wenn es in einer stark regulierten und von Unternehmen dominierten Branche wie der Medizintechnik finanziert werden soll. Lange Entwicklungs- und Testzeiten, hoher regulatorischer Aufwand, umfangreiche klinische Validierung und lange Verkaufszyklen belasten den Cashflow und die Kapazität des Teams. Außerdem sind globale Lieferkette auf die Produktion großer Mengen abgestimmt. Wenn man die ersten Produktionschargen mit geringen Mengen auf den Markt bringt, dann wird es viel mehr Zeit und Geld kosten, als man erwartet. Die größte Herausforderung für ein Medizintechnikunternehmen ist der Übergang von der Entwicklungsphase zum Massenmarkt. Das haben wir mit Babybe schon sehr gut gemeistert.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Es klingt wie eine Selbstverständlichkeit, ist es aber nicht: Die Investition ist erst sicher, wenn die Tinte auf dem Papier getrocknet ist. Außerdem sollte man nie davon ausgehen, dass jeder das Ziel und die Prioritäten der Arbeit versteht. Das können Grundlagen wie Mission/Vision Statement, Product Value oder so einfache Dinge wie das Ziel einer Teamsitzung sein. Wenn die Ziele nicht gut definiert sind, dann kann selbst das irrelevanteste Thema einen viele Stunden und Frustration kosten. Deshalb sollte man die Ziele immer so erklären, dass auch der letzte sie einwandfrei versteht.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Die besten sind diejenigen, die einen selbst finden. Wenn jemand die Hand nach Dir ausstreckt und Dir sagt, dass ihm Dein Unternehmen gefällt, gib ihm eine Chance. Und wenn es jemanden gibt, den Sie für Ihr Team gewinnen wollen, bieten Sie ihm keine Stelle an, sondern eine Herausforderung.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Don’t be a dick. Du hast vielleicht einen wirklich großartigen Plan, aber ohne Team und sein Engagement bist du nichts.

Ohne welches externe Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Technisch gesehen: ein gutes Videokonferenzsystem. Wir arbeiten in der Regel an verschiedenen Standorten, und die Dynamik des – virtuellen – Büros ist von grundlegender Bedeutung, um das Tempo zu halten. Professionell: Einfühlungsvermögen. Es gibt nichts Mächtigeres, um den Standpunkt, die Werte und Bedürfnisse der anderen Personen zu verstehen. Der Großteil der Transaktionen eines Startups erfolgt nicht in Geld, sondern in Wert(en). Jeder ist bereit, Dir etwas zu geben – Rat, Zeit, Erfahrung, Wissen, Zugang – im Austausch gegen etwas, das sie schätzen.
Abgesehen davon: Excel.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Persönliche Fürsorge, mich selbst nicht allzu ernst nehmen, immer Raum für Selbstdarstellung lassen und – was am wichtigsten ist – die Arbeit herausfordernd halten. Langeweile ist der Motivationskiller Nummer eins. Und schließlich sollten Sie auch in den schlimmen Situationen, die jedes Startup durchläuft, einen Platz für Humor finden -sei er noch so schwarz.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Zu sehen, wie eine gute Freundin von mir mein Produkt benutzt, um mit ihrer Tochter in Verbindung zu bleiben. Keine exotische Geschäftsreise, kein Start-up-Wettbewerb, keine Finanzierungsrunden, keine globalen Auszeichnungen, keine Produkteinführung und kein anderes Erlebnis kann damit konkurrieren, Zeuge zu werden, wie jemand, den man liebt, durch die Arbeit, die man tut, und das Produkt, das man geschaffen hat, verändert wird. Das lässt einen über die eigene Leichtigkeit und Freude staunen. Es verleiht der Zeit, die Sie mit Ihrer Arbeit verbringen, einen Sinn.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

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#Interview – “Die größte Herausforderungen war es, meine Eltern zu überzeugen”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antworten Johannes Laub und Jamal El Mallouki, die Gründer von CrowdDesk. Mit der Softwarelösung des Startups können Kunden Geld einwerben, vermitteln und Transaktionen sicher abwickeln.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Laub: Ich bin früher eher unstrukturiert in den Tag gestartet. Mittlerweile schaffe ich es mir jeden Morgen eine halbe Stunde Zeit zu nehmen, um den Tag zu planen. So habe ich einen besseren Überblick und weiß, was tagsüber auf mich zukommt, aber auch, was ich abends geschafft habe. Was ich mir für 2020 auch fest vorgenommen habe: morgens endlich wieder Sport zu machen.

El Mallouki: Der erste Blick geht immer aufs Handy, damit ich einen Überblick über meine Termine habe. Je nachdem, wie lange es am Abend davor ging, gibt es zwischen halb acht und zehn Uhr den ersten Kaffee im Büro – und dann geht’s los.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
El Mallouki: Richtig abschalten ist schwierig, muss ich aber auch nicht. Ich mache den Job, weil er mir unheimlich viel Spaß macht. Auch wenn ich mit Freunden unterwegs bin, ist CrowdDesk immer mit dabei. 

Laub: Mir hilft es meine Zeit bewusst mit Leuten außerhalb des Unternehmens, also mit Familie und Freunden, zu verbringen. Mit ihnen über andere Dinge zu sprechen ist ein guter und wichtiger Ausgleich für mich.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Laub: 
Wie wichtig die Auswahl der Mitarbeiter ist, mit denen du täglich zusammen arbeitest und gemeinsam ein Unternehmen aufbauen willst. Nicht die richtigen Kandidaten einzustellen, bedeutet nämlich nicht nur Enttäuschung, sondern auch Mehraufwand. Hier hätten Jamal und ich von Anfang an stärker auf unser Bauchgefühl hören sollen.

El Mallouki: Das Mitarbeiter das Wichtigste sind – ohne ein gut zusammengesetztes Team geht nichts. Und dass man sich mehr auf die Umsetzung fokussieren sollte und nicht so viel theoretisch über Sachen nachdenkt. Wir hätten, gerade zu Beginn, schneller mit unsere Software an den Markt gehen sollen, um Feedback einzuholen und sie weiterzuentwickeln. Das hat uns am Anfang gefehlt und deshalb viel Zeit gekostet. 

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Laub: Die größte Herausforderungen war es zunächst meine Eltern von der Gründung eines eigenen Unternehmens zu überzeugen. Als wir damals mit LeihDeinerStadtGeld.de gestartet sind, waren Jamal und ich noch mitten im Studium. Inzwischen haben wir sie aber von unserer Geschäftsidee überzeugt. Und was mir in der Gründungszeit schwer gefallen ist: Kompetenzen aufzuteilen und die Entscheidung der anderen entsprechend mitzutragen. 

El Mallouki: Das passende Team zu finden und sich selbst jeden Tag zu hinterfragen und zu motivieren neu zu denken. Das waren und sind definitiv die größten Herausforderungen.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
El Mallouki: Wir haben zu Beginn oft Kompromisse beim Personal gemacht. Dabei ist es immer die falsche Entscheidung, wenn es sich nach einem Kompromiss anfühlt. Da hätte ich viel öfter auf mein Bauchgefühl hören sollen. Deswegen lernen Johannes und ich die Kandidaten jetzt auch immer persönlich kennen, bevor sie ein Angebot von uns bekommen.

Laub: Wir dachten damals, dass die Plattform perfekt sein muss, haben sie in der Theorie gut durchdacht, aber das Feedback von Kunden erst recht spät eingeholt. Was ich daraus gelernt habe: wie wichtig der laufende Austausch mit dem Markt ist. Und das ehrliche Meinungen entscheidend sein können – positiv wie negativ.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Laub: Das Netzwerk unserer Mitarbeiter ist wichtig. Wenn sie zufrieden sind, sind sie die besten Botschafter. Ich denke, dass uns das bei CrowdDesk sehr gut gelungen ist. Außerdem stelle ich mir inzwischen in jedem Vorstellungsgespräch, das ich führe, selbst die Frage: kann ich mir vorstellen mit demjenigen länger Zeit zu verbringen? 

El Mallouki: Durch harte Arbeit! Man muss die Leute aktiv ansprechen und alle möglichen Quellen mobilisieren, wie die eigenen Mitarbeiter, Dienstleister und auch den Freundes- und Familienkreis. Wir gehen mit den Kandidaten mit einem klaren Erwartungsmanagement und Wertekanon ins Gespräch. Uns ist ganz besonders wichtig, dass unsere Mitarbeiter zu unserem bestehenden Team passen. 

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Laub: Tauscht euch mit anderen Gründern aus – egal aus welchem Bereich. Seid neugierig und stellt Fragen. 

El Mallouki: Kümmert euch immer auch um euer persönliches Umfeld und vernachlässigt Freunde, Freundinnen, Ehepartner und Familienmitglieder nicht! Und: Behaltet nichts für euch, sprecht mit Leuten über euer Start-up, die Ideen, die ihr habt. Ihr könnt viel aus Gesprächen und Meinungen anderer lernen.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Laub: 
Hubspot ist für uns extrem wichtig. Es hält unser Wachstum zusammen und macht es kontrollierbar.

El Mallouki: Nintendo Wii MarioKart! Wir fahren leidenschaftlich gerne Rennen im Turniermodus. Es gibt sogar eine Meisterschaft einmal im Jahr!

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
El Mallouki: Für mich ist gegenseitiger Respekt ein ganz wichtiger Wert für gute Stimmung. Es kommt immer gut an, den Leuten Freiräume zu lassen, sie aber auch mitzunehmen auf der Reise, ihre Ängste und Sorgen aufzunehmen und gemeinsam Erfolge zu feiern. Ich verbringe gerne Zeit mit meinen Mitarbeitern, nicht nur innerhalb der traditionellen Arbeitszeiten. Wir organisieren dafür auch mal was am Wochenende oder nach Feierabend, machen zusammen Sport oder spielen MarioKart.

Laub: Für mich ist die Auswahl der richtigen Mitarbeiter ein entscheidender Punkt. Ein weiterer wichtiger Punkt für eine gute Stimmung sind gute Ergebnisse. Das bringt das Team gemeinsam weiter und motiviert alle. 

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
LaubAls unsere erste Plattform LeihDeinerStadtGeld gestartet ist. Dass nach monatelanger Arbeit unser Produkt endlich live war – und dass dann tatsächlich die ersten Anleger Geld in die Projekte investiert haben. Also jemand uns vertraut hat, den wir nie gesehen oder gesprochen haben. Das war unglaublich!

El Mallouki: Jede CrowdDesk-Weihnachtsfeier ist die wildeste, jedes Jahr aufs Neue. In den letzten Jahren dachten wir immer: Das kann nicht getoppt werden! Und dann passiert es doch immer wieder. Ich hab also nicht nur ein wildestes Erlebnis, ich hab es jährlich! 

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

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Foto (oben): CrowdDesk

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#Interview – “Für mich ist ein klarer Rhythmus sehr wichtig”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Marc Nicolas Polleti, Mitgründer von Cluno.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Mit einem wunderbaren Cappuccino aus meiner Rocket-Siebträgermaschine! Meine Frau Christina und ich sind Kaffeeliebhaber und haben sowohl unser Office für unsere Mitarbeiter als auch unsere eigene Küche mit einer guten italienischen Kaffeemaschine ausgestattet.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Da geht es mir wie allen anderen: Ich bin gedanklich nicht automatisch im Feierabend, sobald ich nach Hause komme. Ich habe mich auch von der Vorstellung verabschiedet, dass die Firma nur funktioniert, wenn ich täglich 14 Stunden im Büro bin. Wenn das so wäre, hätte Cluno ein Problem – außerdem hält das niemand auf Dauer durch. Für mich ist ein klarer Rhythmus sehr wichtig – der bringt Struktur und macht auf lange Sicht produktiver. Was ich außerdem gelernt habe: Kreativität funktioniert nicht auf Knopfdruck: Die besten Einfälle habe ich erstaunlicherweise bei meiner abendlichen Sport-Session, wenn ich am Grill stehe, im Camping-Urlaub. Also dann, wenn ich nicht arbeite.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Die initiale Geschäftsidee ist nur 10% vom Erfolg eines Startups. Der weitaus größere Teil ist harte Arbeit und Disziplin. Immer und immer wieder müssen Lösungen für Probleme gefunden werden, die nun mal auftauchen. Je früher man das lernt, desto besser. Die aktuelle Lage ist da übrigens ein gutes Beispiel: Egal wie gut deine Geschäftsidee ist, du wirst dein Business durch eine wirklich herausfordernde Phase führen müssen.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Das Thema der Refinanzierung hat mir ganz am Anfang von Cluno am meisten schlaflose Nächte bereitet. Als Startup von den Banken das Kapital für Autos zu bekommen, war eine Herausforderung – selbst mit unserem Background im Automotive Bereich. Am Ende waren wir aber auch damit sehr erfolgreich und haben bisher in Summe etwa €150 Millionen Fremdkapital eingesammelt.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Bei Cluno sind die ganz großen Fehler bisher ausgeblieben, sonst wären wir nicht so schnell so weit gekommen. Mein größtes Learning aus meinen beiden eigenen Startups ist: Konzentriere dich als CEO auf 1. Hiring, 2. Fundraising, 3. Company Vision und das Mitnehmen aller Stakeholder auf dieser Reise. Und wenn, wie aktuell, die See rauer wird, halte das Steuer fest in der Hand.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Cluno und auch das Cluno Team ist in den letzten zweieinhalb Jahren stark gewachsen. Für uns ist ein Mix aus jungen Leuten mit wahnsinnig viel Motivation und Ehrgeiz sowie Mitarbeitern, die als Experten in ihrem Gebiet viel wertvolle Erfahrung mitbringen, wichtig. Social Media ist auch im Recruiting nicht mehr wegzudenken: Wir betreiben viel Employer Branding auf LinkedIn, sind aber auch auf relevanten Fachveranstaltungen unterwegs. Komplementär dazu informiert unsere neue Karriere-Website interessierte Bewerber über unsere Unternehmenskultur. Das ist meiner Meinung nach entscheidend, wenn es darum geht, die richtigen Leute zu überzeugen.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
So unspektakulär es klingt: Setzt euch sehr intensiv mit den Mechaniken eurer Geschäftsidee und denen von erfolgreichen Startups auseinander. In der Regel steckt hinter der „Ideen-Fassade“ ein komplexes Konstrukt. Bildlich gesprochen: Das Fundament, das Mauerwerk und die Statik zu verstehen, ist elementar, wenn die Fassade dauerhaft stehen bleiben soll.

Ohne welches externe Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Clunos Existenz hängt glücklicherweise nicht von externen Tools ab. Sie sind Mittel zum Zweck, nicht mehr und nicht weniger: Ohne ein funktionierendes Geschäftsmodell ist auch das beste Tool nutzlos. Systemlösungen wie AWS, Salesforce, Tableau und Co. sind für den täglichen, reibungslosen Geschäftsablauf aber natürlich wahnsinnig hilfreich.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Vertrauen ist die wichtigste Grundlage. Ich weiß, dass ich mich zu 100 % auf meine Mitarbeiter verlassen kann – und gebe deshalb gerne Verantwortung ab. Das wirkt sich positiv auf die Motivation und den Ehrgeiz eines jeden aus. Zusammenhalt ist auch sehr wichtig: Wir haben gemeinsame Events und veranstalten Company Days, bei denen der Austausch zwischen den Teams gefördert wird. Das ist umso wichtiger, je größer das Unternehmen wird.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Ehrlich gesagt, war das meine Kündigung vor 10 Jahren. Das hat sich echt krass angefühlt: Ich war Geschäftsführer eines Porsche Zentrums, habe gut verdient, hatte einen Firmenwagen und war sozial angesehen. Das alles hinzuwerfen, das Leben zu resetten und das erste Startup zu gründen, war wirklich wild. Im Nachhinein war das die wichtigste und beste Entscheidung meines Lebens. Startup fühlt sich immer wieder mal wild an, aber ich mag das! Es gibt Momente, in denen du dir einfach nur denkst: „Verdammte Axt, wie lösen wir das denn jetzt?!“ Aber mit der Zeit gewöhnst du dich an vieles, bleibst ruhig und findest Lösungen.

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#Interview – “Es ist besser, wenn man nicht alle Herausforderungen bereits kennt”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Hanna Jakob, Gründerin von neolexon. Das Startup bietet mehrere Logopädie-Apps an.
Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Ich starte mit einer Tasse Kaffee und einem Müsli vor dem PC, arbeite mich dann erstmal durch die E-Mails durch, beantworte die wichtigsten Anfragen und priorisieren die anstehenden Aufgaben für den Tag.
Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Mit Sport oder indem ich mich mit Freunden treffe. Trotzdem ist man in Gedanken oft noch bei seinem Startup und es kommen immer wieder neue Ideen auf. Das ist denke ich ganz normal und auch keine Belastung für mich.
Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Wahrscheinlich ist es besser, wenn man nicht alle Hürden und Herausforderungen bereits kennt, da man sonst auch leicht abgeschreckt wäre. Sich nach und nach mit den Themen auseinander zu setzen und täglich dazu zu lernen finde ich sehr positiv.
Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Da wir als Sprachtherapeutinnen ohne BWL-Kenntnisse in das Gründungsvorhaben gestartet sind, war zunächst die Herausforderung einen Businessplan zu schreiben und außerdem Mitgründer zu finden, die die Softwareprogrammierung übernehmen. Wir konnten beide Hürden meistern: Mit unserem Businessplan haben wir das EXIST Gründerstipendium erhalten und wir haben tolle Mitgründer gefunden.
Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Wirklich große Fehler sind uns zum Glück noch nicht unterlaufen. Toi, toi, toi, dass das so bleibt!
Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Das ist eine große Herausforderung. Wir suchen viel an Universitäten und geben auch Einsteigern eine Chance sich zu beweisen und bei uns neue Sachen zu lernen. Uns ist die Qualifikation, die jemand auf dem Papier mitbringt, nicht der wichtigste Faktor. Uns ist es eher wichtig, dass die Person bei uns ins Team passt, hochmotiviert ist und an unsere Vision glaubt. Wir wollen Patienten eine bessere Therapie bieten und das soll alle im Team antreiben, ihr bestes zu geben.
Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Aus eigener Erfahrung ist es sehr wichtig, dass man die Branche, für die man neue Produkte oder Dienstleistungen entwickelt, sehr gut kennt. Nur so kann man ein real bestehendes Problem erkennen und lösen.
Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Wir nutzen zahlreiche Tools! Zum Beispiel Asana und Jira, um uns zu organisieren und natürlich Slack, um untereinander zu kommunizieren.
Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Wir veranstalten Team Events und kommen auch regelmäßig im Office bei einem gemeinsamen Frühstück oder einer Kuchenrunde zusammen. Es ist uns sehr wichtig, dass wir uns nicht nur über Arbeitsthemen austauschen, sondern auch über private Themen reden.
Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Als wir unser System von der kostenlosen Phase auf die bezahlte Version umgestellt haben. In dieser Nacht wussten wir nicht, wie viele Nutzer uns am nächsten Morgen noch treu bleiben werden. Wir hatten unser System zuvor über 1,5 Jahre kostenlos zur Verfügung stellen können, da wir über Fördergelder an der Uni finanziert waren. Als diese Finanzierung jedoch auslief, kam der spannende Moment. Zum Glück sind uns überdurchschnittlich viele Nutzer treu geblieben!

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): neolexon

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#Interview – “Ins Büro zu gehen, ist für mich keine lästige Pflicht”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Yoni Assia, Mitgründer von eToro, eine sogenannte “Multi-Asset-Brokerage und Investment Plattform”.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Kein Tag gleicht dem anderen. Ich bin entweder im Büro oder unterwegs, um mit Investoren zu verhandeln oder auf Konferenzen zu sprechen. Da unser Geschäft weltweit expandiert, verbringe ich viel Zeit mit Reisen.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Ich glaube nicht an den täglichen Trott. Ich liebe meinen Job. Ins Büro zu gehen, ist für mich keine lästige Pflicht oder Arbeit, es ist meine Leidenschaft. Meine andere Leidenschaft ist meine Familie – meine Frau und meine vier Kinder.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Wie wichtig es ist, die richtigen Leute auszuwählen, die für einen arbeiten, denn nicht nur der Gründer bringt den Laden zum Laufen. Die Mitarbeiter sind ein wesentlicher Bestandteil, um alles, woran man gearbeitet hat, Wirklichkeit werden zu lassen. Ich hätte auch gerne gewusst, wie wichtig es ist, darüber zu reden, worum es bei meinem Start-up geht. Ich musste es erklären, auch wenn ich selbst davon überzeugt war, dass das Tool selbsterklärend ist.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Unser größtes Hindernis war der Beweis, dass eToro als Konzept funktioniert. Ich habe die Reise 2007 begonnen, zu einer Zeit, als FinTech noch in den Kinderschuhen steckte und weit entfernt vom Bewusstsein der Massen war. Wir waren mit der ersten, die den traditionellen Bankensektor herausforderten. Wir mussten beweisen, dass Kleinanleger, und vor allem die Millennials, eine Plattform wollten, auf der sie ihre Investitionen besser kontrollieren können. Jetzt haben wir 12 Millionen registrierte Nutzer weltweit, also haben wir definitiv überzeugt!

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Keine Angst vor Fehlern haben, war der Schlüssel zum Erfolg von eToro. Es ist wichtig, neue Ideen auszuprobieren, und ich fordere Unternehmer immer dazu auf, Risiken einzugehen, auch wenn andere Leute ihnen sagen, dass sie verrückt sind. eToro hatte mehrere Fehlstarts. Anfangs dachten mein Bruder (Mitbegründer Ronen Assia) und ich, dass die Gamifizierung der Schlüssel ist. Wir erkannten aber bald, dass unsere Kunden etwas wollten, das einfach ist, und nicht spielerisch. Also änderten wir den Kurs und konzentrierten uns darauf, den Leuten die Möglichkeit zu geben, ihre Portfolios zu verfolgen und zu teilen. Dieses “soziale” Element entwickelte sich dann weiter, dass unsere Nutzer andere Investoren kopieren können. Diese “Kopierfunktionalität” ist zu unserem USP geworden.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Um eToro skalieren zu können, brauchten wir ein breites Spektrum an Fachwissen für unsere Fintech- und Multi-Asset-Investitionsplattform, die jetzt in über 100 Ländern zur Verfügung steht. In der Zusammensetzung unseres globalen Teams spiegelt sich diese Globalität wider. Das wir auf der ganzen Welt gewachsen sind, lag sicher auch daran, dass wir die richtige lokale Expertise mitbringen. In den letzten zwei Jahren ist die Mitarbeiterzahl von eToro mit über 800 Mitarbeitern rapide gewachsen, was sowohl Folge unserer globalen Expansion als auch unseres Produktangebotes von provisionsfreien Aktien bis hin Krypto ist.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Ich habe drei Ratschläge. Erstens: Scheue dich nicht, innovativ zu sein, und sei geduldig. Du musst begreifen, dass es Zeit braucht, bis neue Technologien übernommen werden. Dafür gibt es in der Geschichte unzählige Beispiele, wie den Hubschrauber oder die elektrische Energie. Blockchain ist das jüngste Beispiel. Zweitens: Unternehmer neigen dazu, stur zu sein und nicht zuzuhören. Diese Leidenschaft und Beharrlichkeit ist es, die dir zum Erfolg verhelfen, aber du müssen trotzdem lernen, zuzuhören. Drittens: Definiere dein Zielpublikum klar und stelle sicher, dass du direkten Kontakt mit ihnen hast. Du musst deine Kunden verstehen. Du wirst das ehrlichste und wertvollste Feedback von ihnen erhalten.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Mein Telefon und Nikotin. Ich verlasse das Haus nie ohne beides.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Ich bin sehr stolz darauf, dass wir ein Unternehmen mit einer “Work hard, play hard”-Kultur aufgebaut haben. Da ich kein Büro habe, steht meine Tür wirklich immer offen. Das ist wirklich wichtig für mich. Wir haben eToro in der Überzeugung gegründet, dass das Anlegen von Geld eine Erfahrung sein sollte, die jeder machen kann, und dass wir bessere Entscheidungen in einem Umfeld treffen, in dem Menschen Ideen austauschen können. Dasselbe gilt für die Führung eines Unternehmens.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Eigentlich kann ich nicht genau sagen, ob ich das schon erlebt habe, denn es gab viele Momente, die ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen konnte. Die Gründung und der Aufbau von eToro war von Anfang an eine stürmische Zeit, die sich von einer Idee zu einem Start-up mit jetzt über 800 Mitarbeitern und mehr als 12 Millionen registrierten Usern weltweit innerhalb von nur 13 Jahren entwickelt hat. Die Ausweitung des Geschäfts auf Asien und die USA war eine unglaubliche Zeit, die Übernahme von Firmo und Delta im letzten Jahr war ein absoluter Höhepunkt. Es ist also immer noch eine wilde Achterbahn und macht viel Spaß!

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): eToro

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#Interview – “Geschwindigkeit schärft den Fokus und hilft, Fehler effizient zu machen”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Alexander Mahr, Mitgründer bei Stryber. einem strategischen Corporate Venture Builder.

Wie startest du in einen ganz normalen Start-up-Arbeitsalltag?
Ich wohne auf dem Land, da ist schon der Weg ins Office etwas komplizierter. Im Zug lese ich oder höre einen Podcast wie Insider und strukturiere meinen Tag. Obwohl ich durchaus auch abends öfter recht lang arbeite, bin ich kurz vor 9:00 Uhr im Office, denn ab da gehen dann die internen und externen Meetings los. Wenn ich den ganzen Tag nur Calls habe, arbeite ich aber durchaus auch mal von zu Hause aus.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Es klingt wahrscheinlich wie eine Floskel, aber ich trenne Beruf und Privatleben nicht bewusst voneinander. Als Gründer bin ich ständig mit dem Kopf bei der Arbeit. Es gibt natürlich auch schöne Momente mit meiner Familie, auf Reisen oder beim Sport, bei denen ich nicht an Stryber denke. Aber ich liebe ja, was ich tue, deshalb ziehe ich da keine Grenze. Warum soll ich bewusst abschalten wollen?

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Ich bin “Wiederholungstäter”, insofern gibt es da für mich keine Überraschungen mehr. Aber ich glaube, dass es keine “Abkürzungen” für Gründer gibt. Damit meine ich: Es gibt keinen Studiengang, kein Buch oder sonstigen Ersatz für die Erfahrungen, die man als Gründer eigenhändig sammelt. Es gibt Höhen und Tiefen – und durch die Tiefen muss man einfach durch.

Was waren die größten Hürden, die du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?
Die eigene Motivation. Wie vielen Absolventen war für mich nach dem Studium klar, dass ich einmal ein Startup gründen will. Allerdings fehlte die Idee, das Team und das Geld. Ich hatte zuerst das Bedürfnis, möglichst viel zu lernen. Zudem – wenn ich das so sagen darf – war es zu meiner Zeit als Absolvent etwas “uncool”, zu gründen. Dann kamen zunächst die gut bezahlten Jobs in der Beratung und Konzernen. Mit dem Ergebnis, dass ich  schnell auf einem Weg war, bei dem es schwierig ist, diesen wieder zu verlassen. Meine Erkenntnis war letztlich: Man muss sich auch einmal trauen, einen krassen Schlussstrich zu ziehen und wirklich neu anfangen – ohne das sechsstellige Jahresgehalt, die beeindruckende Visitenkarte und den flotten Firmenwagen.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast du aus diesen gelernt?
Als Gründer macht man gerade am Anfang viele vermeidbare Fehler. Das ist sicherlich erst einmal ärgerlich. Aber wie gesagt: Ich denke, das sind sehr wertvolle Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Fehler – im Sinne von Dingen, die nicht immer direkt funktionieren – mache ich auch heute noch, sonst lerne ich ja nichts! Aber eine Erkenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch alle meine Erfahrungen: Geschwindigkeit zählt! Geschwindigkeit schärft den Fokus und hilft zumindest, Fehler effizient zu machen. Schnell Dinge auszuprobieren – ob im Kleinen oder im Großen – ist für mich der Schlüssel für den Erfolg eines Start-ups. Du bist immer im Wettbewerb, ob um Nutzer deines Produktes oder Service, Talent oder Kapital. Ein hohes Tempo hilft dabei enorm.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Das ist sicherlich eine der schwierigsten Aufgaben für einen Gründer, gerade am Anfang, wenn das Start-up noch unbekannt ist. Hervorragende Talente werden insbesondere von großen Arbeitgebermarken oder starken Signalen, wie beispielsweise großen Finanzierungsrunden, angezogen. Aber es gibt viele Talente, die hauptsächlich nach einer Mission suchen, mit der sie sich identifizieren können. Mit viel Aufwand findet man diese Talente. Das sind die motiviertesten Mitarbeiter, die man sich wünschen kann. Diese Begeisterung kann man sich auch mit hohen Gehältern nicht erkaufen.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Immer Vollgas geben, keine halbherzigen Sachen anfangen – etwa zu langes Moonlighting, also die Arbeit an dem eigenen Start-up neben der Festanstellung. Zudem ist es sehr wichtig, sich mit seinem Umfeld auszutauschen, also nicht nur “im stillen Kämmerlein” vor sich hin zu brüten. Gründer sollten kontinuierlich möglichst viel Input aufnehmen und richtig interpretieren, gerade auch Kritik. Darüber hinaus sollten Gründer sukzessive den Track Record ihres Unternehmens aufbauen, also ihre Referenzen erweitern, sowie Hypothesen über ihr Geschäftsmodell beweisen oder verwerfen. Denn inhaltsfreie Visionen beeindrucken niemanden.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Wichtig sind sicherlich Tools wie Jira, aber gefühlt benutzen wir – zu – viel Slack.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Wir haben drei Offices – da ist es als Gründer schon eine Herausforderung, kontinuierlich die Stimmung im Team aufzunehmen. Aber ich bekomme immer wieder sehr positives Feedback über die Atmosphäre bei uns. Dafür tun wir auch einiges, wir haben unter anderem einen “Head of Happiness” und zwei große Firmenevents pro Jahr. Aber ich denke, das Wichtigste für die gute Stimmung bei uns sind unsere Werte und Prinzipien, die wir täglich kompromisslos leben. Bei Stryber haben alle Mitarbeiter viel Verantwortung zu tragen, aber auch maximale Entscheidungsfreiheit.

Was war dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
“Wild” ist es für mich immer in Gründungsphasen von Start-ups – und wir gründen ja ständig. Es ist immer wieder eine Herausforderung, den richtigen Problem-Solution-Fit zu finden – eine extrem spannende Zeit. Nutzerfeedback und Daten entscheiden letztendlich, ob wir auf dem richtigen Weg sind oder ob wir unseren Ansatz nochmal überarbeiten. Aus diesem “Chaos” mithilfe einer strukturierten Methode ein Geschäftsmodell zu bauen, ist in der Tat ein wilder Ritt. Aber genau das reizt mich tagtäglich an meiner Tätigkeit!

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

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Foto (oben): Stryber / Daniel Rothenberger)

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#Interview – “Zuerst werden bei einem Kaffee die Zahlen gecheckt”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Stefan Sinnegger, Gründer von PowUnity. Das Innsbrucker Unternehmen verkauft BikeTrax, einen GPS-Tracker für E-Bikes. Fahrradbesitzer können damit im Falle eines Fahrraddiebstahls nachvollziehen, wo sich ihr gestohlenes Rad befindet und so die Sicherstellung und Rückholung veranlassen.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
In der Regel stehe ich um 6.00 Uhr auf, um pünktlich um 7.30 Uhr im Büro am Rechner zu sitzen. Zuerst werden bei einem Kaffee die Zahlen des letzten Tages gecheckt: Wie viele GPS-Tracker wurden verkauft? Welche Deckungsbeiträge wurden erreicht? Ganz wichtig ist uns das Feedback der Kunden: Gab es Rückmeldungen zum Produkt? Was stört? Was ist top? Was sollten wir beim nächsten Update berücksichtigen?

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Mir ist es wichtig, jeden Tag so zu gestalten, dass ich regelmäßige Pausen vom Display habe. So gehe ich mittags Laufen, um mich abzulenken und im Kopf wieder frisch zu werden. Abends verbringe ich die Zeit gerne mit meiner Freundin. An den Wochenenden geht es in die Berge. Im Winter zum Skifahren und im Sommer natürlich zum Biken, aber auch beim Lesen kann ich wunderbar abschalten.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Da gibt es eigentlich nichts Spezielles. Schlussendlich ist es der kontinuierliche Prozess verbunden mit den täglichen, neuen Herausforderungen die dazu beitragen, unser Unternehmen wie auch uns als Team ständig besser zu machen. Würden wir den Weg nicht gehen, also hätten wir Short-Cuts, würde uns der so wichtige Lernprozess fehlen.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Eine Hürde im klassischen Sinn fällt mir nicht ein. Eine zu erwähnende schöne Herausforderung ist es jedoch, die Unternehmung dem schnellen Wachstum entsprechend gesamtheitlich zu entwickeln. Denn ein stark ansteigender Verkauf ist nur sinnvoll, wenn auch die Produktion, Logistik und der Kunden-Service entsprechend mithalten können.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Bei unserem ersten Produkt, welches wir auf den Markt gebracht haben, hatten wir auf Bluetooth Technologie gesetzt. Bluetooth ist für die Entwicklung von Tracking-Produkten ein nicht zu empfehlender Standard, wenn es als Haupt-Technologie und nicht als ergänzende Übertragungstechnologie eingesetzt wird.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Tatsächlich gelingt uns die Erweiterung unseres Teams am besten durch den Auf- beziehungsweise Ausbau des Netzwerks rund um PowUnity. Auf Basis von Empfehlungen haben wir tolle Mitarbeiter gefunden.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
So schnell wie möglich und mit einem möglichst geringen finanziellen Aufwand sowie damit verbundenem Risiko ins Tun zu kommen. Wenn man die Prinzipien eines Lean-Start-ups ganzheitlich (und nicht nur theoretisch) versteht und umsetzt, hat man optimale Voraussetzungen für die Realisierung der eigenen Geschäftsidee.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Ein solches Tool gibt es für uns nicht; es würde eine zu große Abhängigkeit bedeuten. Allerdings baut der Erfolg unserer Unternehmung stark auf unserem In-House programmierten CRM-System auf. Es ist der Dreh-und Angelpunkt aller Verkaufs-Logistik und Arbeitsablauf-Aktivitäten.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Indem wir die Arbeit aller Mitwirkenden auf seine/ihre Kompetenzen zugeschnitten bestmöglich anpassen. Wir wollen gemeinsam herausfinden, wer sich wie und wo in der Unternehmung am wohlsten fühlt, weil wir der Überzeugung sind, dass sich das individuelle Potenzial so am besten entfalten lässt.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Ein einzelnes „wildes“ Erlebnis kann ich nicht hervorheben. Der gesamte Weg von der Entstehung erster Ideen bis zur jetzigen Wachstumsphase ist außerordentlich, unglaublich und jeden Tag aufs Neue total spannend.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): PowUnity

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