#Interview – “Die Wahrheit ist: Da steckt verdammt viel Arbeit drin”


Das Kölner Startup Planted , das 2021 von Jan Borchert, Heinrich Rauh, Cindy Schüller und Wilhelm Hammes gegründet wurde, möchte seinen “Kund:innen die Möglichkeit geben, aktiv etwas gegen die globale Erwärmung zu unternehmen”. Dazu pflanzt das Unternehmen Mischwälder und kompensiert so CO2-Emissionen. neoteq ventures, Smart Infrastructure Ventures, Rivus Capital und Angel-Investoren wie Julius Göllner, Jochen Berger und Friedrich Neumann investierten zuletzt 1 Millionen Euro in die Jungfirma.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Planted-Gründerin Cindy Schüller über Abomodelle, den Pivot der Jungfirma und Wind.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Planted erklären?
Wir ermöglichen Unternehmen auf einfache und schnelle Art, aktive Klimaretter zu werden. Mithilfe unseres transparenten Abomodells kann die komplette Belegschaft einen Beitrag für einen enkeltauglichen Planeten leisten. Hierfür berechnen wir die durchschnittlichen CO?-Fußabdrücke der Mitarbeiter:innen auf Basis ihrer Reise-Emissionen. Die angefallenen Emissionen gleichen wir dann über globale Klimaschutzprojekte aus. Unter Regie unseres hauseigenen Klimaförsters und Mit-Gründers Jan Borchert pflanzen wir zusätzlich für jedes Teammitglied klimastabile Bäume. So entstehen in ganz Deutschland neue Firmenwälder!

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?
Unseren Pivot! Wir haben uns im Dezember dafür entschieden, unseren Fokus von Privatpersonen auf Unternehmen umzulenken – hier sehen wir den größten Hebel. Unsere Mission bleibt, die Klimakrise zu bekämpfen und das geht nur wenn alle, Privatmenschen und Firmen, mitziehen. Wir sehen, dass die Unternehmen bereit sind, aktiv Verantwortung zu übernehmen und sich zu engagieren. Das macht uns Hoffnung auf eine grüne Zukunft.

Wo steht Planted derzeit, welche Zahlen, Daten und Fakten kannst Du mit uns teilen?
Noch ganz am Anfang – und doch schon auf der Überholspur: Innerhalb eines Jahres hat Planted das Vertrauen von mehr als 1.000 klimapositiven Mitarbeiter:innen aus über 100 tollen Unternehmen wie Gerry Weber, XtraFit, Vivawest, MegaBad oder Electronic Sports League gewonnen. So konnten wir über 100.000 klimastabile Bäume in ganz Deutschland pflanzen und sieben globale Klimaschutzprojekte realisieren. Kurz zur Einordnung: Damit konnten wir die CO?-Emissionen von über 60.000 Flügen zwischen Köln und Barcelona ausgleichen. Mittlerweile sind wir ein 10-köpfiges Team und arbeiten auf Hochtouren am next step: einer eigenen Dekabonisierungs-Software. Damit wird der Klimaschutz noch leichter zugänglich für Unternehmen und noch spielerischer für ihre Mitarbeiter*innen. Diese können nämlich durch individuelle Challenges aktiv CO? reduzieren. Das Ziel: Netto-Null-Emissionen! Dass wir jüngst im Mai mit dem Gründer-Award des Jahres 2022 ausgezeichnet wurden, motiviert uns alle zusätzlich und bestärkt uns enorm.

Gerade konntet ihr 1 Million Euro einsammeln. Wie seid ihr mit euren Investor:innen in Kontakt gekommen?
Um ehrlich zu sein, stellt man sich das von Außen immer ganz leicht vor. Gerade jetzt, wo Green-Tech-Startups hoch im Kurs stehen. Die Wahrheit ist: Da steckt verdammt viel Arbeit drin. Was definitiv geholfen hat, war der Gewinn des Climate Founder Accelerators (2021) und die Teilnahme am SpinLab HHL Accelerator Programms in Leipzig. Dadurch haben wir an Bekanntheit gewonnen und konnten gute Kontakte in die VC-Szene aufbauen. Wichtig ist auch immer das private Netzwerk, dass jeder von uns seit Jahren fleißig pflegt.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?
Fokus! Es ist verlockend hier und da Opportunitäten mitzunehmen, aber ihr dürft nie das übergeordnete Ziel aus den Augen verlieren. Alles, was dich ablenkt und zu viel Zeit in Anspruch nimmt, muss gecuttet werden.

Wo steht Planted in einem Jahr?
Im Sommer 2023 soll unsere Dekarbonisierungs-Software etabliert sein. Hier wollen wir einen echten Mehrwert für den “unternehmerischen Umweltschutz” leisten – unter anderem durch lokale Klimaschutzmaßnahmen, wie die Wiederbewaldung klimastabiler Mischwälder in Deutschland. Dabei soll jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter eine aktive Rolle einnehmen und Verantwortung für ein zukunftsfähiges Morgen übernehmen. Unsere Software wird die Unternehmen auch bei der Auseinandersetzung mit ESG („Environment, Social, Governance“) unterstützen. Unternehmen müssen ihre ESG-Aktivitäten verbessern und transparent reporten. Mit uns an ihrer Seite werden sie dies noch leichter und sichtbarer schaffen.

Reden wir über den Standort Köln. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für Köln als Startup-Standort?
Gute Frage. Berlin sieht sich oft als Nabel der Startup-Welt, was sicherlich auch in vielerlei Hinsicht gerechtfertigt ist – viele sehr gute Talente sitzen in Berlin. Die Startups sind sehr präsent und vor allem stärker im Fokus der VCs, die dort auch mehr vertreten sind. Für Köln spricht: Hier kannst du eine gewisse Zeit unter dem Radar fliegen. Du entwickelst Ideen, nimmst du ausreichend Zeit für die Ausarbeitung und musst nichts schnell übers Knie brechen, um der erste im Markt zu sein. So kannst du die ersten Fehler beseitigen, ohne dass viel Wind darum herrscht.

Was ist in Köln einfacher als im Rest der Republik?
Ganz ehrlich: Da fällt mir spontan leider nicht viel zu ein. Außer, wer es in Köln schafft, hat auf jeden Fall alles richtig gemacht. Köln begreift sich nicht gerade als Startup-Metropole, was bei den Potenzialen und Möglichkeiten sehr schade und ausbaufähig ist. Aber die kölsche Art, frei und offen miteinander umzugehen, wird uns dabei sicherlich helfen.

Zum Schluss hast Du drei Wünsche frei: Was wünschst Du Dir für den Startup-Standort Köln?
Erstens: Unsere Startup-Szene soll weiter wachsen und gedeihen. Ich wünsche mir einen regen Austausch unter den Startups! Der zweite Wunsch geht an das Land NRW: schnellere und einfachere Fördermittel für Gründende! Wir sind die Glücklichen, die sich über das Gründerstipendium freuen durften. Das Stipendium ist eins der wenigen Möglichkeiten, Subventionen zu bekommen. Allerdings dauerte es nach Beantragung über ein Jahr bis wir den Zuschuss bekamen. Eine lange Zeit, gerade in der Gründungsphase. In Ostdeutschland gibt es zum Beispiel deutlich attraktivere Förderungen. Mein dritter Wunsch ist persönlicher Natur: Ich war zuletzt öfters auf Events in Berlin, die von oder für Gründerinnen ausgerichtet wurden. Ich habe so viele spannende und inspirierende Frauen kennengelernt. Für viele Frauen ist Netzwerken oft nicht intuitiv und auch ich musste das erst lernen. Wir sollten uns gegenseitig noch mehr die Hand reichen, uns fördern und uns gegenseitig mitziehen. Ich wünsche mir, dass wir in Köln mehr solcher Networking-Events haben. Um Frauen aktiv zu stärken und sichtbar zu machen.

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln werfen wir einen Blick auf das Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind dort die Voraussetzungen für Gründer:innen, wie sieht es mit Investitionen aus und welche Startups machen von sich reden? Mehr als 550 Startups haben Köln mittlerweile zu ihrer Basis gemacht. Mit zahlreichen potenziellen Investoren, Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents bietet Köln ein spannendes Umfeld für junge Unternehmen. Diese Rubrik wird unterstützt von der KölnBusiness Wirtschaftsförderung. #Koelnbusiness auf LinkedInFacebook und Instagram.

KoelnBusiness

Foto (oben): Planted

#aktuell, #climatetech, #greentech, #interview, #koln, #pivot, #planted

#Interview – “Mein größter Fehler war und ist teilweise bis heute noch, mich zu sehr um Details zu kümmern”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Julius Timtschenko, Gründer von kikudoo, einer Buchungsplattform aus Hamburg für Baby- und Kinderkurse.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Ich liege noch im Bett, greife nach dem Handy und prüfe Buchungszahlen, Umsätze, Error Logs und den Support Channel, ob irgend etwas Dringendes anliegt, was ich direkt mit meinen Mitgründern besprechen muss. Dann kommt der Kaffee.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Das fällt mir schwer, um ehrlich zu sein. Grundsätzlich bin ich ab dem späten Nachmittag für die Familie da. Abendbrot, die Kinder ins Bett bringen, noch etwas Haushalt und meist, vielleicht etwas zu häufig, setze ich mich dann nochmal an den Computer und erledige Dinge, die ich tagsüber noch nicht geschafft habe. Startup endet nie wirklich. Zumindest nicht bei mir.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Das der Weg länger ist als man denkt. Man ist am Anfang voller Euphorie und ist sich sicher, dass das nach einem gelungenen Start wie “von selbst” weitergeht. Aber dem ist nicht so. In den meisten Startups, wenn Sie es denn überhaupt soweit bringen, ist es ein langer und beschwerlicher Weg. Das hätte ich gern vorher gewusst. Dann hätte ich mich noch etwas besser darauf einstellen können. Das war sicher etwas naiv.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Auf dem Weg zur Gründung waren vor allem zwei Dinge besonders herausfordernd: 1. die Validierung der Idee 2. die richtige Balance zwischen Gründung und meinem Beraterjob zu finden (den ich nicht gleich aufgegeben habe). Mit dem Gründerteam hatten wir Glück. Das hat sich schnell und bis heute super gut geformt und entwickelt.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Mein größter Fehler war und ist teilweise bis heute noch, mich zu sehr um Details zu kümmern. Das ist am Anfang sicher kaum vermeidbar, aber irgendwann muss man verstehen, dass eine SaaS Plattform wie kikudoo sie ist, permanent eine Vielzahl an Themen triggert. Es gibt stets neue Kundenanforderungen, Fehler, die gemeldet werden und Mails, die auf eine Antwort warten. Dazu Abstimmung mit Co-Foundern, Mitarbeiterinnen, Investoren und Partnern. Hier die richtige Balance zu finden ist bei mir sicher nicht immer perfekt gelaufen. Das muss noch besser werden.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Wir haben sehr viel Glück mit unseren Mitarbeiterinnen gehabt. Die erste Mitarbeiterin haben wir tatsächlich über eine Stellenanzeige gefunden und alle danach über Empfehlungen von Menschen, denen wir als Gründer vertrauen. Wir haben bis jetzt keine Entscheidung bereut.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?
Immer, wenn ich unsere zahlreichen größeren und kleineren Mitbewerber ansehe, kommt mir folgender Satz in den Kopf: wenn dir jemand sagt “das gibt es bereits, lass es bleiben”, dann stell dir vor, welche Autos auf den Straßen fahren würden, wären Alle nach Carl Benz dem Satz gefolgt.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Ein Herzstück von kikudoo ist unser Payment Provider Stripe. Als SaaS Plattform, auf der alle Zahlungstransaktionen in alle Richtungen abgebildet werden, ist das natürlich essentiell.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Wir drei Gründer haben alle Kinder und deswegen telefonieren wir Montags immer erst ab 21 Uhr. Meist dann auch bis spät in die Nacht hinein. Das ist eine gute Gelegenheit, einen netten Wein zu trinken. Wir freuen uns auch immer auf die “Auszeit”.
Für das gesamte Team gilt, dass Sie die Aufgaben wann und wo auch immer erledigen können. Wir tracken keine Stunden, vertrauen einfach. Wir geben auch in der Arbeit so viel Freiheit wie möglich, sind aus meiner Sicht weit entfernt von Micro-Management. Das wird sehr positiv aufgenommen und funktioniert.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Direkt nach der Gründung sind wir drei Co-Founder auf die BabyWelt Messe nach Köln gefahren. Mit Auto und Bahn. Haben unseren Ministand aufgebaut und Flyer hingelegt. Dann haben wir verstanden, dass wir keine Deko für den Stand hatten. Ich glaube wir hatten den unschönsten Messestand. Aber wir haben jede Minute genutzt, waren bei allen anderen Ständen, habe alle Besucher angesprochen. Am Abend dann bei einer Bekannten zu Dritt im Wohnzimmer geschlafen. Und am nächsten Tag wieder auf der Messe. Das war ein lustiger und auch erfolgreicher Ausflug. Ich erinnere mich gern daran.

Foto (oben): kikudoo

#aktuell, #grunderalltag, #hamburg, #interview, #kikudoo

#Interview – Interview #46 – Emanuel Pallua (Aitme)


In unserem Interview-Podcast ist diesmal Aitme-Gründer Emanuel Pallua zu Gast. Das von Emanuel Pallua und Julian Stoß gegründete Unternehmen bietet vollautomatisierte Küchen für Unternehmen an. HV Capital, Vorwerk Ventures, Global Founders Capital (GFC) und La Famiglia sowie Business Angel Oliver Ringleben investierten zuletzt 9 Millionen Dollar in den Kantinen-Roboter. Insgesamt flossen bereits rund 12,5 Millionen Dollar in Aitme.

Unser Sponsor

Die heutige Ausgabe wird präsentiert von IKEA. Mit IKEA für Unternehmen macht IKEA den Einkauf für Geschäftskunden aller Unternehmensgrößen so bequem wie möglich. Beim gesamten Bestellprozess hilft ein persönlicher Ansprechpartner im Einrichtungshaus vor Ort. Bestellungen sind per E-Mail oder Telefon möglich. Auf Wunsch bietet IKEA zudem auch einen Liefer- Montage und Ausmeßservice an. Probiert IKEA für Unternehmen jetzt aus! Für alle unsere Hörer:innen hat sich IKEA etwas tolles ausgedacht: Alle, die bis Ende August 2022 IKEA für Unternehmen-Mitglied werden und eine E-Mail an IKEA schreiben, bekommen für ihren ersten Unternehmenseinkauf ab 250 Euro in einem-IKEA Einrichtungshaus einen exklusiven Willkommensgutschein in Höhe von 50 Euro. Alle Infos zu IKEA für Unternehmen und dem Willkommensgutschein findest du unter www.IKEA.de/DSPodcast

Interview #46 – Emanuel Pallua (Aitme)

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Foto (oben): Aitme

#aitme, #aktuell, #berlin, #interview, #podcast

#Interview – “Als Gründer ohne fremdes Geld haben wir anfangs alles selbst gemacht”


Das Hamburger Startup fobizz, das 2018 von Theresa Grotendorst, Philipp Knodel und Diana Knodel gegründet wurde, setzt auf Online-Fortbildungen für Lehrkräfte. “Bisher waren Fortbildungen immer in Präsenz. Dafür ist Unterricht ausgefallen, Du musstest teilweise weite Strecken fahren. Außerdem gibt es zum Einsatz digitaler Medien in Schulen oft keine passenden Fortbildungen. Diese Lücke schließen wir mit unserem Angebot. Lernen kannst Du online, wann Du willst, wo Du willst und was Du willst”, erklärt Gründerin Grotendorst das Konzept.

Ihr Unternehmen, 26 Mitarbeiter:innen beschäftigt und einen siebenstelligen Umsatz erwirtschaftet, haben die Hanseat:innen bisher ohne fremde Geldgeber aufgebaut. “Wir hatten schnell einen MVP entwickelt mit dem wir direkt Kund:innen gewinnen und erste Umsätze verbuchen konnten. Wir haben gemerkt: Unser Geschäftsmodell funktioniert und ist skalierbar. Eigentlich waren wir ab Jahr zwei profitabel und es war klar, dass wir für das aktuelle Angebot keine externe Finanzierung benötigen”, sagt Grotendorst.

Im Interview mit deutsche-startups.de sprechen die fobizz-Gründerinnen Grotendorst und Diana Knodel außerdem über Vertriebsprozesse, Gründungsförderung und Recruiting.

Wie würdest Du Deiner Großmutter fobizz erklären?
Grotendorst: Stell Dir vor, Du bist Lehrerin. Weil sich in der Schule vor allem im Bereich Digitalisierung viel verändert, musst Du Dich immer wieder in neue Themen einarbeiten. Bisher waren Fortbildungen immer in Präsenz. Dafür ist Unterricht ausgefallen, Du musstest teilweise weite Strecken fahren. Außerdem gibt es zum Einsatz digitaler Medien in Schulen oft keine passenden Fortbildungen. Diese Lücke schließen wir mit unserem Angebot. Lernen kannst Du online, wann Du willst, wo Du willst und was Du willst.

War dies von Anfang an Euer Konzept?
Knodel: Klar war von Anfang an, dass es eine Online-Plattform sein sollte, auf der Lehrkräfte für andere Lehrkräfte Fortbildungen geben. Auch der Product-Market-fit war schnell gefunden. Die Plattform selbst passen wir immer wieder an. Zum Beispiel haben wir inzwischen Schullizenzen eingeführt, also einen Admin-Bereich entwickelt, über die die Verantwortlichen der Schulen ihren fobizz-Zugang verwalten können. Auch die Vertriebsprozesse haben wir Schritt für Schritt automatisiert und die Betreuung unserer Autor:innen standardisiert.

Wie genau funktioniert denn Euer Geschäftsmodell?
Knodel: Es gibt einen Marktplatz mit zwei Seiten – eine für Kund:innen, eine andere für Autor:innen – mit einer Software-as-a-Service-Plattform in der Mitte. Unser Go-to-Market lief B2C über einzelne Lehrkräfte. Mittlerweile generieren wir aber im B2B-Bereich unseren größten Umsatz: Schulen, Schulträger und teilweise sogar ganze Bundesländer gehören zu unseren Kunden.
Die Autor*innen sind in der Regel selbst Lehrkräfte, also vom Fach, wie man so schön sagt. Das ist uns wichtig. Sie erstellen die Online-Fortbildungen und werden dabei von uns begleitet. So gewährleisten wir die gewünschte Struktur und auch die Qualitätssicherung. Bezahlt werden sie über ein Revenue-Share-Modell, quartalsweise je nach Anzahl der Fortbildungen und Einschreibungen.

Wie ist überhaupt die Idee zu fobizz entstanden?
Grotendorst: Wir haben bereits vor der Gründung immer wieder Fortbildungen für Lehrkräfte gegeben, beispielsweise zur App-Entwicklung oder den Einstieg in die Programmierung. Teilweise sind wir dafür acht Stunden mit dem Zug angereist, um für zehn Personen einen 90-minütigen Workshop zu geben. Irgendwann dachten wir uns, das muss anders gehen. Und da wir aus der digitalen Produktentwicklung kommen, Diana war bei Xing, ich bei Gruner & Jahr, haben wir beschlossen, eine Plattform zu bauen und dort Online-Kurse für Lehrkräfte anzubieten.
Das kam von Anfang an super an – vor allem bei den Lehrkräften, die schon sehr digital unterwegs waren. Schnell wurde uns klar, dass wir nicht nur unsere eigenen Themen anbieten, sondern eine Plattform für alle Lehrkräfte bereitstellen wollen, auf der sie ihr Wissen und ihre Kenntnisse mit anderen teilen können.

Wie hat sich fobizz seit der Gründung entwickelt?
Knodel: Gestartet sind wir 2018 zu dritt als Gründerteam. Bereits ein Jahr später haben wir erste kleinere Umsätze generiert und bekamen eine mittlere fünfstellige Gründungsförderung durch die Wirtschaftsförderung Hamburg. Heute ist das Team auf 26 Personen gewachsen, wir haben aktuell 200.000 Nutzer:innen und im vergangenen Jahr war unser Umsatz siebenstellig.

Ihr habt fobizz bisher ohne Fremd-Finanzierungen und Kapitalgeber aufgebaut. War dies von Anfang an eine bewusste Entscheidung?
Grotendorst: Ehrliche Antwort: Es war keine bewusste Entscheidung. Das hat sich in den ersten Monaten so ergeben. Wir hatten ja schnell einen MVP entwickelt, also ein minimal funktionales Produkt, mit dem wir direkt Kund:innen gewinnen und erste Umsätze verbuchen konnten. Wir haben gemerkt: Unser Geschäftsmodell funktioniert und ist skalierbar. Eigentlich waren wir ab Jahr zwei profitabel und es war klar, dass wir für das aktuelle Angebot keine externe Finanzierung benötigen.

Wie war der Start ohne fremdes Geld – was geht recht einfach, was ist als Bootstrapping-Startup recht schwierig?
Knodel: Als Gründer ohne fremdes Geld haben wir anfangs alles selbst gemacht. Das ist natürlich anstrengend, weil es an alle Ecken und Enden etwas zu tun gibt. Gleichzeitig mussten wir uns absolut fokussieren und schnell ausprobieren. Sobald wir Umsätze hatten, konnten wir das Team aufbauen, aber eben nur Schritt für Schritt, finanziert aus dem Cashflow. Fremdfinanziert kann man das sicher etwas beschleunigen. Dennoch würden wir nicht sagen, der eine oder der andere Weg ist der bessere. Für uns war es so einfach der passende Weg. Heute sind wir an einem Punkt, an dem wir ganz selbstbewusst sagen können, wir können schnell aus dem Cashflow wachsen, ohne dass wir eine externe Finanzierung brauchen. Das kann in einem Jahr anders aussehen, aktuell aber steht unser Unternehmen sehr solide da.

Gab es denn viele Dinge, die Ihr einfach nicht umsetzen konntet, weil das Geld fehlte?
Grotendorst: Sicher. Am Anfang konnten wir beispielsweise kein Geld für die Unterstützung durch Externe ausgeben, zum Beispiel für Agenturen oder Freelancer im Bereich Marketing, PR und Recruiting. Wir haben uns daher sehr stark auf das Produkt fokussiert. Vielleicht sind wir deshalb etwas weniger sichtbar in der Öffentlichkeit, haben aber ein Produkt, das unsere Kund*innen lieben.

Was rätst Du anderen Gründer:innen, die sich für Bootstrapping entscheiden?
Grotendorst: Bootstrapping ist sicherlich nicht in allen Bereichen möglich. Aber wenn man im Gründungsteam alle wichtigen Kompetenzen vereint und keine teure Hardware oder Ähnliches benötigt, ist das eine super Möglichkeit, ein Business aufzubauen.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Knodel: An einem Punkt dachten wir, der (schulische) Bildungsmarkt sei zu kompliziert und wir bräuchten noch ein “zweites Standbein”. Wir haben dann tatsächlich parallel eine weitere Plattform entwickelt und auch eine neue GmbH mit gleichem Gesellschafterkreis gegründet. Die Idee der neuen Plattform war, dass jede:r sein bzw. ihr Wissen in Form von Online-Kursen und digitalen Produkten teilen kann. Wir hatten einen MVP und auch schon erste Kund:innen. Doch dann ging es bei fobizz auf einmal richtig rund. Mit beiden Produkten waren wir schnell ganz schön am Limit. Letztendlich haben wir uns daher entschieden, uns auf fobizz zu fokussieren und das andere Produkt wieder zu beenden. Das war kein einfacher Prozess.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?
Knodel: Hier fallen mir spontan drei Dinge ein: Hiring – wir haben ein großartiges Team -, unser hoher Qualitätsanspruch bei den Fortbildungen und bei allem rund um fobizz und schließlich unsere eigene Plattform, die wir genau auf die Bedürfnisse der Kund:innen und Schulen zuschneiden können.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?
Knodel: Ganz wichtig: Sucht Euch ein Thema, für das Ihr leidenschaftlich brennt. Denn fürs Gründen benötigt Ihr Durchhaltevermögen. Brennt Ihr für das Thema, fühlt sich das an wie das Schönste, das Ihr machen könnt, und nicht wie Stress. Super ist es, sich eine zweite Person zum Gründen zu suchen. Dann könnt ihr die Erfolge, aber auch die Ärgernisse teilen. Außerdem ist es von unschätzbarem Wert, frei in der Gestaltung Eures Startups zu sein und die Selbstwirksamkeit im Unternehmertum jeden Tag ausschöpfen zu können.
Theresa: Für mich eine der wichtigsten Erkenntnisse ist: Alle kochen nur mit Wasser! Trau’ dir selbst etwas zu und sag’ ja zu Unbekanntem. Lerne mit Unsicherheiten umzugehen, denn das bringt besonders in schwierigen Phasen – ob während des Gründens oder überhaupt im Leben – Leichtigkeit und stärkt die Zuversicht.

Wo steht fobizz in einem Jahr?
Knodel: Wir planen unser Produkt-Portfolio auszuweiten und werden neben Fortbildungen noch andere Produkte im Angebot haben, unter anderen Digitale Tools für Schulen.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): fobizz, Tom Wiedemann

#aktuell, #bootstrapping, #edtech, #fobizz, #hamburg, #interview

#Interview – “Am Ende muss die Anzahl fehlerfreier Entscheidungen größer sein, als die fehlerbehafteter”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Lara Farwick, die zusammen mit ihren Geschwistern Arne und Lena Farwick enra gegründet hat. Das Unternehmen bietet eine Plattform für digitale Verkaufsprozesse.

Wie startet ihr in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
“Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages” – das war schon immer das Motto der Familie Farwick. Diese Tradition haben wir auch in unseren Startup-Alltag integriert. Deshalb starten wir immer mit einem gemeinsamen Frühstück im Büro und bringen uns auf den neuesten Stand. Gemeinsam priorisieren wir dann die aktuellen To-Dos.

Wie schaltet ihr nach der Arbeit ab?
Am liebsten in der Natur! Dafür spannen wir unseren Bürohund Jeppe ein, der uns bei jedem Wetter an die frische Luft bringt. Bewegung macht den Kopf frei und nach jedem Spaziergang kann ich spüren, wie mein Akku wieder etwas voller ist. Ein interessantes Buch ist auch eine super Kraftquelle, aktuell lese ich zum Beispiel Managing the Unexpected von Karl E. Weick.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättet ihr gerne vor dem Startup-Leben gewusst?
Wie wichtig Geduld und Resilienz sind. Gerade wenn man am Anfang steht, möchte man so viel wie möglich so schnell wie möglich erreichen. Dabei werden einem aber immer wieder Steine in den Weg gelegt. Manche Steine kannst du selbst wegräumen, alleine oder im Team. Aber es gibt immer wieder Hindernisse, für die du Geduld brauchst. Du bist von äußeren Faktoren abhängig und kannst sie nicht verändern. Umso wichtiger ist es, die Eigenschaften Geduld und Resilienz zu trainieren. Jeder Tag als Gründerin ist ein super Training dafür.

Was waren die größten Fehler, die ihr bisher gemacht habt – und was habt ihr aus diesen gelernt?
Wir wissen, dass Fehler zum Gründen dazu gehören, das hilft schon mal. Wichtig ist nur, dass sich bestimmte Fehler nicht unnötigerweise wiederholen und dass wir aus allen Fehlern ein Learning ziehen können. Am Ende muss die Anzahl fehlerfreier Entscheidungen größer sein, als die fehlerbehafteter. Aber um ganz konkret zu werden: Der vielleicht größte Fehler von uns war, dass wir uns auf zu viele Dinge gleichzeitig konzentriert haben. Wir haben zum Beispiel versucht, alle Kanäle im Marketing parallel aufzubauen. So haben wir gelernt, wie wichtig es ist, zu priorisieren und sich zu fokussieren. Alle – oder zumindest die meisten – Themen haben ihre Berechtigung, aber sie sind unterschiedlich wichtig. Die Themen nach und nach zu bearbeiten, ist ein super Learning aus den ersten Gründungsjahren. Sonst hat man nichts Halbes und nichts Ganzes und die Unzufriedenheit überwiegt.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Wir wählen bewusst nicht den klassischen Weg, sprich wir interessieren uns wenig für die Abschlüsse, Uni-Zertifikate und Schulnoten. Wir schauen vor allem auf das Wertegerüst und ob wir ein gemeinsames Fundament haben. Heterogenität ist uns besonders wichtig, weil wir glauben, dass mit verschiedenen Meinungen, Hintergründen und Interessen das gesamte Team profitieren kann. Genauso wichtig ist uns das Thema Transparenz. Wir pflegen eine offene und ehrliche Kommunikation und den frühen Austausch über Erwartungen, Ziele und Wünsche. Das erwarten wir auch von potentiellen Mitarbeitenden.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen in Startups?
So früh wie möglich mit dem Produkt in den Markt gehen, um kritisches Feedback einzusammeln. Ihr dürft nicht zulange mit Annahmen und konzeptionellen Planungen im Hinterzimmer verlieren. Sucht euch inspirierende und kritische Partner:innen aus anderen Unternehmen. Pflegt den regelmäßigen Austausch, baut eine Beziehung auf Augenhöhe auf – so profitieren beide Seiten davon. Erfolge und Zwischensteps feiern und aus Misserfolgen lernen.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Teams, Confluence und ActiveCampaign sind sicherlich unsere wichtigsten externen Tools.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Die drei Stimmungsmacher bei enra sind: regelmäßige Teamevents, das ausgiebige Feiern von Erfolgen und unsere Dartscheibe. Die Teamevents werden abwechselnd von jedem Unternehmensbereich organisiert. Das sorgt für ganz unterschiedliche Erlebnisse, so ist für jeden und jede etwas dabei. Das schafft zusätzlichen Zusammenhalt im Team. Darüber hinaus vermeiden wir zeitraubende Meetings und schaffen genügend Zeit, neue Dinge zu lernen und den persönlichen Austausch zu fördern.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Die ersten Monate der Corona-Pandemie waren für uns alle sehr wild. In dieser Zeit sind wir nach Paderborn gezogen, weil unser Team immer größer wurde, und haben gleichzeitig unser Geschäftsmodell und unsere Produkte an die neue Welt angepasst. Die Messen und die Anforderungen, wie wir sie bisher kannten, waren von heute auf morgen passé. Da mussten wir alle sehr schnell sein, im Kopf und in unseren Taten. Rückblickend bin ich extrem stolz auf das ganze Team, dass wir das in so kurzer Zeit gemeinsam gewuppt haben. Das war ziemlich wild von uns!

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): enra

#aktuell, #enra, #grunderalltag, #interview, #paderborn

#Interview – “Im fünften Accelerator rumhängen bringt einem keine Kunden”


Mit Cleanhub kämpfen Bosse Rothe, Joel Tasche und Florin Dinga gegen Plastikmüll. “Unternehmen, die sich für weniger Plastik in der Umwelt einsetzen wollen, können bei uns Sammel-Volumen in Auftrag geben. Wenn die Unternehmen genauso viel Plastik sammeln lassen, wie sie in Umlauf bringen, erhalten sie den Status: Plastik Neutral. Wir schließen in Indien und Indonesien Verträge mit Abfallunternehmen und geben fixe Abnahmegarantien für den Plastikmüll”, erklärt Gründer Tasche das Konzept.

Investoren wie 468 Capital, Lakestar, Pirate Impact Capital, das Investment-Vehikel der Heilemann-Brüder, und Übermogen Ventures investierten bereits in das Berliner ClimateTech. “Wir haben die Sammlung von mehr als 1.200 Tonnen Plastik ermöglicht, haben damit Anteil am Gehalt von 270 Menschen. Das alles ist ermöglicht durch ca. 160 Marken aus der ganzen Welt”, sagt Gründer Tasche zum Stand der Dinge bei Cleanhub.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Jungunternehmen außerdem über Taschengeld, Chipstüten und Sinnkrisen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Cleanhub erklären?
Oma, dir war bei der Erziehung immer wichtig, dass ich verantwortungsvoll durchs Leben gehe. Das bedeutet nicht perfekt zu sein, aber wenn man Schaden verursacht, gibt man es zu und schaut, dass man es wieder gut macht. Viele Menschen, wie du und ich auch, wollen nicht mehr zum Krämerladen gehen und alles frisch und ohne Verpackung kaufen. Wir wollen Dinge vorrätig haben und dass sie lange halten. Dazu eignet sich Plastik als Verpackungsmaterial sehr gut. Aber Plastik kann auch großen Schaden anrichten. Es gibt leider viele Unternehmen auf der Welt, die Lebensmittel und andere Konsumgüter in Plastik verpacken und in Länder verkaufen, wo es keine Müllabfuhr gibt. Das führt dazu, dass der Müll einfach in die Natur geschmissen wird oder vor der Tür verbrannt wird. Den Unternehmen, die das verkaufen, ist das aber oftmals egal, sie entziehen sich ihrer Verantwortung. Es gibt aber zum Glück viele Unternehmen, denen das nicht egal ist. Teilweise ist das nicht mal ihr Müll, der in den Ländern in der Umwelt landet. Diese Unternehmer wollen verantwortungsbewusst handeln und ermöglichen, dass wir auch morgen noch auf einem sauberen Planeten leben und in sauberen Meeren schwimmen können. Ich kenne wiederum viele Unternehmen in Indien und Indonesien, die den Müll gerne einsammeln würden. Ihnen fehlt es aber an finanziellen Mitteln die Gehälter für Sammler, Sortierer, Transport und Infrastruktur zu bezahlen, um diesen Service zu erbringen. Ich verknüpfe die Unternehmen in Europa die Verantwortung für den Müll übernehmen möchten, mit den Unternehmen in Asien, die den Müll einsammeln wollen. Wenn ich früher deinen Rasen gemäht habe, hab ich mein Taschengeld erst bekommen, wenn du zufrieden mit meiner Arbeit warst. Da die Europäer nicht immer nach Asien reisen können, um zu schauen, dass der Müll den sie bezahlt haben auch wirklich gesammelt wurde, haben wir eine Plattform entwickelt, die das Problem löst. In Asien müssen die Unternehmen Fotos als Beweis machen, dass Müll gesammelt wurde. Diese Fotos können wir den Unternehmen in Europa zeigen, als Beweis, dass ihr Geld auch sinnvoll genutzt wurde.

War dies von Anfang an euer Konzept?
Nein, ehrlich gesagt sind wir das Thema mit einer gewissen Welt-Verbesser-Ignoranz angegangen und haben gedacht, wir müssen den Leuten nur klarmachen, dass Plastik auch ein Rohstoff ist. Wir wollten ursprünglich als Marktplatz für Rezyklate in den Markt gehen. Haben dann aber schnell festgestellt, dass das eigentliche Problem nicht die Plastikflaschen sind, die recycelt werden können. In Ländern wo das Haushaltseinkommen häufig bei 150 US-Dollar liegt, werden keine Wertstoffe weggeschmissen. Alles was irgendwie verkauft werden kann, wird heute schon verkauft. Wenn man durch die Straßen Indiens läuft, findet man schlicht keine Wasserflaschen am Straßenrand. Auch in anderen Statistiken spiegelt sich das wieder. Nur 20 % der Kunststoffe, die ins Meer gehen, sind Hartkunststoffe, obwohl diese fast die Hälfte der produzierten Verpackungen ausmachen. Das Problem sind flexible – Folien und Mehrschichtkunststoffe – Chipstüten -, die nicht recycled werden können und daher keinen Marktwert haben. Daher das Plastic-Credit Modell, um diesem Abfall erstmal genug Wert zu geben, um gesammelt und sicher entsorgt zu werden.

Wie genau funktioniert denn euer Geschäftsmodell?
Unternehmen, die sich für weniger Plastik in der Umwelt einsetzen wollen, können bei uns Sammel-Volumen in Auftrag geben. Wenn die Unternehmen genauso viel Plastik sammeln lassen, wie sie in Umlauf bringen, erhalten sie den Status: Plastik Neutral. Wir schließen in Indien und Indonesien Verträge mit Abfallunternehmen und geben fixe Abnahmegarantien für den Plastikmüll. Die Differenz zwischen dem Preis, den wir von den Unternehmen erhalten und dem Preis den wir pro Tonne bezahlen, ist unsere Marge. Dafür entwickeln wir die Software, die im Hintergrund sicherstellt, dass die in Auftrag gegebene Sammlung auch erfüllt wird und unser Code of Conduct eingehalten wird.

Wie ist überhaupt die Idee zu Cleanhub entstanden?
Ich bin am Bodensee aufgewachsen und habe meine Kindheit im und auf dem Wasser verbracht. Als Jugendlicher habe ich angefangen zu surfen und hatte durch den Sport das Privileg viele schöne Orte und Kulturen kennenzulernen. Immer Präsent war: Plastikmüll. Egal, ob am Strand im Senegal oder auf einem Vulkan in Indonesien. Das hat mich schon immer genervt, noch bevor das Thema hier nach dem Importbann Chinas für unseren Plastikmüll groß rauskam. Aus eigener Erfahrung weiß ich auch, dass einzelne Cleanups nichts helfen. 2018 hatte ich eine Sinnkrise und hab mich gefragt, wie ich meine Privilegien effektiver nutzen kann. Also habe ich meinen Job in einem Schweizer Startup gekündigt und habe mich ein Jahr mit dem Thema Abfallwirtschaft beschäftigt, wurde in Indien von wilden Hunden von Müllkippen gejagt, saß in den Büros informeller Abfallsammler und durfte der Sri Lankischen Müllmafia mit meinem Mitgründer freundlich erklären, dass wir kein Interesse an Containern voll illegalem Abfall haben. Diese Erfahrungen haben geholfen, die zugrundeliegenden Probleme zu verstehen und eine Lösung zu entwickeln.

Wie hat sich Cleanhub seit der Gründung entwickelt?
Wir haben die Sammlung von mehr als 1.200 Tonnen Plastik ermöglicht, haben damit Anteil am Gehalt von 270 Menschen. Das alles ist ermöglicht durch ca. 160 Marken aus der ganzen Welt.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?
So platt es klingt, build things and talk to users. Auf Startup-Konferenzen oder im fünften Accelerator rumhängen bringt einem keine Kunden. Umsatz ist die beste Validierung für eine Idee, auch wenn es unangenehm ist wenn es fast noch nichts gibt, nehmt das Telefon in die Hand und verkauft.

Wo steht Cleanhub in einem Jahr?
Vor den Türen internationaler Konsumgutunternehmen, die sich weiterhin hinter inhaltslosen Nachhaltigkeitsseiten verstecken. Es gibt keinen Grund, nicht jetzt schon Verantwortung für den Müll zu übernehmen, den wir heute produzieren.

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Foto (oben): Cleanhub

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#Interview – “Es bestand die Gefahr, dass wir pleitegehen, noch bevor wir angefangen haben”


Das Hamburger Startup Peøple who Kær, das von Christina Biermann und Ellmar Jungschaffer gegründet wurde, bietet Nahrungsergänzungsmittel für Hunde an. “Wir entwickeln natürliches und hochwertiges Ergänzungsfutter gegen die gängigsten Leiden von Hunden. Dazu gehören Gelenkprobleme, aber auch Produkte zur Unterstützung des Darms oder des Immunsystems. So sorgen wir für ein glückliches und lebenswertes Hundeleben mit ganz viel Bewegungsfreude”, sagt Gründerin Biermann zum Konzept.

Der Hamburger Geldgeber Hanse Ventures investierte bereits in das junge Unternehmen. “Mittlerweile besteht unser Team aus zehn Leuten, die alle mit Herzblut dabei sind, und wir haben eine vierstellige Anzahl an überdurchschnittlich loyalen Abo-Kund:innen.Finanziell konnten wir unseren Umsatz von 2020 auf 2021 verdreifachen”, sagt Jungschaffer. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht das people who kaer-Team außerdem über Grünlippmuschel, Bewegungsfreude und Storytelling.

Wie würdest Du Deiner Großmutter people who kaer erklären?
Biermann: Oma, dir schmerzen ja schon lange die Gelenke und du kannst nicht mehr so richtig gut laufen. Das Aufstehen fällt schwerer, besonders nachdem du länger gesessen hast. Ganz bestimmt hast du die Gelenkschmerzen schon bemerkt, lange bevor du uns erzählt, dass du nicht mehr so mit deinen Enkeln toben kannst. Jetzt stell dir mal vor, du hättest schon vor bevor die Schmerzen angefangen haben, ein Produkt aus 100 % natürlichen Inhaltsstoffen gehabt, das deine Gelenke vorsorglich unterstützt hätte. So hättest du vielleicht noch länger mit den Kindern im Garten spielen können und dir würde jetzt nicht alles so schwerfallen. Bestimmt hättest du dieses Produkt bestellt, oder? Die gute Nachricht ist: Dieses natürliche Produkt tut dir sogar jetzt noch gut, obwohl du schon lange mit Gelenkproblemen zu kämpfen hast. Denn es enthält natürliche Inhaltsstoffe wie etwa Kurkuma oder neuseeländische Grünlippmuschel, die entzündungshemmend und schmerzlindernd auf die Gelenke wirken. Genau das bieten wir für Hunde! Denn zwei von drei Hunden leiden im Laufe ihres Lebens an Gelenkproblemen. Sie sind aber nicht in der Lage, uns von ihren Schmerzen zu erzählen, oder sich selbst um ihre Gesundheit und Ernährung zu kümmern. Wir als ihre Besitzer:innen tragen die Verantwortung für sie. Mit unserem Unternehmen people who kaer klären wir darüber auf und entwickeln natürliches und hochwertiges Ergänzungsfutter gegen die gängigsten Leiden von Hunden. Dazu gehören Gelenkprobleme, aber auch Produkte zur Unterstützung des Darms oder des Immunsystems. So sorgen wir für ein glückliches und lebenswertes Hundeleben mit ganz viel Bewegungsfreude.

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?
Jungschaffer: Vor einer unserer größten Herausforderungen standen wir direkt zu Beginn der Gründung. Wir hatten lange nach einer nachhaltigen Verpackung für unsere Produkte gesucht und waren total froh, pünktlich zum Launch unseres Online-Shops endlich etwas gefunden zu haben. Doch mit dem ersten Lockdown wurden die Grenzen geschlossen und die Verpackungen sollten erst mit 12 Wochen Verspätung eintreffen. So lange konnten wir nicht warten, denn zu diesem Zeitpunkt gab es nur unser Stammkapital und es bestand die Gefahr, dass wir pleitegehen, noch bevor wir angefangen haben. Also wurden wir kreativ: Wir kauften Butterbrottüten im Supermarkt, füllten das Pulver ab, banden eine Kordel darum und klebten einen Sticker drauf. Das sah natürlich alles andere als professionell aus und damals war es uns sehr unangenehm. Heute, zwei Jahre später, ist es eine lustige Anekdote und einfach eine verrückte Erinnerung, dass wir es so tatsächlich geschafft haben, unsere ersten 100 Kund:innen zu gewinnen.

Wo steht people who kaer derzeit, welche Zahlen, Daten und Fakten kannst Du mit uns teilen?
Jungschaffer: Wir haben people who kaer Ende 2019 gegründet und im März 2020 unser erstes Produkt auf den Markt gebracht. Mittlerweile besteht unser Team aus zehn Leuten, die alle mit Herzblut dabei sind, und wir haben eine vierstellige Anzahl an überdurchschnittlich loyalen Abo-Kund:innen. Besonders stolz sind wir auf unsere 4.95 von 5 Sterne-Bewertung auf TrustedShops! Finanziell konnten wir unseren Umsatz von 2020 auf 2021 verdreifachen und schlossen Ende 2021 unsere bisher größte Finanzierungsrunden mit fast einer Million Euro ab.

Hundegesundheit ist sicherlich in Sachen Marketing kein leichtes Thema. Wo und wie holt ihr eure Zielgruppe ab?
Biermann: Das stimmt, das Marketing ist tatsächlich nicht so einfach, da es ein sehr nischiges und erklärungsbedürftiges Produkt ist. Wir müssen erstmal Aufklärungsarbeit leisten, denn viele Hundebesitzer:innen, deren Vierbeiner noch keine Gelenkprobleme haben, sind sich der Gefahr gar nicht bewusst. Diese Aufklärung schaffen wir am besten über unseren eigenen Instagram-Kanal und durch authentische Kooperationspartner:innen / Influencer:innen, die ein hohes Vertrauen bei ihrer Community genießen. Auch Weiterempfehlungen unserer Kund:innen an Freund:innen und Familie funktionieren sehr gut. Andererseits ist Hundegesundheit aber auch ein sehr emotionales Thema und wenn der Bedarf erstmal klar ist, können wir die Hundebesitzer:innen gut abholen. Im Mittelpunkt unserer Kommunikation steht daher Storytelling. Denn ein einfaches Unpacking-Video auf Instagram oder ein Produktfoto in einer Werbeanzeige reicht in der Regel nicht aus, um potentielle Kund:innen vom Kauf zu überzeugen. Wir finden unsere Zielgruppe also hauptsächlich auf Social Media, aber auch über Google oder Amazon, wo Menschen aktiv nach Gelenkprodukten für Hunde suchen, wenn ihr Vierbeiner schon Probleme haben.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?
Biermann: Wir raten anderen Gründer:innen immer dazu, sich zu zeigen und authentisch zu kommunizieren. Neben dem gerade erwähnten Storytelling ist die persönliche und authentische Kommunikation mit unseren Kund:innen für uns ausschlaggebend. So wird die Grenze zwischen Unternehmen und Menschen aufgeweicht und es entsteht eine vertrauensvolle Beziehung. Das ist etwas absolut einzigartiges, das andere Unternehmen nicht kopieren können, auch wenn sie vielleicht ein größeres Marketingbudget haben. 

Wo steht people who kaer in einem Jahr?
Jungschaffer: Wir haben dieses Jahr noch sehr viel vor! Einerseits wollen wir über die D-A-CH-Region hinaus expandieren und starten mit unseren Produkten dieses Jahr in Skandinavien und den Benelux-Staaten. Wir arbeiten auch an neuen Produkten und einer ganz neuen Produktkategorie und wollen noch transparenter und nachhaltiger werden. Zusammengefasst sind wir in einem Jahr gesund weitergewachsen, haben neue Märkte erschlossen und sind noch bekannter geworden als Brand für mehr Lebensfreude bei Hunden – und vielleicht auch anderen Tieren! 

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Foto (oben):  Peøple who Kær

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#Interview – “Es ist ganz normal, gerade zu Beginn der Gründung, Fehler zu machen”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antworten Stella Maria Sorg und Lisa Kristina Meissner, die beiden Gründerinnen von Mersor. Das Berliner Startup möchte “Menschen durch die Kunst des Schenkens miteinander verbinden”.

Wie startet ihr in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Sorg: Ich bin eine absolute Frühaufsteherin und arbeite gerne bevor alle anderen aus dem Team ins Büro kommen. So kann ich bereits in Ruhe die wichtigsten Themen für den Tag abarbeiten.

Meissner: Bei mir ist es tatsächlich komplett umgekehrt, ich arbeite gerne spät abends und stehe entsprechend auch später auf. Mein Tag beginnt meistens gegen 9 Uhr. Im Bett kümmere ich mich bereits um die ersten Nachrichten, die ich von dort aus schnell beantworten kann und stehe danach in Ruhe auf.

Wie schaltet ihr nach der Arbeit ab?
Sorg: Am besten erhole ich mich, wenn ich Zeit mit meiner Familie verbringe. Da ich eine große Familie habe, ist immer viel los und es bleibt eigentlich kaum Zeit, um an die Arbeit zu denken. Zusätzlich schaffe ich mir Ruhemomente durch kleine Spa-Stunden, in denen ich alleine bin und mich dem Startup Trubel etwas entziehen kann.

Meissner: Im Alltag hole ich mir meinen Ausgleich durch die Zeit mit meinem Partner, meiner Familie und dem Training mit meinem Hund. Aktuell arbeiten wir an der Begleithundeprüfung, damit wir schon bald an Hundesport-Turnieren teilnehmen können.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättet ihr gerne vor der Gründung gewusst?
Sorg: Wie hilfreich es ist, ein starkes Netzwerk zu haben! Sich ein starkes Netzwerk aufzubauen, kann und sollte man auch schon vor der Gründung machen. Das erleichtert die Gründung auf jeden Fall! Aus diesem Grund haben wir auch unsere Eventreihe “Fempreneur Roundtable” ins Leben gerufen, um einen ehrlichen und offenen Austausch unter Gründerinnen und angehenden Gründerinnen zu ermöglichen.

Meissner: Dabei steht jedes Event unter einem ausgewählten Thema (z.B. Funding) und wird durch eine Expertin als Gastrednerin begleitet. Dieses Jahr haben wir bereits unseren dritten Round Table und freuen uns so, das Gründerinnen-Netzwerk in Berlin stärken zu können.

Was waren die größten Hürden, die ihr auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Sorg: Ich habe Mersor noch während meines BWL-Studiums aus dem Wohnzimmer heraus gegründet. So war es am Anfang natürlich erst einmal eine Hürde den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen und damit einhergehend alle finanziellen Sparschweine zu plündern.

Meissner: Ich bin tatsächlich durch Zufall auf der Mersor Website auf die Stellenausschreibung zur CFO/Mitgründer:in aufmerksam geworden. Deswegen war für mich die größte Herausforderung meinen sicheren Job als Controllerin aufzugeben, einen Kredit aufzunehmen und bei Mersor einzusteigen.

Was waren die größten Fehler, die ihr bisher gemacht habt – und was habt ihr aus diesen gelernt?
Meissner: Es ist ganz normal, gerade zu Beginn der Gründung, Fehler zu machen. Wichtig ist der Blickwinkel: wir sehen Fehler auch immer als Learnings. Für uns ist es extrem wichtig, Dinge
zu testen und auszuprobieren, um so daraus lernen zu können. Dafür haben wir intern sogar extra den Teams-Channel Fun Fact erstellt, um auch Misserfolge mit Humor zu nehmen.
Wichtig ist immer der Blick in die Zukunft!

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?
Sorg: Das wichtigste ist für uns immer der Cultural Fit. Aber auch eine hohe Lern- und Einsatzbereitschaft sowie eine große Eigenverantwortung. Wir sind ein Team – wenn eine andere Abteilung Unterstützung braucht, packen wir alle mit an. Das gilt auch für unser Fulfillment. Inzwischen ist unser Fulfillment-Team zwar ganz gut abgedeckt, das war aber in der Vergangenheit nicht immer der Fall und so hat jeder mal mit angepackt (auch wir Gründerinnen).

Welchen Tipp habt ihr für andere Gründer:innen?
Sorg: Es gibt immer Höhen und Tiefen im Start-up Leben. In beiden Szenarios ist es meines Erachtens wichtig eine/n Co-Gründer:in an der Seite zu haben. Es macht so viel mehr Spaß Erfolge zu teilen und zu feiern. Gleichzeitig ist es nicht zu unterschätzen, wie wichtig es ist, einen Sparring Partner zu haben, wenn es mal nicht so gut läuft.

Meissner: Das sehe ich auch so! Wir wissen natürlich, dass es nicht immer so einfach ist, den passenden Mitgründer zu finden. Wir ergänzen uns in den Kernaufgaben und treffen wichtige Entscheidungen zusammen. Darüber hinaus verbindet uns unser Humor. Das ist auf jeden Fall eine sehr wichtige Grundlage, damit die Zusammenarbeit Spaß machen.

Ohne welches externe Tool würde euer Startup quasi nicht mehr existieren?
Meissner: Für uns sind es eher die Leute dahinter als irgendein Tool. Aber tatsächlich setzen wir intern auf Microsoft Teams – das ist für uns Slack, Asana und Google Drive in einem und
nicht mehr weg zu denken!

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Meissner: Bei uns herrscht tatsächlich immer eine sehr gute Stimmung im Team. Wir sind ein sehr junges Team, lachen viel und das ist uns auch sehr wichtig! Wer hier sicherlich auch noch einen großen Teil dazu beiträgt sind unsere drei Office-Hunde. Aber nicht nur die machen gute Stimmung bei uns: In unserem internen Teams Channel posten wir auch Screenshots und lustige E-Mails, die einem so im Arbeitsalltag begegnen.

Was war Euer bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Sorg: Unser Pop Up Shop über Weihnachten – sechs Wochen am Stück, mit zwei verkaufsoffenen Sonntagen, immer von 10-20 Uhr. Das war schon eine wilde Zeit. Da wir den Pop Up auf einer Fläche in einem Kaufhaus hatten, mussten wir gelegentlich auch andere Themen neben dem Verkauf auf der Fläche abarbeiten. So kam es z.B. auch dazu, dass wir die Umkleidekabinen als “Office” genutzt haben, um E-Mails zu beantworten und Kundensupport abzuarbeiten. Heute lachen wir darüber!

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Mersor

#aktuell, #berlin, #grunderalltag, #interview, #mersor

#Interview – “Nur Learning by Doing ist auch nicht immer das Beste”


Das Kölner Startup shareDnC, das 2015 von Christian Mauer, Philipp Hartje und Christoph Püttgen gegründet wurde, positioniert sich als “Plattform für die Vermittlung von flexiblen Büros und Arbeitsplätzen”. Zum Stand der Dinge bei shareDnC sagt Gründer Hartje: “Unser Team besteht aktuell aus 14 Kolleginnen und drei Kollegen. Wir haben inzwischen mehr als 6.000 Verträge vermittelt. Dabei muss ich allerdings sagen, dass Corona unser Wachstum in den letzten zwei Jahren leider stark gebremst hat”.

Kürzlich investierte der Travelriese HRS gemeinsam mit Altinvestor Bitstone Capital in ShareDnC. Bitstone Capital und mehrere Business Angels investierten zuvor bereits 2018 einen niedrigen siebenstelligen Betrag in ShareDnC. “HRS ist mit seinen Business Travel Lösungen bei sehr vielen mittleren und großen Unternehmen integriert. Die Mitarbeiter:innen dieser Unternehmen können zukünftig nicht nur ihre Geschäftsreisen und Meetings darüber buchen, sondern auch Arbeitsplätze”, sagt shareDnC-Macher Hartje.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Jungunternehmer außerdem über langen Verpflichtungen, Wachstum und richtig gute Bücher.

Wie würdest Du Deiner Großmutter shareDnC erklären?
Normale Mietverträge für Büros haben eine Laufzeit von fünf bis zehn Jahren. Der tatsächliche Platzbedarf von Unternehmen schwankt aber über einen so langen Zeitraum. Daher werden zumindest temporär Teile des Büros nicht genutzt, müssen aber trotzdem bezahlt werden. Auf der anderen Seite gibt es vor allem kleinere oder jüngere Firmen, die genau das suchen, was die anderen zu viel haben, nämlich einzelne Büroräume oder Schreibtischplätze. shareDnC bringt beide Seiten zusammen und sorgt dafür, dass die eine nur für das Miete zahlt was sie auch braucht und die andere ein Büro hat, das sie sich leisten kann und bei dem sie keine langen Verpflichtungen eingehen muss. Meine Oma ist schon 94, aber die Logik hat sie schnell verstanden.

War dies von Anfang an euer Konzept?
Tatsächlich ist das grundlegende Konzept immer noch das gleiche. In dem Markt in dem wir uns bewegen hat sich aber in den letzten Jahren viel getan, so dass wir ein paar Ergänzungen vorgenommen haben. Ein Beispiel dafür: Vor allem aufgrund von Home Office bzw. Hybrid Work haben immer mehr Firmen nicht nur einzelne Räume oder Desks leer stehen sondern komplette Etagen. Da eine Untervermietung an eine einzelne Firma nur sehr selten und mit Glück funktioniert, bieten wir inzwischen mit einem Partner auch ein Modell an, bei dem wir bzw. unser Partner sich vor Ort darum kümmert, dass die ungenutzte Etage Raum- oder Desk-weise vermietet wird ohne dass es für den Hauptmieter Mehraufwand verursacht.

Wie genau funktioniert denn euer Geschäftsmodell?
Wir helfen Firmen mit leeren Büros durch unsere Reichweite sowie der Beratung unserer Expert:innen im Customer Success Management dabei, schnell passende Mieter:innen zu finden. Wenn wir das erfolgreich gemacht haben – und nur dann, bekommen wir dafür eine Provision vom Anbietenden. Dabei kann sie oder er sich aussuchen, ob wir eine einmalige Provision in Höhe einer Monatsmiete bekommen oder eine monatliche in Höhe von 12 % der Miete für maximal 12 Monate.
Für die Mieterseite ist die Nutzung komplett kostenlos.

Wie ist überhaupt die Idee zu shareDnC entstanden?
Die Grundidee ist zwischen meinen beiden Mitgründern Christian und Christoph entstanden. Christian hatte mit seiner Agentur ein Büro mit einigen Räumen als Wachstumspuffer angemietet und dann im Netzwerk gefragt ob jemand einen Raum sucht. Daraufhin ist Christoph dort mit seiner Beratung dort eingezogen. Die übrigen Räume sind leer geblieben. Nach einigen Jahren haben dann beide für sich jeweils einen einzelnen Raum gesucht und festgestellt, dass es im Internet gar keine Anlaufstelle dafür gab. Und da sie den Mehrwert für beide Seiten selber erfahren hatten, gibt es jetzt shareDnC.

Wie hat sich shareDnC seit der Gründung entwickelt?
Unser Team besteht aktuell aus 14 Kolleginnen und drei Kollegen. Wir haben inzwischen mehr als 6.000 Verträge vermittelt. Dabei muss ich allerdings sagen, dass Corona unser Wachstum in den letzten zwei Jahren leider stark gebremst hat. Wir sehen aber, dass wir mit der zumindest teilweisen Rückkehr ins Büro wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Da unser Business sehr stark vom Angebot von Büroräumen getrieben ist, sehe ich durch den veränderten Platzbedarf in Büros durch Home Office für uns die Möglichkeit zukünftig deutlich schneller zu wachsen als vor Corona.

Kürzlich stieg HRS bei shareDnC ein. Wie passt das zusammen?

Sehr gut. HRS ist mit seinen Business Travel Lösungen bei sehr vielen mittleren und großen Unternehmen integriert. Die Mitarbeiter:innen dieser Unternehmen können mit der neuen Lösung “Work” zukünftig nicht nur ihre Geschäftsreisen und Meetings darüber buchen, sondern auch Arbeitsplätze. Durch die geplante Zusammenarbeit mit shareDnC erhalten die HRS Firmenkund:innen Zugang zu tausenden flexiblen und über ganz Deutschland verteilten Remote Workplaces. shareDnC kann den Firmen, die über die Plattform ungenutzte Büroflächen vermieten, zukünftig zur eigenen Reichweite auch die von HRS Work zur Monetarisierung der Flächen anbieten.
So werden beide und vor allem die Kund:innen beider davon profitieren.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Rückblickend muss ich sagen, dass wir wahrscheinlich ein gutes Beispiel für “Premature Scaling” sind. Wir haben nach anfänglichen Erfolgen zu schnell den Fokus auf regionalen Roll-out und überteuert eingekauftes und wenig nachhaltiges Wachstum über Google Ads gelegt anstatt uns erstmal nur darauf zu fokussieren unsere Kund:innen und ihre Probleme genau zu verstehen und unser Produkt darauf zu optimieren. Das haben wir deutlich zu spät gemacht.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?
Hm, alles richtig weiß ich nicht. Wir haben aber von Anfang an viel Wert darauf gelegt, unsere Kund:innen und vor allem die Anbietenden sehr gut und persönlich zu betreuen. Ich bin überzeugt, dass das ein wichtiger USP ist, da die Untervermietung von niemandem der Hauptjob ist, sondern alle sich lieber ihrem Kerngeschäft widmen wollen. Da ist es aus meiner Sicht sinnvoll, das man von Expert:innen dabei unterstützt wird.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?
Nehmt euch neben dem ganzen Stress beim Aufbau des Business Zeit für eure eigene Entwicklung. Ich habe das bis vor einiger Zeit viel zu wenig gemacht. Nur Learning by Doing ist auch nicht immer das Beste. Muss auch nicht viel kosten. Ich finde gibt beispielsweise sehr viele richtig gute Bücher. Wenn ich die früher schon gelesen hätte, hätte ich mir sicherlich einige Fehler auf dem bisherigen Weg erspart.

Wo steht shareDnC in einem Jahr?
Unser Ziel ist es, dass es für Firmen jeder Größe selbstverständlich wird, dass ungenutzte Büroflächen nicht einfach leer bleiben. Nicht nur aus finanzieller Sicht sondern auch aufgrund des großen Potentials im Hinblick auf Nachhaltigkeit. Ich denke es ist jetzt der richtige Zeitpunkt, diesem Ziel in einem Jahr ein großes Stück näher gekommen zu sein. Und mein Anspruch ist, dass wir als shareDnC diejenigen sind, die dafür stehen und die beste Lösung anbieten.

Reden wir zudem noch über Köln. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was macht den Reiz der Startup-Szene in Köln aus?
Hm, das was oft als Vorteil gesehen wird – weniger Ablenkung, familiärer etc. – ist ja eigentlich dem geschuldet, dass wir hier in Köln noch gar kein richtiges Ökosystem haben wie in Berlin oder auch in München. Den Reiz macht daher aus, daran mitzuarbeiten das zu schaffen.

Was ist in Köln einfacher als in Berlin – und umgekehrt?
Da sollte ich eigentlich Experte sein, da ich zwar Kölner bin, aber auch mehr als vier Jahre in Berlin gearbeitet habe. Wenn ich woanders als in Köln leben müsste, wäre Berlin tatsächlich meine präferierte Wahl. Man muss in Köln keine Weltreise unternehmen um vom einen Ende der Stadt zur anderen zu kommen  In Berliner kann man auch leben, wenn man kein Deutsch spricht.

Zum Schluss hast Du drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Köln?
Ich habe nur zwei, aber die würden schon einiges bringen. Erstens: Ich habe in am CDTM München studiert, das inzwischen zum Nukleus der Münchener Startup- und Tech-Szene geworden ist. Ich fände es super, wenn die Uni Köln und die RWTH Aachen etwas ähnliches auf die Beine stellen würden. In Köln fehlt etwas vergleichbares wie die TU in München, aber zusammen mit Aachen könnte das gut passen und da könnte über die Zeit viel gutes daraus entstehen. Zweitens: Zwei bis drei große Unicorns, die dann die Basis bilden für den Aufbau eines Ökosystems wie in Berlin oder München, wo die Mitarbeiter:innen dann irgendwann eigene Startups gründen, die von den Gründern der Unicorns supportet werden usw.

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln werfen wir einen Blick auf das Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind dort die Voraussetzungen für Gründer:innen, wie sieht es mit Investitionen aus und welche Startups machen von sich reden? Mehr als 550 Startups haben Köln mittlerweile zu ihrer Basis gemacht. Mit zahlreichen potenziellen Investoren, Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents bietet Köln ein spannendes Umfeld für junge Unternehmen. Diese Rubrik wird unterstützt von der KölnBusiness Wirtschaftsförderung. #Koelnbusiness auf LinkedInFacebook und Instagram.

KoelnBusiness

Foto (oben): shareDnC

#aktuell, #interview, #koln, #sharednc

#Podcast – Interview #45 – Christian Springub (Dance)


In unserem Interview-Podcast ist diesmal Dance- und-Jimdo-Gründer Christian Springub zu Gast. Das Berliner Unternehmen Dance, das 2020 von Alexander Ljung und Eric Quidenus sowie Jimdo-Macher Christian Springub gegründet wurde, positioniert sich als Subscription-Service für E-Bikes. HV Capital, BlueYard, Planet A Ventures und diverse Angel-Investor:innen investierten bereits mehr als 35 Millionen US-Dollar in Dance.

Unser Sponsor

Die heutige Ausgabe wird präsentiert von der Commerzbank. Das Unternehmen Zimtstern Europe, 2019 gegründet, setzt bereits auf die Commerzbank. Die Macher von Zimtstern, Hans Allmendinger und Sönke Voss entdeckten in hochwertiger und nachhaltiger Mountainbike-Fashion eine Marktlücke. Zur Realisierung Ihres Konzepts kauften sie die existierende Marke Zimtstern, die ihre Wurzeln im Snowboarding hatte, und bauten darauf das Angebot für Mountainbike-Bekleidung aus. Neben Mut, einem guten Businessplan und einem strengen Kostenmanagement braucht man als Startup dafür eine Bank an der Seite, die das mitgeht. Die Commerzbank ist diesen Weg mit den Gründern gegangen. Wollt Ihr mehr über Zimtstern und weitere spannende Unternehmen wissen, dann schaut rein unter www.commerzbank.de/kundengeschichten.

Interview #45 – Christian Springub (Dance)

Abonnieren: Die Podcasts von deutsche-startups.de könnt ihr bei Amazon Music – Apple Podcasts – Castbox – Deezer – Google Podcasts – iHeartRadio – Overcast – PlayerFM – Podimo – Spotify – SoundCloud oder per RSS-Feed abonnieren.

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Foto (oben): Dance

#aktuell, #berlin, #dance, #interview, #mobility, #podcast

#Interview – “Unsere Mission ist es, das globale Food Waste-Problem zu bekämpfen”


Das Berliner Unternehmen Freshflow, das 2021 von Carmine Paolino und Avik Mukhija gegründet wurde, möchte die weltweite Lebensmittelverschwendung bekämpfen. Die Lösung der Jungfirma nutzt dafür “Machine Learning, um die Nachbestellung frischer Lebensmittel zu automatisieren und vorausschauend zu optimieren”. Der Frühphasengeldgeber Capnamic Ventures, der Klima-Fonds World Fund sowie Angel-Investoren wie Alexander Mrozek, Jens Fiege und Felix Fiege investierten bereits 1,7 Millionen Euro in das junge Unternehmen.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht freshflow-Gründer Avik Mukhija über Erdbeeren, Supermärkte und Lebensmittelverschwendung.

Wie würdest du deiner Großmutter Freshflow erklären?
Wir ermöglichen es Supermärkten, jeden Tag die perfekte Menge an Frischwaren zu bestellen – genug um die Nachfrage der Kunden zu befriedigen, aber nicht zu viel, sodass es weniger Verschwendungen gibt. Dabei sind wir von Grund auf auf Frischwaren ausgelegt: Kurze, variable Haltbarkeiten, Saisonalität, etc. Wir machen das alles mittels Künstlicher Intelligenz.

Welches Problem genau wollt Ihr mit Freshflow lösen?
Unsere Mission ist es, das globale Food Waste Problem zu bekämpfen. Lebensmittelverschwendung ist ein riesiges ökologisches Problem – der CO2-Fussabdruck ist sechsmal so groß wie die Flugzeugindustrie! Es ist aber auch ein wirtschaftliches: Beispielsweise werfen europäische Supermärkte 50 Milliarden Euro jährlich nur an Frischwaren weg. Bei Supermärkten liegt das vor allem daran, dass es unglaublich schwierig ist, jeden Tag den optimalen Bestand an Frischwaren zu führen. Nehmen wir an, es müssen Erdbeeren für morgen bestellt werden: Wie haben sich diese in der Vergangenheit verkauft? Wie ist das Wetter morgen? Gibt es lokale Events, Engpässe? Wie lange werden sie auf dem Regal frisch bleiben? Bestellt man zu wenig, hat man leere Regale und unzufriedene Kunden. Bestellt man zu viel, entsteht Lebensmittelverschwendung und man zerstört die ohnehin dünnen Margen. Mit Freshflow ermöglichen wir es Supermärkten jeden Tag, für jeden Frischeartikel, die feine Linie zwischen Unter- und Überbestellungen zu gehen.

Wie wollt Ihr Geld verdienen, also wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?
Wir operieren nach einem Software-as-a-Service Modell, d.h. es gibt eine Lizenzgebühr basierend auf der Größe des Supermarktes und weiteren Metriken.

Wie ist die Idee zu Freshflow entstanden?
Meine erste Zusammenarbeit mit dem Lebensmitteleinzelhandel entstand durch meine Masterarbeit an der ETH Zürich, wo ich erstmals das große Innovationspotential in dieser Industrie erkannte. In der Berliner Kohorte des Talent Investors Entrepreneur First, lernte ich später meinen Mitgründer Carmine kennen und wir konnten uns stark für das Thema Food Waste Bekämpfung begeistern. Gekoppelt mit meiner vorherigen Erfahrung aus dem Lebensmitteleinzelhandel war das der Ursprungspunkt von Freshflow.

Ihr konntet bereits 1,7 Millionen Euro einsammeln. Wie seid ihr mit euren Investoren in Kontakt gekommen?
Wie üblich im Fundraising, ist es sinnvoll, zu Beginn einige warme Intros aus dem eigenen Netzwerk zu Investoren zu kriegen. Unsere Kontakte bei Entrepreneur First und unsere Angel-Investoren waren hierbei super hilfreich. Sobald man eine Basis an Investorenbekanntschaften hat, passieren dann weitere relativ natürlich, bis es dann mit einigen clickt.

Wo steht Freshflow in einem Jahr?
Wir bauen gerade stark unser Team aus und sind – zusätzlich zu unseren existierenden Partnern – europaweit in fortgeschrittenen Gesprächen mit weiteren LEH. Das Ziel ist es, erfolgreiche Partnerschaften mit mehreren von diesen einzugehen und Lebensmittelverschwendungen hierbei um mindestens 30% zu reduzieren.

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Foto (oben): Freshflow, Entrepreneur First, Lena Ganssmann

#aktuell, #berlin, #freshflow, #interview

#Interview – “Wir wollen nervige Arbeitsprozesse erleichtern”


Das Berliner FinTech Nelly, das von Lukas Eicher, Niklas Radner, Rasmus Schults und Laurids Seibel gegründet wurde, positioniert sich als “Signatur- & Abrechnungstool für Arztpraxen”. Mit der Software lassen sich Dokumente, Unterschriften und Zahlungen in Praxen digitalisieren. Embedded Capital, btov Partners, Global Founders Capital (GFC), Calm/Storm, Gaingels sowie Business Angels wie Verena Pausder und Diana zur Löwen investierten bereits 4 Millionen Euro in den Arztpraxen-Dienstleister.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Nelly-Gründer Radner über Fachkräftemangel, Briefe und Fundraising.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Nelly erklären?
Heute ist es so, dass Patient:innen beim Arzt erstmal sehr viele Dokumente ausfüllen und unterschreiben müssen. Diese müssen vom Praxispersonal gedruckt, gescanned, abgetippt, archiviert und vernichtet werden. Bei der Bezahlung werden Patient:innen meist nicht gefragt wie sie Bezahlen möchten und die Abrechnung erfolgt in der Regel auch nicht durch den/die Arzt:in. Dadurch ergibt sich für die Praxisverwaltung sehr viel Aufwand, der durch Nelly eingespart wird. Patient:innen müssen nicht mehr auf Papierrechnungen warten, um dann umständliche Überweisungen tätigen zu müssen. Mit Nelly laufen die Patient:innenaufnahme und die Zahlungsabwicklung über das eigene Handy. Dadurch haben medizinische Fachangestellte endlich wieder mehr Zeit sich um die Patient:innen zu kümmern. Auch für Ärzt:innen ist das wichtig, denn es herrscht in Arztpraxen ein akuter Fachkräftemangel womit jede Minute, die dem Personal erspart bleibt, zählt. Außerdem unterstützt Nelly die Ärztin oder den Arzt dabei, ihren/seinen Arbeitsplatz für medizinisches Fachpersonal deutlich attraktiver zu gestalten.

Welches Problem genau wollt Ihr mit Nelly lösen?
Bürokratie, zeitintensive Prozesse sowie den Fachkräftemangel in Arztpraxen: 89 % aller Mitarbeiter:innen in Heilberufen sehen den Dokumentations- und Verwaltungsaufwand als größtes Problem. Hier setzen wir an, indem wir zeitfressende, bürokratische Prozesse optimieren und automatisieren. Wir wollen nicht als ein weiteres Tool wahrgenommen werden, das bedient werden muss, sondern von Tag eins an nervige Arbeitsprozesse erleichtern. Hierfür sind eine einfache Bedienbarkeit und eine Integration in bestehende Praxisverwaltungssysteme ausschlaggebend. Durch die fehlende Zeit haben sich derzeit gängige Zahlungslösungen zu Recht auf eine möglichst einfache Abwicklung für die Praxen konzentriert, hierbei aber das Patient:innen-Erlebnis aus dem Auge verloren. Dadurch, dass wir bereits bei der Patient:innenaufnahme ansetzen, können wir diese beiden Interessen wieder vereinen. So fragen wir z.B. Patient:innen aktiv wie sie bezahlen möchten und setzen auf zeitgemäße Abrechnungsprozesse, anstatt Briefe durch die halbe Republik zu verschicken. Durch unsere langjährige Erfahrung im Fintech-Bereich können wir auch für das Praxispersonal Aufwand bei der Abrechnung reduzieren, in dem wir Best-Practices aus dem Online-Bereich adaptieren.  

Wie ist die Idee zu Nelly entstanden?
Beim klassischen Arztbesuch während der Corona-Zeit sind uns die nicht mehr zeitgemäßen, papierbasierten Prozesse aufgefallen. In Restaurants und beim Reisen ging alles über das Smartphone und die QR/Code Adaption ist rasant gestiegen, nur beim Arzt blieb alles beim Alten – obwohl gerade dort eine Notwendigkeit für einen hygienischeren Prozess mit dem eigenen Gerät besteht. Als dann auch noch Wochen später eine Rechnung von einem bis dahin unbekannten Zahlungsdienstleister für die Behandlung per Post eintrudelte, war uns klar: das können wir besser.   

Wie wollt Ihr Geld verdienen, also wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?
Wir bieten unser Produkt in mehreren Modulen an: Einerseits bezahlen unsere Kund:innen eine monatliche Software as a Service Gebühr. Diese variiert je nachdem, ob nur die Patient:innenaufnahme über Nelly läuft oder auch weitere nicht standardisierte Dokumente über Nelly übermittelt werden. Darüber hinaus erhalten wir eine Zahlungsgebühr, die vom Transaktionsvolumen und der gewählten Zahlungsmethode abhängt. Dementsprechend steht unser Geschäftsmodell vor allem auf zwei Säulen. Erstens: Eine monatliche Software as a Service Gebühr. Zweitens: Zahlungsgebühren.

Ihr konntet bereits 4 Millionen Euro einsammeln. Wie seid ihr mit euren Investor:innen in Kontakt gekommen?
Die ersten Angel-Investor:innen kannten wir bereits vor der Gründung und waren somit also bereits Teil unseres Netzwerks. Von diesen haben wir dann auch die ersten Intros zu passenden VCs bekommen, mit denen wir dann unsere Pre-Seed-Runde gemacht haben. Für die Seed-Runde hatten wir schon deutlich mehr Sichtbarkeit, was dazu geführt hat, dass tatsächlich alle weiteren Investor:innen initial auf uns zugekommen sind. In vielen Gesprächen, die wir vor dem eigentlichen Fundraising geführt haben, wurde dann klar mit wem wir zusammenarbeiten wollen, so dass wir schlussendlich auch gar nicht richtig damit anfangen mussten.   

Wo steht Nelly in einem Jahr?
Wir wollen neue Märkte innerhalb der EU erschließen und unser Produktportfolio mit einem noch stärkeren Team und erweiterten. Wir haben es uns als Ziel gesetzt, das am stärksten wachsende Fintech im europäischen Gesundheitswesen zu sein. 

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Nelly

#aktuell, #berlin, #fintech, #interview, #nelly

#Interview – “Es gilt die Prioritäten immer im Blick zu behalten”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Michael Grassegger, Gründer von Natur-nah aus Wrestedt, einem Anbieter für sogenannte Vollspektrumlampen.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? 
Wenn ich morgens ins Büro komme beginne ich den Arbeitsalltag mit einigen Arbeitsroutinen. Zum Beispiel Checken der täglichen Ziele und der Mailanfragen bevor ich mit den anstehenden Aufgaben beginne.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Nach der Arbeit setze ich mich oft  kurz zu meiner Frau hin, bevor wir einen Spaziergang mit dem Hund unternehmen. Manchmal gehe ich auch mit dem Hund eine Runde joggen, um von der Arbeit abzuschalten und entspannter in den Feierabend zu gehen.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Wie ich selbst, wenn auch etwas verspätet erleben durfte, ist es ganz wichtig gleich am Anfang den Schwerpunkt aufs Marketing zu legen. Das hätte mir sicher geholfen meine Firma schneller aufzubauen. Nur mit einem guten Marketing kann ein Geschäft überhaupt erst richtig in Gang kommen. Wenn man mit dem Thema nicht so gut vertraut ist sollte man sich auch die Hilfe eines Marketingberaters oder Coaches leisten.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Wie sicher bei den meisten Gründer:innen, war die größte Herausforderung genügend Kunden zu finden, um das Geschäft aufbauen zu können. Hinzu kam die Herausforderung die Bedürfnisse der Kunden näher zu ergründen, um ihnen die Vorteile und Nutzen der sonnennahen Vollspektrum-Tageslichtlampen nahebringen zu können. Natürlich waren dabei auch finanzielle Durststrecken zu überwinden, wie wohl bei den meisten Startups.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Der größte Fehler war es, dass ich mich anfangs zu wenig um Marketing bemüht habe und dabei Zeit für zu viele Kleinigkeiten des Alltags vertan habe. Es gilt die Prioritäten immer im Blick zu behalten. Gerade beim Vollspektrumlicht ist die Herausforderung, dass es eigentlich jeder Mensch brauchen kann. Aber man kann nicht alle Menschen pauschal ansprechen. Es gilt also Zielgruppen zu finden und sich darauf zu konzentrieren.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Anfangs habe ich kleine Aufträge über Portale im Internet vergeben und mit virtuellen Assistenten gearbeitet. Später habe ich mir über den regionalen Arbeitsmarkt eine Teilzeitkraft gesucht. Heute geht dieser Prozess natürlich viel eleganter und schneller über das Internet. Wichtig auch hier eine möglichst genaue Beschreibung der Anforderungen an die gesuchte Arbeitskraft.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?
Auch als Gründer:in muss man nicht alle Arbeiten und Aufgaben selber erledigen. Es ist wichtig sich auf seine Kerngeschäft zu konzentrieren. Das soll ja die Umsätze bringen. Für die nicht so entscheidenden Aufgaben, z.B. Verwaltungsaufgaben, sollte man sich Hilfe suchen.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Das ist sehr schwer zu beantworten, da wir mittlerweile wirklich etliche Tools nutzen, ohne die ich heute nicht mehr arbeiten möchte. Egal, ob ein Chatprogramm, unsere Cloud oder ein Programm zum Aufgaben- und Projektmanagement, alle sind sehr hilfreich und erleichtern den Arbeitsalltag und die Kommunikation. Ich würde nicht soweit gehen zu behaupten dass wir, wenn eines davon nicht vorhanden wäre, nicht mehr existieren würden.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Für die gute Stimmung im Team ist sicher auch der offene Umgang miteinander wichtig und die gegenseitige Rücksichtnahme. Mal etwas persönliches besprechen oder auch etwas über das Privatleben erzählen und sich auch mal für die Sorgen der anderen zu interessieren. Das Menschliche darf nicht zu kurz kommen.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Oh, da gab es im Laufe der Zeit recht viele schöne und weniger schöne Erlebnisse. Ich habe in den ersten Jahren jährlich mehrere Messen als Aussteller mitgemacht und bin dafür dann quer durch die Republik zu den Veranstaltungsorten gefahren. Von Flensburg bis München, über Wien und Luxemburg waren viele Messeorte dabei. Die Teilnahme an Messen war immer ein spannendes und aufregendes Erlebnis. Besonders abenteuerlich war es dabei eigentlich immer den Messestand und die restlichen Waren nach der Messe in der allgemeinen Hektik des Abbaus sicher und vollständig im Fahrzeug zu verstauen. Das war immer Stress pur, hat aber auch Spaß gemacht.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Natur-nah

#aktuell, #grunderalltag, #interview, #natur-nah, #wrestedt

#Podcast – Interview #45 – Aiga Senftleben (Billie)


In unserem Interview-Podcast ist diesmal Billie-Gründerin Aiga Senftleben zu Gast. Das Berliner FinTech Billie, 2016 von Senftleben sowie den Zencap-Gründern Christian Grobe und Matthias Knecht gegründet, positioniert sich als Plattform für B2B-Zahlungen. Zu den Investoren der Jungfirma gehören unter anderem Hedosophia, Tencent, Klarna, Rocket Internet, Creandum, Speedinvest und Picus Capital. Zuletzt sammelte das Unternehmen 100 Millionen US-Dollar ein.

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Die heutige Ausgabe wird präsentiert von der Commerzbank. Das Unternehmen Zimtstern Europe, 2019 gegründet, setzt bereits auf die Commerzbank. Die Macher von Zimtstern, Hans Allmendinger und Sönke Voss entdeckten in hochwertiger und nachhaltiger Mountainbike-Fashion eine Marktlücke. Zur Realisierung Ihres Konzepts kauften sie die existierende Marke Zimtstern, die ihre Wurzeln im Snowboarding hatte, und bauten darauf das Angebot für Mountainbike-Bekleidung aus. Neben Mut, einem guten Businessplan und einem strengen Kostenmanagement braucht man als Startup dafür eine Bank an der Seite, die das mitgeht. Die Commerzbank ist diesen Weg mit den Gründern gegangen. Wollt Ihr mehr über Zimtstern und weitere spannende Unternehmen wissen, dann schaut rein unter www.commerzbank.de/kundengeschichten.

Interview #44 – Aiga Senftleben (Billie)

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Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Billie

#aktuell, #berlin, #billie, #fintech, #interview, #podcast

#Podcast – Interview #43 – Tanja Bogumil (Perfeggt)


In unserem Interview-Podcast ist diesmal Perfeggt-Gründerin Tanja Bogumil zu Gast. Das junge Berliner Food-Unternehmen, das von kisura-Gründerin Tanja Bogumil, glispa-Gründer Gary Lin und Bernd Becker gegründet wurde, setzt auf eine flüssige Ei-Alternative, die wie Rührei in der Pfanne gebraten werden kann. Schon vor dem Start konnte das Unternehmen 3,5 Millionen Euro einsammeln – unter anderem von MyMuesli-Gründer Hubertus Bessau, Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer, der EVIG Group, Stray Dog Capital und Shio Capital.

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Die heutige Ausgabe wird präsentiert von Packiro. Alle Gründerinnen und Gründer, die Verpackungen für ihre Produkte benötigen, sollten nun ganz genau zu hören! Über Packiro könnt ihr unkompliziert individuelle und nachhaltige Verpackungen bestellen. Der Wow-Effekt dabei: Stand- und Blockbodenbeutel werden bei Packiro vollflächig individuell bedruckt. Ideal für Startups: Kleine Auflagen ab 500 Stück sind möglich, die Lieferung ist schnell, die Prozesse sind digital. Zudem könnt ihr ein kostenloses Musterpaket bestellen. Wenn ihr Packiro jetzt ausprobieren möchtet, haben wir ein ganz besonderes Angebot für euch: Mit dem Rabattcode STARTUPS30 bekommen alle Erstbesteller bis zu 30. September 2022 30 % Rabattt (für jeweils bis 20.000 Verpackungen). Nutzt diese Chance! Mehr unter: www.packiro.com/startups-podcast

Interview #43 – Tanja Bogumil (Perfeggt)

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Foto (oben): Perfeggt / Patrycia Lukaszewicz

#aktuell, #interview, #perfeggt, #podcast

#Interview – “Ich hätte gerne vorher gewusst, wie man diese ganze Bürokratie bewältigt”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Christian Rahn, General Manager von Otovo in Deutschland. Das Unternehmen, das 2016 in Norwegen gegründet wurde, hilft Menschen beim Kauf und der Miete von Solaranlagen.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Mein Arbeitsalltag ist auch ein Stück weit immer Freizeit-Alltag. Die Übergänge zwischen Beruflichen und Privaten sind fließend, als Geschäftsführer eines – zumindest in Deutschland – noch jungen Unternehmens ist das noch extremer geworden. Ein guter Start in den Tag heißt für mich, die wichtigsten To-Dos des Tages nach Prioritäten zu sortieren. Und: Dass ich dennoch nicht meine Spontanität verliere – ich bin nämlich bekannt dafür, oft “last minute” zu sein.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Ich bin sportbegeistert und komme am besten beim Sport runter. Ein perfekter Abschluss ist für mich sport-geprägt: Ich treibe erst Sport und gucke dann im Anschluss meinem Lieblingsverein Eintracht Frankfurt zu. Bestmöglich gewinnen sie natürlich, aber als Eintracht-Fan kann ich das natürlich nicht voraussetzen.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest du gerne vor dem Startup-Leben gewusst?
Ich hätte gerne gewusst, wie man diese ganze Bürokratie beim Gründen in Deutschland bewältigt. Ich fürchte aber, dass ich da auch nicht erfahren hätte, wie man das skippen soll. Diese Erfahrungen musste ich machen, das kann mir wohl keiner abnehmen.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Ich habe an der ein oder anderen Stelle falsch gespart, das hat mich nach hinten geworfen. Man muss das Momentum beim Schopfe packen und auch ein bisschen Risiko eingehen. Es zahlt sich am Ende doppelt und dreifach aus.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?
Am liebsten sind mir neue Mitarbeitende, die über Empfehlung von aktuellen Mitarbeitenden kommen. Gerade am Anfang ist es wichtig, auch als Gründer sich in den Prozess einzuschalten und aktiv zu werden. Als Startup kann man am Anfang noch nicht viel bieten, potentielle Mitarbeitende müssen also vor allem deine Vision kaufen. Sie müssen an dich glauben. Deshalb ist es wichtig, da präsent und leidenschaftlich zu sein. Deine Energie und Überzeugung muss ansteckend sein.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen und Entscheider:innen in Startups?
Direkt von Beginn an saubere und strukturierte Prozesse aufsetzen und auf skalierbare Tools setzen, die mitwachsen. Später will man sich um sein Business kümmern und nicht darum, alles sauber auf- und umzugleisen. Die Zeit und Nerven kann man sich gut sparen.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Für Termine, Meetings und Co. finde ich “Calendly” super praktisch. Im HR-Bereich fällt mir “Personio” ein. Beide Tools sind wichtig für mich, aber wir würden wohl auch ohne “existieren”.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Aktuell ist es zugegeben wirklich schwer, durch Teamevents und Co. gute Stimmung zu verbreiten. Wir hoffen alle, dass das so schnell wie möglich wieder geht. Dadurch dass wir aber beim Recruiting einen extrem hohen Wert auf Team-fit legen, ist die Grundstimmung sehr gut. Aber wir freuen uns alle, wenn wir wieder mehr gemeinsam unternehmen können.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Vielleicht nicht wild, aber kurios war, als wir für eine Investorenpräsentation zwei Tage mit einem Theaterregisseur in einem Rehearsal verbrachten. Das war super strange, aber am Ende erfolgreich.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Otovo

#aktuell, #berlin, #grunderalltag, #interview, #otovo

“Manchmal sollte man einfach ins kalte Wasser springen”


Das Kölner Startup Rental Holidays, das von Jasper Fiebelkorn, Marius Ruppel und Jan Woltering geründet wurde, bietet Besitzer:innen von Reisemobilen und Caravans die Möglichkeit, ihr Gefährt an andere Privatpersonen zu vermieten. “Das Inserieren ist kostenfrei. Wir erheben eine Servicegebühr für Vermittlung und Versicherung, die dem Vermieter vom Mietpreis abgezogen wird, sobald eine Buchung zustande kommt. Der Vermieter kann seinen Preis selber festlegen und somit bestimmen, wie viel er verdienen möchte”, sagt Gründer Fiebelkorn zum Konzept.

Im Interview mit deutsche-startups.de sprechen die drei Rental Holidays-Macher über Standschäden, Leidenschaft und Gründungsambitionen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Rental Holidays erklären?
Fiebelkorn: Weißt Du, Oma, so wie das Wohnmobil unserer Familie draußen vor der Tür, so stehen auch viele andere Wohnmobile und Wohnwagen viele Wochen im Jahr ungenutzt auf einem Stellplatz, in der Garage oder einfach auf der Straße rum. In dieser “ungenutzten” Zeit verursacht der Camper trotzdem Kosten wie Versicherung, Steuern, Finanzierungsraten, Reparaturkosten uvm. Ich möchte daher mit Rental Holidays Privatleuten die Möglichkeit geben, ihren Camper zu vermieten, wenn sie ihn gerade nicht selbst brauchen, um so ein bisschen Geld damit zu verdienen und die laufenden Kosten zu reduzieren – oder gar ganz abzudecken. Ein Punkt ist uns dabei total wichtig: Die normale KFZ-Versicherung deckt normalerweise keine Mietgeschäfte ab. Deswegen haben Marius und ich die Zurich Versicherung als exklusiven Partner dazu geholt. Die Zurich Versicherung bietet unseren Kunden ein super Versicherungspaket an, so dass der private Camperbesitzer oder die private Camperbesitzerin im Zeitraum der Vermietung über unsere Plattform immer optimal abgesichert ist: Voll- und Teilkaskoversicherung, Haftpflichtversicherung und Pannenschutzbrief sind automatisch immer direkt dabei und die Einrichtung und Einbauten können zusätzlich über die Interieur-Versicherung abgedeckt werden. So kannst Du mit Deinem Camper sicher Geld verdienen und bekommst auch nicht die nervigen Standschäden – und um die Vermittlung kümmert sich Rental Holidays. Alles total easy.

Wie wollt Ihr Geld verdienen, also wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?
Fiebelkorn: Das Inserieren ist bei Rental Holidays völlig kostenfrei. Wir erheben eine Servicegebühr für Vermittlung und Versicherung, die dem Vermieter vom Mietpreis abgezogen wird, sobald eine Buchung zustande kommt. Der Vermieter kann seinen Preis selber festlegen und somit bestimmen, wie viel er pro Nacht verdienen möchte. D.h. der Vermieter legt den Mietpreis fest, das System berechnet direkt die Servicegebühr und der Vermieter sieht sofort seinen Ertrag.

Wie ist die Idee zu Rental Holidays entstanden?
Fiebelkorn: Die Idee zu Rental Holidays kam mir bereits im Oktober 2016 auf dem Caravan Salon in Düsseldorf. Damals war ich im Auftrag für den Hersteller Eura Mobil aus Sprendlingen tätig. Durch Zufall bin ich mit einem Endkunden ins Gespräch gekommen, der gerade ein Reisemobil bei einem Händler bestellt hat. Dieser fragte mich, ob es die Möglichkeit gäbe sein Freizeitfahrzeug zu vermieten, um damit die Finanzierungsraten zu tilgen. In diesem Moment wusste ich, dass ich Rental Holidays gründen würde. Zeitgleich fing allerdings auch mein Studium an der Technischen Hochschule in Köln an. Ich entschied mich also vorerst das Studium anzutreten und meine Idee nach dem Studium umzusetzen. An dieser Stelle möchte ich jungen Gründern direkt einen Tipp geben: Wenn Ihr eine Idee habt, für die Ihr mehr brennt als für alles andere auf der Welt, wägt gut ab, ob Ihr zuerst den “normalen” Bildungsweg wählt und erst im Anschluss eure Idee umsetzt. Manchmal sollte man einfach ins kalte Wasser springen. Für mich war es allerdings die richtige Entscheidung, da ich aus dem Studium an der TH Köln viel mitgenommen habe, was mich heute zu einem viel effektiveren Jungunternehmer macht. Außerdem habe ich im Studium meinem Co-Founder Marius Ruppel kennengelernt, der die Vision von Rental Holidays von Tag Eins an mit mir geteilt hat und meine Kompetenzen perfekt ergänzt. Ich habe Rental Holidays gegründet, um meine Leidenschaft für digitale Geschäftsmodelle mit meiner Begeisterung für die Caravaning-Markt zu verbinden.

Ruppel: Ich verbringe selbst seit vielen Jahren die Urlaube im Camper. Nach den Gesprächen mit Jasper war mir klar: Ich möchte die Vermietung von Campern im Sinne der Nutzer gestalten. Versicherungsprodukte und Prozesse schaffen, die einen sorgenfreien Urlaub garantieren und meine Leidenschaft für diese individuelle Reiseform mit meinen beruflichen Erfahrungen in der Versicherungsbranche verbinden.

Woltering: Ich bin letztes Jahr als erster Mitarbeiter bei Rental Holidays eingestiegen. Mich hat die Idee fasziniert, gemeinsam im Team Camper-Sharing auf ein neues Level zu bringen. Ich nahm die Herausforderung an, eine so komplexe Plattform “from scratch” aufzubauen. Als mich die Gründer dann gefragt haben, ob ich Teil vom Management-Board werden möchte, war ich direkt begeistert und freue mich nun darauf, gemeinsam zu wachsen. Mein Ziel ist es, ein starkes Tech-Team aufzubauen und so aktiv für ständigen Fortschritt zu sorgen.

Wie oder wo hast Du Deine Mitgründer:innen kennengelernt?
Fiebelkorn: An Marius ist mir tatsächlich als erstes sein toller umgebauter Camper aufgefallen, der eines Tages vor der TH stand. Wir haben uns wie schon erwähnt während des Studiums in Köln über unsere gemeinsame Leidenschaft für Camping kennengelernt und schnell festgestellt, dass das Interesse an digitalen Geschäftsprozessen uns darüber hinaus verbindet. Jan war dann unser erster Mitarbeiter, also Mitarbeiter der ersten Stunde. Wir haben schnell festgestellt, dass er die gleiche Leidenschaft für unser Thema hat, wie Marius und ich. Damit war uns schnell klar, dass er unbedingt mit ins das Gründerteam kommen muss.

Wo steht Rental Holidays in einem Jahr?
Fiebelkorn: In einem Jahr möchten wir Rental Holidays als Marke etabliert haben und in Deutschland weitreichend vertreten sein. Wir wollen uns durch kontinuierlichen Fortschritt auszeichnen und private Wohnmobil- und Wohnwagenbesitzer von unserem Portal überzeugen. Zusätzlich möchten wir das Team um circa 18 Mitarbeiter erweitert haben. Außerdem möchten wir weitere Länder in der DACH-Region erschießen. Mit unserem Sharing-Modell, das den Menschen den Einstieg in diese Reiseform deutlich erleichtert, und somit einer weiteren Verbreitung des „Reisens im Camper“ möchten wir außerdem dazu beitragen, den ökologischen Fußabdruck der Reisebranche zu verringern.

Reden wir über den Standort Köln. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für Köln als Startup-Standort?

Fiebelkorn: Wir als Gründer haben unsere Wurzeln in Köln und möchten unseren Teil dazu beitragen, Köln als Startup-Standort nachhaltig zu stärken. Natürlich ist Berlin anziehend aufgrund seiner starken Infrastruktur im Bereich VCs & Tech, aber wir haben uns ganz bewusst für Köln entschieden. NRW ist außerdem ein starkes Bundesland, wenn man sich die Zulassungszahlen bei Wohnmobilen und Wohnwagen anschaut. Unser Management-Team besteht aus einem starken interdisziplinären Team aus Business (Caravaning & Insurance) und Tech. Außerdem haben wir ein super spannendes Thema. Wir zählen auf den Support aller Campingliebhaber vor allem aber aller Camper aus NRW.

Was ist in Köln einfacher als im Rest der Republik?
Fiebelkorn: Ein Startup großzuziehen, stellt einen wohl immer vor viele Herausforderungen, egal wo man in der Republik gründet. Wir haben gemerkt, dass wir in Köln als Tech-Startup, viel durch lokale Medien, Banken und Netzwerk aus der Umgebung gepusht werden. Vielleicht lieg das daran, dass hier nicht jeden Tag ein neues Tech-Startup aus dem Boden sprießt.

Zum Schluss hast Du drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Köln?
Fiebelkorn: Ich würde mir wünschen, dass mehr Gründer, die aus NRW oder sogar direkt aus Köln kommen, auch in NRW oder Köln bleiben, um zu gründen. Mittlerweile haben wir auch hier im Umland tolle Accelerator-Programme und eine vernünftige Infrastruktur von Angels und VCs.

Ruppel: Besonders wünschenswert wäre es Köln auch als Tech-Standort zu fördern: Es wäre wichtig für Köln und die Region, dass sich die Stadt immer weiter zu einem Tech-Standort entwickelt. Menschen mit Gründungsambitionen im Tech-Bereich sollten das vorhandene Öko-System vor Ort nutzen und auch hier gründen. Man sollte junge Talente an den Hochschulen bereits für die Startup Szene zu gewinnen und Initiativen entwickeln, um mehr junge Menschen an Berufe im Tech-Bereich heranzuführen.

Woltering: Das Recruiting von Entwicklern, die aus Köln kommen oder hier arbeiten wollen, ist wirklich schwer. Hier sollten politische Initiativen ergriffen werden, um den Startups aus der Region zu helfen, es sollte mehr finanzielle Förderprogramme für junge Startups bei der Einstellung von Mitarbeiter mit Schwerpunkt Tech geben. Natürlich gibt es gewisse Förderprogramme, aber gute Entwickler kosten nun mal viel Geld.

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln werfen wir einen genaueren Blick auf das Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind dort die Voraussetzungen für Gründerinnen und Gründer, wie sieht es mit Investitionen aus und welche Startups machen gerade von sich reden? Mehr als 550 Startups haben Köln mittlerweile zu ihrer Basis gemacht. Mit zahlreichen potenziellen Investoren, Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents bietet Köln ein spannendes Umfeld für junge Unternehmen. Diese Rubrik wird unterstützt von der KölnBusiness Wirtschaftsförderung. #Koelnbusiness auf LinkedInFacebook und Instagram.

KoelnBusiness

Foto (oben): Rental Holidays

#aktuell, #interview, #koln, #rental-holidays

#Interview – bluu macht die Waschmittelflasche und somit Plastikmüll überflüssig


Die Jungfirma bluu setzt auf Waschmittel in Streifenform. “Der Streifen wird einfach in die Trommel zur Wäsche gelegt und löst sich bei Kontakt mit Wasser innert Sekunden auf. Schweres Schleppen von Waschmittelflaschen und Überdosierung gehören ab sofort der Vergangenheit an”, sagt Marko Vidmar, der das Unternehmen 2020 gemeinsam mit Roman Stämpfli gegründet hat. Bisher konnte das Startup über 250.000 Boxen verkaufen uns einen sechsstelligen Jahresumsätze erwirtschaften.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht bluu-Gründer Vidmar über die Expansion nach Deutschland, Verpackungsgrößen und Fehler.

Wie würdest Du Deiner Großmutter bluu erklären?
Wir vertreiben ein neuartiges Waschmittel, komprimiert zu einem drei Gramm leichten Streifen. Der Streifen wird einfach in die Trommel zur Wäsche gelegt und löst sich bei Kontakt mit Wasser innert Sekunden auf. Schweres Schleppen von Waschmittelflaschen und Überdosierung gehören ab sofort der Vergangenheit an. Es ist für alle Textilien sowie Temperaturen geeignet, enthält keine Bleichmittel, Enzyme, Farb- sowie Konservierungsstoffe und ist biologisch abbaubar. Eine Box mit 60 Waschstreifen ist circa 20 mal leichter als herkömmliche Waschmittelbehälter und verursacht dadurch circa 95 % weniger CO2-Ausstoß beim Transport. Die kompakte Kartonbox spart zudem super viel Platz zu Hause und die Verpackung kann bequem recycelt werden. Mit jeder Packung wird auch etwas Gutes getan, denn 1% des Umsatzes spenden wir an Wasserprojekte von Viva con Agua.

Wie ist die Idee zu bluu entstanden?
Roman und ich sind langjährige Freunde und teilen die Leidenschaft für das Gründertum, coole Brands und die Nachhaltigkeit. Bei unseren regelmäßigen Treffen haben wir uns beim Abendessen immer um spannende Geschäftsideen unterhalten. So auch im Jahr 2020, als Roman mir Waschstreifen vorstellte, welche unser Berufsleben komplett auf den Kopf stellen sollten. Ein paar Monate davor entdeckte er die Innovation im Insta Feed seiner Freundin und war sofort extrem begeistert von diesem Produkt. Die Krux an der Geschichte war jedoch, dass er zu diesem Zeitpunkt eine angesagte Männermesse “Man’s World” leitete und gar keine Kapazität für die neue Entdeckung hatte. Dies änderte sich aber, als sie die Pandemie im März 2020 mit voller Wucht traf. Der Betrieb musste auf ein Minimum runtergefahren werden und er hatte von heute auf morgen mehr Zeit. Mir ging es ähnlich und ich war sowieso offen für ein neues Kapitel. Sechs Monate später war bluu geboren und wir gingen mit unserem Online-Shop live. Zwei Monate nach dem Launch kündigte ich meinen Job als Verkaufsleiter in der Medtech Branche und setzte voll auf die Karte bluu.

Wie hat sich bluu seit der Gründung entwickelt?
Seit der Gründung haben wir über 250.000 Boxen verkauft, erwirtschaften sechsstellige Jahresumsätze und haben ein Team von sieben Mitarbeitern aufgebaut.

Bisher seid ihr in der Schweiz unterwegs gewesen. Nun aber auch in Deutschland und Österreich unterwegs. Was sind eure Erwartungen an die neuen Märkte?
Wir hoffen, dass die Idee genau so gut ankommt wie in der Schweiz und möchten unsere Marke bluu nun in allen deutschsprachigen Ländern stärken.

Tickt Deutschland generell denn anders als die Schweiz?
Das wird sich zeigen, denn wir haben unseren EU-Shop erst gerade gelauncht. Jedes Land hat auf jeden Fall seine Eigenheiten und Deutschland ist sicher preissensitiver. Waschmittel werden auch in kleineren Verpackungsgrößen als in der Schweiz gekauft, wo wir mit 60 Waschstreifen gleich 60 Waschladungen am oberen Limit sind. Durch die vielen praktischen sowie nachhaltigen Vorteile, die kompakte Größe und dem fairen Preis, denken wir aber, dass wir sehr gute Chancen haben werden.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist seit dem Start so richtig schief gegangen?
Da wir nie überstürzt handeln und über die ganz wichtigen Entscheidungen nochmals “schlafen”, ist zum Glück noch nichts richtig schief gelaufen.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?
Marketing, Branding und Kundensupport.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?
Ideen so schnell und einfach wie möglich am Markt testen. Kundenfeedbacks ernst nehmen und das Produkt oder die Dienstleistung laufend optimieren. Keine Angst haben, Fehler zu machen!

Wo steht bluu in einem Jahr?
In einem Jahr sind wir nebst Deutschland und Österreich in weiteren europäischen Ländern vertreten, haben die Produktpalette sowie unser Team weiter ausgebaut.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): bluu / Carlos Lindner

#aktuell, #bluu, #interview, #schweiz, #zurich

#Interview – “Morgens gehe ich als Erstes im Schlafanzug in den Stall”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Natalie Rechberg-Egly, Gründerin von Daysy, einem Zyklustool.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Morgens gehe ich als Erstes im Schlafanzug in den Stall, um die Pferde zu füttern. Da bekomme ich immer direkt gute Laune. Dann mache ich die Kinder fertig und fahre ins Büro oder setze mich im Homeoffice an den Rechner. Ich habe zwei tägliche Reminder in meinem Kalender. Einer davon lautet “Imagine the Woman you want to be and start showing up as her”, der andere “Was wir heute denken und tun, bestimmt unsere Zukunft”. Außerdem nehme ich mir jeden Morgen die Zeit, um etwas Sinnstiftendes zu tun: Ich nehme mir ein konkretes Problem vor und löse es. So beginne ich den Tag produktiv.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Abends nehme ich mir Zeit und setze mich aktiv mit meinen Zielen und Träumen auseinander. Das hilft, den inneren Kompass auf Spur zu halten und in die richtige Richtung zu steuern. In stressigen Situationen sage ich mir immer “Atme durch und schlaf drüber.” Am nächsten Tag, wenn sich die Gedanken einmal gesetzt haben, sieht man häufig klarer. Komplett abschalten und Arbeit von Privatleben trennen kann ich als Gründerin sowieso nie. Aber mir macht die Arbeit Spaß, deswegen ist das für mich kein Problem – solange meine Familie und die Quality Time mit meinen Jungs nicht darunter leidet. Mein Mann und ich verbringen immer wieder Nächte mit Whiteboard & Co. in unserem “Home Think Tank” und schmieden Pläne. Wir haben hier keine strikte Trennung. Es kommt eben, wie es kommt.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Wenn man gründen und damit seine Passion und Vision verwirklichen möchte, dann sollte man es einfach tun und sich den Herausforderungen stellen, die natürlich auch oft ganz unerwartet auf einen zukommen. Es ist einfach so, dass man nie genau wissen kann, wie es kommt und das ist auch völlig ok. Mit der Zeit lernt man, sich wie ein Chamäleon an die Begebenheiten anzupassen. Und einmal gestartet kann man nicht aufhören – im positiven Sinne! Es ist eine tolle Herausforderung und ich würde jedem, der gründen will, dazu raten, es zu tun.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Eine der größten Herausforderungen war für mich, die richtigen Leute zu finden, die mich unterstützten und an meine Vision glaubten. Dazu gehörte auch, meinen Vater zu überzeugen, der wenig begeistert von meiner Idee war, ein eigenes Produkt auf den Markt zu bringen und Fertility-Tracking “smart” zu machen. Ich hielt es für sinnvoll, die Grundidee des Lady-Comp an eine App zu knüpfen und damit den Bedürfnissen moderner, selbstbestimmter und vor allem smarter Frauen nachzukommen. Mein Vater war allerdings nicht sonderlich begeistert von der Idee und der festen Überzeugung, dass “diese Apps” eh wieder verschwinden würden. Doch ich hielt an meiner Vision fest und schließlich sagte mein Vater: „Mach es, aber die Verantwortung dafür liegt komplett bei dir und deiner Firma! Du musst es allein schaffen, denn ich glaube nicht daran, dass es funktionieren kann“. Und das sind nur einige der Herausforderungen, denen ich mich täglich stellen muss. Als Frau in der Technologiebranche zu arbeiten, ist auch heutzutage nicht einfach. Da muss man sich schon durchbeißen.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Mein größter Fehler war, dass ich zu lange damit gewartet habe, meine Ideen in die Tat umzusetzen. Ich habe viel mit mir gehadert und an mir gezweifelt in der Gründungsphase. Fertility-Tracker waren zwar schon vorher da, aber sie waren weder digitalisiert noch ästhetisch designed: Die Produkte, die es 2013 gab, waren allesamt von Männern konzipiert und nicht wirklich auf die Bedürfnisse von Frauen abgestimmt – zu der Zeit gab es kaum Frauen in dieser Branche. Ich bin aber fest überzeugt, dass Produkte für Frauen auch von Frauen kommen sollten.
Heute habe ich gelernt, dass das Hadern und die Zweifel ganz normal sind. Das ist mein persönliches Verhalten und ich musste lernen, diese Gefühle in einigen Situationen beiseite zu schieben und einfach mal zu machen.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Auch das ist keine leichte Aufgabe. Ich habe mich immer viel mit meinen Freunden ausgetauscht und einige konnte ich mitreissen – wir arbeiten heute noch zusammen. Für mich war es immer wichtig, dass ich mich auf meine Mitarbeiter verlassen kann und dass sie meine Vision teilen und schätzen. Menschen, die das Produkt und die Idee dahinter wirklich leben und nicht nur da sind, um vorübergehend Karriere zu machen. Gerade als Start-up ist es wichtig, dass dein Team für eine Weile bleibt und nicht direkt wieder geht.
Außerdem haben wir einige Kolleg:innen im Team, die uns empfohlen wurden oder Userinnen, die so begeistert waren, dass sie bei uns arbeiten wollten.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?
Erstens: Überstürze nichts – Natürlich spielt der Zeitpunkt der Markteinführung eine große Rolle, aber Qualität sollte immer an erster Stelle stehen. Denke immer erst an den Kunden. Gut Ding will Weile haben. Schlaf’ drüber, wenn du unsicher bist. Zweitens: Kämpfe für das, an was du glaubst, aber sei flexibel auf deinem Weg. Wenn ich mich auf etwas konzentriere, ist es einfach, mich auf einen zielstrebigen Ansatz und einen engen Fokus zu konzentrieren, um mein Ziel zu erreichen. Im Laufe der Jahre habe ich jedoch gelernt, dass Flexibilität von entscheidender Bedeutung ist. Es gibt Zeiten, in denen ich auf dem falschen Weg war und dann musste ich den Kurs korrigieren. Es ist ganz wichtig, zuzuhören, die Augen offen zu halten, präsent zu sein und sich Fehler eingestehen zu können, um flexibel zu bleiben. Drittens: Unternehmerin zu sein ist ein 365-Tage-Job und das ist in Ordnung. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an meinen Job denke. Aber ich habe gelernt (und lerne noch), wie man mit diesen Gedanken umgeht und nicht zulässt, dass sie die Aufmerksamkeit von anderen wichtigen Dingen ablenken. Zwar ist es wichtig, arbeitsbezogene Gedanken bewusst anzuerkennen, aber ich schreibe sie dann einfach auf und dann kann sie vorerst gehen lassen und mich z.B. auf meine Kinder konzentrieren. Viertens: Lass dich nicht von deiner Leidenschaft abbringen und drücke sie so oft du kannst aus. Als Führungskraft in einem Unternehmen wirkt sich deine eigene Leidenschaft auf jede Facette des Unternehmens aus. Zeige so oft du kannst, Warum du hinter diesem Projekt stehst. Das gibt dem ganzen Team Sicherheit, Sinn und Motivation. Fünftens: Bleib dir treu. Viele Menschen (wie ich jetzt!) geben schlaue Ratschläge, wie du ein Unternehmen führen kannst. Viel wichtiger ist aber, dem eigenen Bauchgefühl zu vertrauen – vor allem dann, wenn sich ein Rat so gar nicht stimmig anfühlt. Trau deiner eigenen Führungskraft, denn die macht dich ganz einzigartig.

Ohne welches externe Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Homeoffice Set-up, Zoom, Slack

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Wir haben bei uns eigentlich immer etwas zu lachen. Das ist auch total wichtig, denn so knüpft man sofort eine authentische Verbindung untereinander. Wir haben einen extra Channel auf Slack in dem wir nur Positives posten.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Meinen zweiten Sohn Louis auf die Welt zu bringen und am selben Tag Daysy 2.0 zu launchen. Beiden geht’s richtig gut.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Daysy

#aktuell, #daysy, #grunderalltag, #interview

#Podcast – “Wir hatten die Chance der grünen Wiese”


In unserem Interview-Podcast ist diesmal Limehome-Gründer Josef Vollmayr zu Gast. Das Münchner Startup, das Apartments zur kurz- und langfristigen Miete anbietet, sammelte in den vergangenen Jahren von Investoren wie HV Capital, Lakestar, Picus Capital, Bauwens, Momeni und Althoff Hotels rund 40 Millionen Euro ein. Das Unternehmen ist derzeit in 75 Städten  unterwegs. Rund 120 Mitarbeiter:innen arbeiten derzeit für die Jungfirma.

Im Gespräch mit Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, spricht Vollmayr unter anderem über Corona, Fremdkapital, Expansionspläne, den aktuellen Arbeitsmarkt, die Hotelbranche und Fehler.

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Die heutige Ausgabe wird präsentiert von der Commerzbank. Das Unternehmen Zimtstern Europe, 2019 gegründet, setzt bereits auf die Commerzbank. Die Macher von Zimtstern, Hans Allmendinger und Sönke Voss entdeckten in hochwertiger und nachhaltiger Mountainbike-Fashion eine Marktlücke. Zur Realisierung Ihres Konzepts kauften sie die existierende Marke Zimtstern, die ihre Wurzeln im Snowboarding hatte, und bauten darauf das Angebot für Mountainbike-Bekleidung aus. Hohe Fremdinvestitionen waren für das Startup nicht erforderlich, aber sie brauchten eine Kreditlinie für den Betrieb des Geschäfts. Das Konzept ging auf: Nach drei Jahren konnte das junge Unternehmen fast eine Punktlandung bei den geplanten Umsatzzielen verzeichnen. Neben Mut, einem guten Businessplan und einem strengen Kostenmanagement braucht man als Startup dafür eine Bank an der Seite, die das mitgeht. Die Commerzbank ist diesen Weg mit den Gründern gegangen. Mit Ihrer Gründerberatung und weiteren speziellen Angeboten bietet die Commerzbank insbesondere Startups relevante Finanzdienstleistungen. Wollt Ihr mehr über Zimtstern und weitere spannende Unternehmen wissen, dann schaut rein unter www.commerzbank.de/kundengeschichten

Interview #42 – Josef Vollmayr (Limehome)

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#Interview – “Suche dir gute Mitgründer, die ebenfalls für die Idee brennen”


Das Hamburger InsurTech helden.de, das 2015 als Haftpflicht Helden an den Start ging, setzt auf “einfache und transparente Versicherungen”. 2019 folgte der Wandel – weg vom Haftpflichtfokus zum Anbieter von weiteren Versicherungen. “Die Value Proposition, auf die wir uns festgelegt haben, ist dabei immer gleichgeblieben: einfache, verständliche Versicherungsprodukte zu entwickeln, die sich nicht verstecken, wenn es darauf ankommt”, sagt Gründer Jan Schmidt im Interview mit deutsche-startups.de.

Zuletzt übernahm der Digitalversicherer Tierdirekt. “Mit Tierdirekt haben wir uns langjährige Erfahrung im Bereich Tierversicherungen an Bord geholt, um uns in diesem stark wachsenden Markt zu positionieren”, sagt Schmidt. Derzeit arbeiten 53 Mitarbeiter:innen für das Unternehmen. “Mit dieser Mannschaft streben wir bis Jahresende bei rund 90.000 Kunden ein Bruttoprämienvolumen von über 10 Millionen Euro an”, führt der helden.de-Macher weiter aus.

Wie würdest Du Deiner Großmutter helden.de erklären?
Wir bauen einfache und transparente Versicherungen die alle individuellen Lebensbereiche abdecken. Sie beginnen bei Dir und Deiner Familie und reichen vom eigenen Haus bis hin zu Freizeitaktivitäten. Dabei gestalten wir den Leistungsumfang aller Versicherungen so, dass sich der Versicherte keine Gedanken mehr um seinen Schutz machen muss, denn wir haben an alles Wesentliche gedacht. Quasi wie bei einer All-inclusive-Reise. Mit diesem Konzept lässt helden.de keine Wünsche offen. Versicherte können sich also im wahrsten Sinne des Wortes sicher sein, dass sie bei uns immer die Hilfe erhalten, die sie benötigen. Und wir haben alles ganz einfach gemacht: in der Realität dauert ein Versicherungsabschluss bei helden.de nicht länger als das Kochen eines Kaffees. Das geht de facto schneller als sich diese Erklärung hier von mir anzuhören. 

War dies von Anfang an euer Konzept, oder hat sich euer Modell seit dem Start irgendwie verändert?
Wir hatten zu Beginn einen reinen Haftpflichtfokus, merkten aber schnell, dass es weitere Bereiche gibt, in denen wir mit unserer Haltung und Konzept Versicherungen zu bauen einen Mehrwert schaffen können. So kam es auch zum Wechsel auf die Marke helden.de, unter welcher wir seit 2019 alle Versicherungskategorien unter einem Dach vermarkten. Die Value Proposition, auf die wir uns festgelegt haben, ist dabei immer gleichgeblieben: einfache, verständliche Versicherungsprodukte zu entwickeln, die sich nicht verstecken, wenn es darauf ankommt.

Wie genau funktioniert denn euer Geschäftsmodell?
Wir entwerfen eigene, innovative Versicherungsprodukte, die es so ausschließlich von und auf helden.de gibt. Vertrieb, Marketing und Kundenservice wird vollständig von uns gemanagt. Auf diese Weise setzen wir unseren Anspruch, Kunden auf Augenhöhe zu begegnen und grundsätzlich einen ernstgemeinten Kundenfokus durchzusetzen, konsequent um. Je nach Produkt unterstützen wir auch die angeschlossenen Risikoträger bei der Schadensregulierung. Vom Prämienvolumen unserer Kunden reichen wir einen wesentlichen Teil an den Risikoträger weiter. Der restliche Teil verbleibt bei uns. Darüber hinaus sind wir an den Gewinnen, nach Schadensauszahlung, beteiligt. Die Vertragsbeziehung zu den Kunden liegt zu 100 % in unserer Hand, da wir im Gegensatz zu den Mitbewerbern stringent auf die Zusammenarbeit mit klassischen Maklern oder Vergleichsportalen verzichten. Dadurch erzielen wir deutlich höhere Retention Rates und sind darüber hinaus in der Lage Cross-Sell Potentiale effizient und besser zu nutzen als viele unserer Wettbewerber. Nicht zuletzt erzielen wir durch den direkten Vertrieb, der Zusammenarbeit mit ebenso digital aufgestellten Risikoträgern bessere Combined Ratios als der Wettbewerb. Das wichtigste: Am Ende des Tages profitiert der Kunden von diesem All-In-One-Versicherungsansatz.

Was sind eure langfristigen Pläne?
Strategisch ist es unser Ziel die sogenannten Lebenswelten, unter denen sich unsere Versicherungsprodukte jeweils subsummieren, konstant auszubauen. Das heißt, helden.de soll langfristig ein Ort sein, an dem Konsumenten alle essenziellen Versicherungen finden. Quantitativ möchten wir das aktuelle Ergebnis in den nächsten 12 bis 18 Monaten bei Vertragsabschlüssen, Kunden sowie beim Bruttoprämienvolumen verdoppeln. Perspektivisch denken wir in diesem Zusammenhang natürlich auch über die Erschließung des europäischen Marktes nach.

Wie ist überhaupt die Idee zu helden.de entstanden?
Uns ist aufgefallen, dass Versicherungen in vielen Bereichen dem E-Commerce hinterherhängen, sei es von der grundsätzlichen Digitalisierung des Angebots, Usability oder der zeitgemäßen Ansprache der Konsumenten. Wir waren uns einig, es müssen Versicherungsangebote geschaffen werden, welche die Bedürfnisse der Menschen wieder in den Mittelpunkt stellen, die auch dann noch passen, wenn sich individuelle Lebenssituationen ändern. Damit kehren wir im Grunde wieder zum ursprünglichen Solidaritätsprinzip – ein wesentliches Charaktermerkmal von Versicherungen – zurück. Es war und ist unsere Überzeugung, dass Versicherungen eben kein “notwendiges Übel” sind, sondern, dass Kunden ihre teilweise negative Haltung zu diesem angestaubten Thema mit einem verlässlichen und innovativen Partner in eine positive Einstellung umwandeln. Aus dieser Geisteshaltung entsprangen unsere USP „Vertrauen, Sicherheit &  Freiheit“. Sie repräsentieren die heutige helden.de-DNA.

Wie hat sich Dein Unternehmen seit der Gründung entwickelt?
In den ersten drei Jahren haben wir im Wesentlichen mit bis zu sechs Mitarbeitern unsere Haftpflicht-Produkte – Privat, Hund und Pferd – auf- und ausgebaut sowie den Kern unserer Versicherungsplattform etabliert. Im Jahr 2019 wurde mit der eingeführten Hausratversicherung die Lebenswelt “Dein ZuHause” vervollständigt und die Marke von haftpflichthelden.de zu helden.de weiterentwickelt. Mittlerweile umfasst das Portfolio von helden.de bereits zehn essenzielle Versicherungsprodukte, um die wesentlichen Risiken in den Lebenswelten “Familie”, “Dein ZuHause”, “Hobbys” und “Selbstständigkeit” abzudecken. Mit der jüngsten Akquisition von Tierdirekt bauen wir unsere starke Position im Haustierbereich weiter aus und können nun den “tierischen Familienmitgliedern” neben der Haftpflicht auch Kranken- und OP-Versicherungen anbieten. Mit Tierdirekt haben wir uns langjährige Erfahrung im Bereich Tierversicherungen an Bord geholt, um uns in diesem stark wachsenden Markt zu positionieren. Helden.de wächst kontinuierlich. Das seit Mitte 2021 auch in der Gesamtorganisation gezeigte Wachstum konnten wir dank einer Anfang des Jahres 2021 abgeschlossenen Finanzierungsrunde im zweistelligen Millionenbereich umsetzen. Die Akquisition von Tierdirekt einbezogen, beschäftigen wir mittlerweile 53 Mitarbeiter. Auf C-Level verstärkten wir uns mit Marketing- und Finanzprofis wie CMO Fabian Engel und CFO Dirk Weipert. Mit dieser Mannschaft streben wir bis Jahresende bei rund 90.000 Kunden ein Bruttoprämienvolumen von über 10 Millionen Euro an.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Wir haben just zu Beginn der Corona-Epidemie den Mietvertrag für ein neues größeres Office unterschrieben und hatten dabei ein Wachstum an Mitarbeitern von rund einem Drittel berücksichtigt. Am 15 März haben wir alle Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Nicht nur, dass wir aufgrund Homeoffice unsere ganzen Onboarding-Prozesse schnell umstellen mussten, was dank unserer sowieso gegebenen digitalen Struktur ganz gut gelang, kamen wir gar nicht so richtig dazu, in das neue Office einzuziehen und entsprechend auszustatten. Dann verdoppelten wir während Corona unsere Mannschaft in 2021 und mussten nun feststellen, dass wir weder alle Mitarbeiter ins Office einladen, noch das wir jedem überhaupt einen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen konnten. Das Office war ohne, dass wir jemals richtig vor Ort waren, während Corona zu klein geworden, und wir hatten weder Tische noch Stühle für unsere Mitarbeiter. Zum Glück haben wir jetzt mit Ende der Homeoffice-Pflicht ein schönes neues zu Hause gefunden und können nun auch alle Mitarbeiter wieder ins Office einladen. Viele unserer Kollegen lernen sich erst jetzt persönlich kennen. 

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?
Wir haben von Anfang unseren Nutzern immer das bestmögliche und vor allem sinnvollste Produkt am Markt geboten und haben den Preiskampf, der am Ende immer zulasten des Kunden geht, nicht mitgespielt. Heute können wir deutlich sehen, diese Rechnung geht auf. Unsere Kunden belohnen uns mit langjähriger Treue und empfehlen uns aus echter Überzeugung weiter. Wir wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem für das fairste Produktangebot, die Kommunikation mit unseren Kunden sowie unsere Servicequalität im Schadensfall. 

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?
Drei Dinge. Erstens: Suche dir gute Mitgründer, die ebenfalls für die Idee brennen und deine eigene Kompetenzen ergänzen. Gründen ist wie ein Hindernislauf. Als Team steigerst du deine Chancen alle Hürden zu überwinden. Zweitens: Stelle dich auf einen Marathon ein, wenn du in einer Branche wirklich etwas verändern willst. Verhalten oder Denkweisen zu beeinflussen, benötigt Zeit. Drittens: Verliere niemals das große Ganze aus den Augen, aber teile dir Gesamtaufgabe in einzelne, „bekömmliche Häppchen“ auf. Das schafft Fokus für dich und dein Team lässt euch mit jedem erreichten Zwischenziel mental wachsen und resilienter werden.

Wo steht helden.de in einem Jahr?
Wir konnten über 70 % Wachstum, sowohl beim Bruttoprämienvolumen als auch bei der Anzahl der Kunden, verbuchen. Wir konnten unsere Marktposition als digitaler Anbieter von Tierkrankenversicherungen erheblich stärken und ausbauen. Zudem haben wir unsere Markenbekanntheit in den unterschiedlichen Produktzielgruppen signifikant erweitert. Darüberhinaus haben wir bis dahin auch erfolgreich eine weitere Finanzierungsrunde abgeschlossen, um unser Wachstum weiter auszubauen.

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#Interview – “Ich halte Diversität für essenziell, um auf Erfolgskurs zu bleiben”


Die Berliner Jungfirma alcemy, die 2019 von Leopold Spenner und Robert Meyer gegründet wurde, digitalisiert die Zementlieferkette. “Unsere Software läuft bei Zement- und Betonherstellern und hilft ihnen, einen nie dagewesenen Einblick in ihre Produktion zu erhalten. Für die Nutzung dieser Software bezahlt der Kunde eine Gebühr, die sich nach der Menge des produzierten Zements und Betons richtet. Im Gegenzug können Hersteller die Qualität der Produkte genau vorhersagen und entsprechend produzieren”, erklärt Gründer Spenner das Konzept.

Entrepreneur First, La Famiglia, firstminute und investierten bereits in das Unternehmen, das derzeit 21 Mitarbeiter:innen beschäftigt. Das Ziel der Hauptstädter ist groß: “Wir wollen bis zum Ende des Jahrzehnts 100 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Und danach als Ziel eine Gigatonne CO2 anvisieren. Damit wir das erreichen, wollen wir sukzessive unsere Software bei mehr und mehr Beton- und Zementherstellern ausrollen und CO2-arme Zemente und Betone als Standard in der Bauwirtschaft etablieren”, sagt Spenner Im Interview mit deutsche-startups.de.

Wie würdest Du Deiner Großmutter alcemy erklären?
Wie du weißt, betrifft der Klimawandel uns alle und an allen Ecken benötigen wir Lösungen, die CO2 einsparen. Was du aber sicherlich noch nicht wusstest: Die Beton- bzw. Zementherstellung trägt einen signifikanten Teil zum Klimawandel bei. Insgesamt ist beispielsweise Zement, der wichtigste Bestandteil im Beton, für etwa acht Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Das wollen wir ändern und bieten deshalb Beton- und Zementherstellern die Möglichkeit, mit unserer Technologie deutlich nachhaltiger, gleichzeitig aber kosteneffizienter und qualitativ hochwertiger CO2-arme Produkte zu produzieren. Wir nehmen dazu den gesamten Herstellungsprozess unter die Lupe – also alles, was im Zementwerk bis hin zu den Fahrmischern, die zur Baustelle fahren, passiert. An jeder Station der Herstellung von Zement und Beton nutzen wir Daten aus den Werken. Mit diesen Daten können wir den Herstellern zeigen, wie sie ihre Prozesse effizienter gestalten und die Produktionsqualität steigern können. Im Ergebnis haben die Hersteller qualitativ hochwertigeren Beton bzw. Zement, der auch noch nachhaltiger ist und in Zukunft auch weniger kosten wird. Und auch das Klima profitiert natürlich: Bis 2030 wollen wir unseren Kunden ermöglichen, insgesamt 100 Millionen Tonnen CO2 einzusparen. Das ist ungefähr so viel wie die CO2-Emissionen pro Kopf von 12,5 Millionen Deutschen in einem Jahr.

War dies von Anfang an euer Konzept, oder hat sich euer Modell seit dem Start irgendwie verändert?
Unser Konzept hat sich seit der Gründung nicht verändert. Seit jeher haben wir die Mission, dass CO2-arme Zemente und Betone zum Standard im Bauen werden. Aufgrund der anfangs beschränkten Ressourcen haben wir uns aber natürlich Schwerpunkte gesetzt: Begonnen haben wir mit unserem Zementprodukt, das in Zementwerken läuft. Da wir aber die gesamte Wertschöpfungskette abbilden wollen, ist es uns ebenso wichtig, dass wir ein eigenständiges Beton-Produkt haben, das zusätzlich in Transportbetonwerken läuft. Wir wollen der Branche als fachkundiger Partner auf Augenhöhe zur Seite stehen und zeigen, dass Beton und Zement auch nachhaltiger geht und sich Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit nicht ausschließen. Deshalb bieten wir eine praxisnahe Lösung an, die schnell zu implementieren ist, wenig Investitionskosten erfordert und trotzdem einen riesigen Hebel für eine signifikante CO2-Einsparung bietet.

Beton, Zement und Startup-Welt passt das überhaupt zusammen?
Auch wenn es auf dem ersten Blick nicht so scheint, passt das sehr gut zusammen. Ich sehe es sogar als großen Vorteil, dass wir beide Welten miteinander verbinden. Denn gerade auch die sehr mittelständisch geprägte Beton- und Zementbranche kann frischen Wind und neue Ideen gut gebrauchen. Die Industrie steht vor der großen Herausforderung, sehr viel CO2 einsparen zu müssen. Hinzu kommt, dass die Branche noch sehr manuell und nur wenig digitalisiert arbeitet. Genau hier setzen wir als Start-up an. Da wir sehr viel Branchenerfahrung mitbringen, können wir umso besser an den wirklichen Bedürfnissen der Beton- und Zementhersteller ansetzen und so auch die tatsächlichen Probleme im Blick haben, die es für sie zu lösen gilt. Ich kann beispielsweise aufgrund meiner familiären Verbindung zum Thema Zement und Beton alleine ein Transportbetonwerk betreiben. Zusätzlich haben wir im Team noch viele andere Mitarbeitende, die fundierte Industrie-Expertise mitbringen.

Wie genau funktioniert denn euer Geschäftsmodell?
Unsere Software läuft bei Zement- und Betonherstellern und hilft ihnen, einen nie dagewesenen Einblick in ihre Produktion zu erhalten. Für die Nutzung dieser Software bezahlt der Kunde eine Gebühr, die sich nach der Menge des produzierten Zements und Betons richtet. Im Gegenzug können Hersteller die Qualität der Produkte genau vorhersagen und entsprechend produzieren.
Einerseits können sie sich auf diesem Wege von Wettbewerbern abheben, andererseits ist eine stabile Qualität auch essentiell für die Herstellung CO2-armer Betone und Zemente, da diese deutlich sensibler sind.

Wie ist überhaupt die Idee zu alcemy entstanden?
Zement und Beton begleiten mich schon mein ganzes Leben. Ich komme aus einer Familie, die schon seit einigen Generationen mehrere Zement- und Betonwerke betreibt und kenne die Branche und ihre Besonderheiten daher sehr gut. Als Jugendlicher habe ich die Einführung des Emissionszertifikatehandels hautnah mitbekommen, der dazu geführt hat, dass bei der Herstellung von Zement für jede Tonne CO2 ein bestimmter Preis gezahlt werden muss. Wenn man dann bedenkt, dass eine Tonne Zement ca. 600 Kilogramm CO2 bei der Herstellung emittiert, dann kann man sich gut vorstellen, wie das die Industrie aufrüttelte. Genau da habe ich beschlossen, dass ich aktiv an dieser großen Herausforderung arbeiten möchte. Um mein Wissen zu vertiefen, habe ich am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) studiert und bei der Boston Consulting Group an verschiedenen Beton- und Zementprojekten mitgearbeitet. Die Idee zur Gründung eines Start-ups kam jedoch erst bei einem Programm von Entrepreneur First, wo ich meinen späteren Co-Gründer Robert kennenlernte. Zusammen überlegten wir uns, wie wir der Beton- und Zementindustrie Lösungen anbieten können, die ihnen auch einen wirklichen Mehrwert bringen. Und es passte perfekt zusammen: Mein Wissen über die Prozesse bei der Herstellung von Zement und Beton und Roberts Know-how beim Thema Machine Learning – kurzerhand war alcemy gegründet.

Wie genau hat sich alcemy seit der Gründung entwickelt?
Wir sind super stolz auf das, was wir seit unserer Gründung 2018 geschafft haben. Momentan sind wir schon über 21 Kolleg:innen und wachsen beständig weiter. Im letzten Jahr konnten wir zudem unsere Kundenanzahl deutlich erhöhen und unseren Umsatz vervielfachen. Nun gehen wir in diesem Jahr den nächsten Schritt und wollen mit unserem Beton-Produkt die Transportbetonhersteller anvisieren. Wir freuen uns sehr, dass die Branche dabei schon großes Interesse zeigt.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Anfangs waren wir etwas naiv und dachten, dass es ausreicht, die Hersteller mit den richtigen Tools auszustatten, damit sich die Bauwirtschaft dann quasi von selbst dekarbonisiert. Wir merkten aber schnell, dass es Push and Pull braucht und dass neben den Herstellern auch die Bauunternehmen und Projektentwickler an Bord sein müssen. Das haben wir uns zu Herzen genommen und viele Gespräche mit Unternehmen entlang der gesamten bauwirtschaftlichen Wertschöpfungskette geführt.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?
Beim Team! Wir haben ein großartiges Team bei alcemy und ich bin jeden Tag dankbar dafür. Wir sind ein bunt gemischtes Team mit Expert:innen aus ganz unterschiedlichen Bereichen und Background. Von jedem unserer Mitarbeiter:innen kann ich noch unglaublich viel lernen. Wir alle sind zwar sehr verschieden, aber uns treibt gleichermaßen die Vision einer dekarbonisierten Zukunft an.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?
Versucht eure Ansichten und Perspektiven selbst regelmäßig zu hinterfragen und auch von anderen hinterfragen zu lassen. Ich halte Meinungsvielfalt und Diversität in jeder Hinsicht für essenziell, um langfristig auf Erfolgskurs zu bleiben. Gerade in einem Gründerteam kann man so von unterschiedlichen Herangehensweisen und den Stärken seiner Partner profitieren und aus der eigenen Komfortzone ausbrechen.

Wo steht alcemy in einem Jahr?
Wir denken da schon weiter. Wie gesagt, wollen wir bis zum Ende des Jahrzehnts 100 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Und danach als Ziel eine Gigatonne CO2 anvisieren. Damit wir das erreichen, wollen wir sukzessive unsere Software bei mehr und mehr Beton- und Zementherstellern ausrollen und CO2-arme Zemente und Betone als Standard in der Bauwirtschaft etablieren. Ich bin davon überzeugt, dass wir seit der Gründung schon einen großen Schritt in diese Richtung gegangen sind. Aber die Reise hat erst begonnen.

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#Interview – “Gründet, wenn Ihr überzeugt seid, dass Ihr echte Veränderung schaffen könnt”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antworten Oliver Noske und Jasper Steinlechner, die Gründern von pektogram. Das Startup aus Lübeck und Bielefeld digitalisiert die Rohstoffbranche.

Wie startet Ihr in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Noske: Ehrlich gesagt nicht besonders fancy. Meine “Morning Routine” besteht meist aus zu langem Schlafen, dadurch viel zu kurzem und sehr hektischem Fertigmachen und dem gerade rechtzeitigen Start in den ersten Call. Duschen mit Nachdenken statt Meditation.

Steinlechner: Trotz guter Vorsätze sieht es bei mir ähnlich aus: eine Runde mit dem Hund und dann mit frisch gebrühtem Kaffee gerade rechtzeitig in den ersten Call.

Und wie schaltet Ihr nach der Arbeit ab?
Noske: Die Abende verbringe ich meist mit meiner Freundin. Lesen, ein gutes Essen, das bringt mich runter. Ich muss aber zugeben, dass ich häufig mindestens noch über die Arbeit nachdenke, manchmal auch arbeite oder wenigstens Termine und Aufgaben für den Folgetage plane. So ganz lässt sich das Unternehmertum dann doch nicht abschalten.

Steinlechner: Ich mache am liebsten einen langen Spaziergang mit meinem Hund Nala im schönen Teutoburger Wald oder bin beim Sport. Dann geht’s entspannt aufs Sofa.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättet Ihr gerne vor der Gründung gewusst?
Noske: Auf jeden Fall mehr, denn ich wusste kaum etwas. Andererseits ist irgendwie genau das, das Erfrischende am Gründer-Dasein: mal mit dieser Unwissenheit und Ungewissheit völlig neue Freiheiten und Gestaltungsmöglichkeiten erkennen und nutzen zu können.

Was waren die größten Fehler, die Ihr bisher gemacht habt – und was habt Ihr aus diesen gelernt?
Noske: Zu glauben, dass jede:r sofort versteht, warum, wie und was wir da gerade tun. Ich habe gelernt, dass Kommunikation – im Kleinen sowie im Großen – eine Schlüsselrolle einnimmt.

Steinlechner: Einer unserer Fehler war, dass wir die Hypothesen, mit denen wir bei Produkten und Lösungen ins Rennen gegangen sind, anfänglich nicht aktiv genug hinterfragt haben. Heute weiß ich: Auch wenn die ersten Gespräche und Pilotprojekte super laufen, darf man sich nicht in die eigene Hypothese „verlieben“. Selbst im fortgeschrittenen Status der Lösung muss man sich immer wieder selbstkritisch mit den Grundsätzen auseinandersetzen.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?
Steinlechner: Zu Beginn haben wir super Erfahrungen damit gemacht, über unser bestehendes Netzwerk Leute zu finden. Bei denen wussten wir, dass es menschlich passt. Es ist enorm wichtig, dass die Person gut ins Team passt. Außerdem muss sie eine hohe Motivation für das große Ganze mitbringen, bei uns muss sie also die Rohstoffbranche revolutionieren und damit etwas wirklich Gutes für die Welt bewirken wollen. Wo oder als was jemand vorher gearbeitet hat, sollte dagegen nicht an oberster Stelle stehen. Ich bin überzeugt, dass der persönliche Drive die fehlende Berufs- oder Branchenerfahrung kompensieren wird, umgekehrt funktioniert das nicht.

Welchen Tipp habt Ihr für andere Gründer:innen?
Noske: Gründet nicht, um Gründer zu sein. Gründet, wenn Ihr überzeugt seid, dass Ihr mit Eurer Unternehmensgründung echte Veränderung und/oder echten Mehrwert schaffen könnt.

Steinlechner: Und genießt Eure Erfolge – auch die kleinen! Viele Gründer:innen neigen beim Aufbau ihres Startups dazu, von Meilenstein zu Meilenstein zu hasten und kaum innezuhalten. Das laugt aus. Nach einem erfolgreichen Projekt oder einem schönen Ereignis sollte man das bewusst feiern und sich selber sagen: Das haben wir richtig gut gemacht! Das bringt auch das Team noch mehr zusammen.

Ohne welches externe Tool würde Euer Startup quasi nicht mehr existieren?
Noske: Aktuell noch, traurig aber wahr, Geld. Außerdem möchten wir auf diese digitalen „Helferchen“ nicht verzichten: Asana, Google Cloud und Applications, Microsoft Teams und Slack.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?
Steinlechner: Jeder im Team darf ein Kunststück mit Büro-Hund Nala vorführen und der Gewinner bekommt den nächsten Kaffee frei Haus. Oder man schreibt einen lustigen Satz in den Google Translator und lässt es von der Robo-Stimme vorlesen.

Was war Euer bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Noske: Dass wir trotz Einreisestopp im Oktober 2021 tatsächlich mit einer exklusiv vom Konsulat ausgestellten “National Interest Exception” in die USA einreisen durften. Wir und unsere Sache wurden als so wichtig angesehen. Das ist wirklich mega und eine tolle Bestätigung.

Steinlechner: Ich muss dabei auch an unseren USA-Aufenthalt denken und zwar an den Moment, als wir mitten im Hinterland in einer Rohstoffe-Mine standen und gezeigt bekamen, wie hier jedes Jahr hunderttausende (!) Tonnen abgebaut werden. Beeindruckend aber auch irgendwie etwas beängstigend.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

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#aktuell, #bielefeld, #grunderalltag, #interview, #lubeck, #pektogram

#Interview – “Wir haben Stolpersteine in der Frühphase als Teamleistung gemeistert”


Das Kölner FinTech bezahl.de, das 2018 von Lasse Diener und Ulrich Schmidt gegründet wurde, kümmert sich um Forderungs- und Zahlungsmanagement. “Im Automotive Umfeld konnte sich die Plattform mit ihrem ganzheitlichen und vertikalen Lösungsansatz bereits zum Branchenstandard für Forderungs- und Zahlungsmanagement entwickeln”, teilt das Unternehmen mit. Embedded Capital und Marco Schnabl investierten zuletzt 5 Millionen Euro in das junge Unternehmen.

“Wir haben unser Team von anfangs acht MitarbeiterInnen seit der Gründung im Sommer 2018 mittlerweile mehr als verzehnfacht – und sind dennoch “am Anfang” unserer Story und wachsen weiter stark. Den Umsatz konnten wir seither jedes Jahr mehr als verdreifachen und in den letzten 12 Monaten wurde über bezahl.de mehr als drei Milliarden Euro Plattformvolumen gemanagt”, sagt Gründer Diener zum Stand der Dinge bei bezahl.de.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der bezahl.de-Macher außerdem über Learnings, Geldwäsche und Wirecard.

Wie würdest Du Deiner Großmutter bezahl.de erklären?
Bisher wurden Prozesse von der Rechnungsstellung bis zur Zuordnung von Zahlungseingängen in der Verwaltung nur durch viel Aufwand, d.h. durch manuelle Prozesse und Papierchaos gelöst. Das kostet Unternehmen viel Zeit und Geld und bietet auch KundInnen wenig Komfort in der Zahlungsabwicklung. Durch unser Produkt bezahl.de werden diese Abläufe erstmals ganzheitlich und aus einer Hand automatisiert und digital dargestellt. Das macht Unternehmen deutlich effizienter in den internen Prozessen, spart somit Kosten ein und ermöglicht gleichzeitig, dass KundInnen einfach, schnell und mit der Wahl der präferierten Bezahlmethode bezahlen können.

War dies von Anfang an euer Konzept?
Die Grundidee und das große Bild, was wir mit bezahl.de tun und lösen möchten, war uns relativ klar. Im ersten Schritt haben wir diese Ideen in zahlreichen Workshops mit dem Markt validiert und bezahl.de gemeinsam mit unseren zukünftigen KundInnen konzipiert. Spätestens als wir uns damals in die Buchhaltung eines Autohauses gesetzt und die zahlreichen manuellen Prozesse sowie Aktenordner voller Rechnungen und Kontoauszüge mit eigenen Augen gesehen haben, war uns klar, wo die zentralen Needs und Probleme liegen – und damit auch die Potenziale. Auf dem Weg identifiziert man aber natürlich immer weitere spannende und passende Themen für die Produktentwicklung, die dann stufenweise erfolgt. An einen automatisierten Geldwäschepräventions-Check als Feature für den KFZ-Verkauf haben wir z.B. sicherlich nicht schon zum Start gedacht. Auch die Idee für unser Selfservice Bezahlterminal – bezahl.de smartkasse – für den Werkstattbereich kam uns erst durch Learnings und Gespräche mit dem Markt und war nicht vom ersten Tag klar.

Wie genau funktioniert denn euer Geschäftsmodell?
Wir bieten für den Automotive-Bereich eine Komplettlösung an, die angefangen von der Zahlungsforderung über die Zahlungsabwicklung bis zur sauberen Verbuchung im bestehenden Finanzbuchhaltungssystem das Zahlungsmanagement automatisiert und digital abwickelt. Statt Insellösungen über manuelle Prozesse zu verbinden, haben wir so den gesamten Prozess zwischen HändlerInnen und DebitorInnen zu Ende gedacht und uns in die bestehende Systemwelt im Automotive Bereich angebunden. KundInnen erhalten – ob Sales oder After-Sales-Prozess –  ihre Forderung automatisiert zum Beispiel per E-Mail, und können dann zwischen verschiedenen Zahlungsarten auswählen. Die Zahlung kann online oder autark an einem POS-System – bei uns die bezahl.de smartkasse – direkt beim Autohaus erfolgen. Unabhängig der Zahlungsart ordnet bezahl.de jede Zahlung korrekt zu und stellt der Buchhaltung die Daten für die automatisierte Verbuchung zur Verfügung. Auf Wunsch kann zusätzlich u.a. auch noch ein automatisiertes Forderungsmanagement bei ausstehenden Zahlungen oder ein Geldwäschepräventions-Check zu gebucht werden. Wir verdienen hier sowohl an einer monatlichen Systemgebühr je angeschlossenen Autohaus-Standort sowie an Gebühren je Transaktion.

Wie ist überhaupt die Idee zu bezahl.de entstanden?
Mein Co-Founder Ulrich und ich hatten bereits vor der Gründung der NX Technologies Erfahrungen im Bereich Payment und Automotive und haben frühzeitig erkannt, dass die Probleme der Branche deutlich weitreichender waren als “nur” das Thema Bargeld. In Workshops mit verschiedenen Autohandelsgruppen haben wir uns zeigen lassen, wie die Prozesse rund um die Zahlung im Autohaus heute funktionieren und sofort begriffen, wie groß das Disruptionspotential mit Blick auf eine ganzheitliche B2B-Lösung für digitales Zahlungsmanagement ist. Das war sozusagen die Geburt von bezahl.de und der Überzeugung, dass wir hier einen neuen Standard im Automobilhandel setzen können.

Wie hat sich bezahl.de seit der Gründung entwickelt?
Wir haben unser Team von anfangs acht MitarbeiterInnen seit der Gründung im Sommer 2018 mittlerweile mehr als verzehnfacht – und sind dennoch “am Anfang” unserer Story und wachsen weiter stark. Den Umsatz konnten wir seither jedes Jahr mehr als verdreifachen und in den letzten 12 Monaten wurde über bezahl.de mehr als drei Milliarden Euro Plattformvolumen gemanagt.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Da fallen mir gleich drei Dinge ein, die in der Frühphase echte Herausforderungen waren, die wir meistern mussten. Zum einem war es die Insolvenz unseres damals größten Kunden – und das in einer sehr frühen Phase und zu einem Zeitpunkt, an dem wir richtig durchstarten wollten. Anschließend kam der Wirecard-Crash und der damit zusammenhängende Switch zu einer neuen Partnerbank in Höchstgeschwindigkeit. Das hat viele Nerven gekostet. Zusätzlich gab es dann noch dank der Chipkrise Probleme beim Roll-out im Werkstattbereich mit unserem Self-Service-Terminals, sodass wir zeitweise nicht das liefern konnten, was wir verkauft haben, weil es einen Mangel an Kartenlesern gab. Das tut natürlich immer doppelt weh. Trotz dieser Umstände in der Frühphase haben wir die Stolpersteine als großartige Teamleistung gemeistert und viel daraus gelernt.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?
Die Zusammenstellung eines tollen, hoch motivierten und heterogenen Teams ist uns sicherlich sehr gut gelungen. Wir schaffen es gemeinsam, den Fokus auf Kernthemen zu legen und lassen wenig Ablenkung zu. Zudem haben wir uns in der großen Branche Automotive sehr gut positionieren können. Wir haben uns trotz vieler Hürden in die bestehende Systemlandschaft integriert, früh starke Kooperationen mit den führenden Händlerverbänden von VW/Audi, Mercedes, uvm. geschlossen und kennen uns im Markt und seiner Spezifika bestens aus, sodass uns diese Situation einen Wettbewerbsvorteil verschafft.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründern mit auf den Weg?
Drei entscheidende Tipps: Fokus, Fokus und nochmal Fokus. Achtet darauf, dass Ihr das richtige Team aufstellt, wo ihr Euch und Eure Stärken ergänzt. Nur mit dem richtigen Team, viel Mut und Rückhalt könnt ihr das vermeintlich Unmögliche möglich machen. Und auch mal “Nein” sagen zu noch so spannenden Ideen, die Euch jedoch vom Kernvorhaben ablenken, gehört dazu und ist enorm wichtig.

Wo steht bezahl.de in einem Jahr?
Wir setzen ganz klar den neuen Standard für Zahlungsmanagement im deutschen Automotive-Bereich und nahezu alle der 100 größten Autohandelsgruppen haben sich für den Einsatz von bezahl.de entschieden. Wir haben unseren Plattformcharakter genutzt, um neue spannende Cross-Selling Produkte zu integrieren, die Mehrwert liefern und weitere Umsatzkanäle eröffnen. Zusätzlich konnten wir unsere Transaktionen weiter Monat zu Monat stark steigern und haben auch das Team auf über 150 MitarbeiterInnen verstärkt, um die dann nächsten großen Wachstumsschritte zu meistern.

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln werfen wir einen genaueren Blick auf das Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind dort die Voraussetzungen für Gründerinnen und Gründer, wie sieht es mit Investitionen aus und welche Startups machen gerade von sich reden? Mehr als 550 Startups haben Köln mittlerweile zu ihrer Basis gemacht. Mit zahlreichen potenziellen Investoren, Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents bietet Köln ein spannendes Umfeld für junge Unternehmen. Diese Rubrik wird unterstützt von der KölnBusiness Wirtschaftsförderung. #Koelnbusiness auf LinkedInFacebook und Instagram.

KoelnBusiness

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#aktuell, #bezahl-de, #fintech, #interview, #koln

#Interview – “Viele Startups messen ihrem Recruiting nicht genug Bedeutung bei”


Das junge FinTech Teylor, das 2018 von Patrick Stäuble in Zürich gegründet wurde, vermittelte zunächst Kredite an Mittelständler. Inzwischen bietet das Unternehmen seine Kredit-Technologie auch Banken an. Ilavska Vuillermoz, Weisshorn Asset und ehemalige Banker investierten zuletzt 6,5 Millionen Schweizer Franken in das Unternehmen. “Vor allem wollen wir das Geld nutzen, um in ganz Europa zu expandieren”, sagt Gründer Stäuble.

40 Mitarbeiter:innen arbeiten derzeit für Teylor. “2021 konnte Teylor den Umsatz pro Monat durchschnittlich um 30 % steigern und hat für das vierte Quartal 2021 den Break-Even erreicht. Wir haben Bankkunden aus der gesamten DACH-Region und erste Projekte außerhalb des DACH-Raumes. Über unsere Plattform haben wir 2021 ein Kreditvolumen von über zwei Milliarden Euro bearbeitet”, sagt Stäuble zum Stand der Dinge bei Teylor.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Teylor-Macher unter anderem über Technologien, Aufholbedarf und Feedback.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Teylor erklären?
Meine Großmutter kennt noch die Zeit, in der es weder Computer noch das Internet gab. Für einen Kreditantrag musste man zum Bankgespräch und stapelweise Papierkram ausfüllen. Trotz der Digitalisierung in vielen anderen Bereichen ist das im Firmenkundengeschäft heute in vielen Banken immer noch so. Deshalb haben wir eine Software entwickelt, die KMU-Kreditprozesse digitalisiert und automatisiert. Diese nutzen wir, um schnell und unkompliziert über eine digitale Plattform Kredite zu vergeben. Wir stellen die Software außerdem Banken zur Verfügung, um deren Kreditprozesse zu digitalisieren.

War dies von Anfang an euer Konzept, oder hat sich euer Modell seit dem Start irgendwie verändert?
2018 haben wir Teylor zunächst als reine Kreditplattform gegründet. Diese war schnell sehr erfolgreich und wir bekamen Anfragen von Banken, die an unserer Technologie interessiert waren. Anschließend haben wir unsere SaaS-Lösungen entwickelt und auf den Markt gebracht. Da wir über kostengünstige und effiziente digitale Kanäle Zugang zu einer umfangreichen Pipeline an qualitativ hochwertigen Kreditnehmern haben, konnten wir zudem das Interesse verschiedener Debt-Investoren wecken. Seit der Gründung hat sich die Teylor-Plattform somit zu einer ganzheitlichen Lösung für alle Stakeholder des KMU-Kreditmarktes entwickelt.

Ihr konntet kürzlich 6,5 Millionen Schweizer Franken einsammeln. Wofür braucht ihr das Geld?
Vor allem wollen wir das Geld nutzen, um in ganz Europa zu expandieren. Wir haben bereits mehrfache Anfragen von europäischen Banken und sind mit einigen davon schon in fortgeschrittenen Verhandlungen. Außerdem wollen wir einen Teil der Finanzierung in die Weiterentwicklung unserer Tech-Plattform investieren.

Wie ist ist denn die Schweizer Sicht auf die deutsche FinTech- und Startup-Welt?
Im Vergleich zur Schweiz ist die deutsche Szene viel größer. Derzeit tut sich viel im deutschen Markt, vor allem in der Berliner Start-up-Szene. Mit Blick auf die Finanzindustrie sehe ich nach wie vor einen hohen Aufholbedarf bei deutschen Banken, was Möglichkeiten für FinTechs schafft. Außerdem sind deutsche Finanzinstitute auch sehr offen für eine Zusammenarbeit.

Wie genau funktioniert denn euer Geschäftsmodell?
Die Teylor-Plattform ist das Bindeglied zwischen KMU, Banken und Debt-Investoren. Wir bieten KMU eine schnelle, unkomplizierte Online-Finanzierung während wir Banken Software-as-a-Service-Lösungen zur Digitalisierung ihrer Kreditprozesse zur Verfügung stellen. Zudem bekommen Debt-Investoren über unseren Kreditfonds einfachen Zugang zu unserer KMU-Kreditpipeline und profitieren von unseren digitalen Vertriebskanälen und Risiko-Tools. Mit diesem Ansatz lösen wir das strukturelle Ertragsproblem des KMU-Kreditmarkts nicht nur teilweise, sondern ganzheitlich für alle involvierten Stakeholder. Unser Vorteil dabei ist, dass wir drei unterschiedliche Ertragsquellen haben und Synergien im Finanzierungs- und Softwaregeschäft nutzen können. Wir haben somit einen enormen Wettbewerbsvorteil. Denn die meisten Fintechs machen nur Tech und die meisten Finanzierungsunternehmen nur Finanzierung. Wir machen beides.

Wie ist überhaupt die Idee zu Teylor entstanden?
Vor Teylor habe ich zunächst als Produktmanager und anschließend als Head of Business Development bei einem Zürcher Fintech gearbeitet. Während dieser Zeit stand ich im Austausch mit vielen Banken und mir fiel auf, dass es im Privatkundengeschäft vonseiten der Banken bereits umfangreiche digitale Angebote gibt. Der KMU-Markt wurde jedoch komplett vernachlässigt. Dieses Problem wollte ich mit Teylor lösen. Später wurde uns bewusst, dass die mangelnde Digitalisierung nicht nur ein Problem für KMU ist, sondern auch für Banken und Kapitalgeber. Deshalb sind nach dem Launch der Kreditplattform später die Softwaresparte und der Kreditfonds entstanden.

Wie hat sich Dein Teylor seit der Gründung entwickelt?
2018 habe ich Teylor alleine gestartet und dann die ersten zwei Mitarbeiter eingestellt. Inzwischen besteht das Team aus 40 Mitgliedern. Wir suchen auch weiterhin nach Verstärkung, denn wir verzeichnen starkes Wachstum. 2021 konnte Teylor den Umsatz pro Monat durchschnittlich um 30 % steigern und hat für das vierte Quartal 2021 den Break-Even erreicht. Wir haben Bankkunden aus der gesamten DACH-Region und erste Projekte außerhalb des DACH-Raumes. Über unsere Plattform haben wir 2021 ein Kreditvolumen von über zwei Milliarden Euro bearbeitet.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Bislang ist eigentlich nichts so richtig schief gelaufen. Natürlich hat COVID auch unser Kreditgeschäft eingetrübt – so wie bei allen anderen Kreditplattformen und Banken – aber das konnten wir durch das starke Wachstum im Softwaregeschäft mehr als ausgleichen. Was für uns, wie sicherlich auch für die meisten Startups, zeitweilig herausfordernd war, ist die richtigen Leute für das Team zu finden. Mittlerweile gelingt uns das ganz gut, da wir im Markt einen gewissen Bekanntheitsgrad haben und wir sowohl in den Junior-Positionen als auch für das Senior Management sehr gute Kandidaten finden.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?
Wir haben sehr gut und schnell auf die Anforderungen des Marktes reagiert. Wir haben von Anfang an den Ansatz verfolgt, unsere Lösungen schnell auf den Markt zu bringen, um schnell Feedback zu bekommen und dieses dann auch zügig umzusetzen. Daraus sind neue Produkte entstanden wie etwa unser SaaS-Geschäft und der Kreditfonds. Aber auch die bestehenden Lösungen entwickeln wir konstant weiter basierend auf dem Feedback unserer Kunden. Aufgrund dieses agilen Ansatzes ist es uns gelungen, das am Markt führende Angebot zu entwickeln und uns von der Konkurrenz abzusetzen.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründern mit auf den Weg?
Hört auf eure Kunden! Statt de facto ein Produkt für sich selbst zu entwickeln, sollte man so schnell wie möglich an den Markt, um Feedback zu bekommen. Das ist entscheidend. Außerdem ist das Team enorm wichtig. Das klingt nach einer Binsenweisheit, aber ich sehe viele Startups, die ihrem Recruiting nicht genug Bedeutung beimessen. Dabei kann man mit dem richtigen Team jede Herausforderung meistern.

Wo steht Teylor in einem Jahr?
Wir wollen in diesem Jahr weiter aggressiv wachsen. Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Unser Ziel ist es, die europaweit führende KMU-Kreditplattform zu werden. Außerdem wollen wir die Plattform weiter ausbauen und weitere Softwaremodule entwickeln. In einem Jahr wird keine Bank, keine KMU und kein Finanzierer mehr an Teylor vorbeikommen.

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Foto (oben): Teylor

 

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#Interview – “Überlegt Euch, ob und wenn ja welchen Investor ihr an Eurer Seite seht”


Auch in der elften Staffel der Vox-Gründer-Show “Die Höhle der Löwen” treten wieder etliche Gründerinnen und Gründer vor die Jury. In der siebten Folge der aktuellen Staffel sind unter anderem Claudia und Leslie Eckert, die Gründerinnen von VapoWesp, dabei. Im Interview mit deutsche-startups.de stellen die Jungunternehmerinnen ihr Unternehmen einmal ganz kurz vor.

Welches Problem möchtet Ihr mit VapoWesp lösen?
Wir ermöglichen, Wespen auf natürliche Weise zu vertreiben und bieten Menschen damit ungestörte wespenfreie Momente im Freien. Wir möchten eine umwelt- und insektenfreundliche Alternative zu den bisher am Markt erhältlichen Produkten bieten.

Warum habt Ihr Euch entschieden, bei “Die Höhle der Löwen” mitzumachen?
Wir wollten einen starken Partner als Investor gewinnen, der mit uns das Produkt verbessert und am Markt platzieren kann.

Wie nervös wart Ihr kurz vor Eurem TV-Pitch?
Nervös waren wir nicht, aber uns war klar, dass wir „abliefern“ müssen. Es war eine positive Anspannung und wir wollten unser Produkt und uns als Gründer:innen gut präsentieren. Fokussiert zu sein hilft dabei, alles andere auszublenden und es war für uns beide schön, dass wir das gemeinsam erleben durften.

Euer Tipp an andere Gründer:innen, die mit einem Auftritt bei “Die Höhle der Löwen” liebäugeln?
Überlegt Euch, ob und wenn ja welchen Investor ihr an Eurer Seite seht. Legt Euch nicht zu fest – seid offen für alle Möglichkeiten. Lasst einen Deal nicht an der Vergabe von Prozenten scheitern – ein Löwe kann Eurem Unternehmen einen sehr großen Mehrwert schenken. Glaubt an Euch, habt Spaß und bleibt authentisch.

Wo steht VapoWesp in einem Jahr?
Unternehmerisch auf stabilen Beinen mit der Möglichkeit, weitere nachhaltige Produkte für Haus & Garten zu entwickeln.

Tipp: Alles über die Vox-Gründer-Show gibt es in unserer DHDL-Rubrik.

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Foto (oben):  TVNOW / Bernd-Michael Maurer

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#Interview – Saiga und “die Bürokratie des Privatlebens”


Das junge Startup Saiga, das von Karl Moritz Hermann (zuletzt DeepMind), Sophia Höfling und Michael Fialik gegründet wurde, kümmert sich um die Bürokratie des Privatlebens. “Wir wollen zu einer Welt beitragen, in der Menschen ihre Zeit den Dingen widmen können, die ihnen wichtig sind. Studien zeigen, dass wir im Durchschnitt eine Stunde am Tag mit persönlicher Admin-Arbeit verbringen – diese Stunde wollen wir unseren Kunden weitestgehend zurückgeben”, sagt Gründer Hermann.

Schon vor dem Start investierten Mosaic Ventures und Seedcamp sowie Business Angels wie Michael Brehm, Nikita Fahrenholz, Charles Songhurst in das junge Unternehmen. 35 Mitarbeiter:innen wirken bereits für Saiga. Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Saiga-Macher das Konzept hinter dem Unternehmen einmal ganz genau vor.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Saiga erklären?
Wir bieten einen Service an, der Menschen den ganzen Adminkram im Privatleben abnimmt. Strom- und Gasverträge verwalten, Behördengänge vorbereiten, Kindergeld beantragen, Reisen buchen und Strafzettel bezahlen – das ganze Zeugs eben, das jeder machen muss, aber keinem wirklich Spaß macht. Das alles funktioniert durch Menschen, die diese Arbeit bei uns machen, und Computersysteme, die die repetitiven Aufgaben automatisch übernehmen.

Welches Problem genau wollt Ihr mit Saiga lösen?
“Life Admin” – die Bürokratie des Privatlebens. Wir wollen zu einer Welt beitragen, in der Menschen ihre Zeit den Dingen widmen können, die ihnen wichtig sind. Studien zeigen, dass wir im Durchschnitt eine Stunde am Tag mit persönlicher Admin-Arbeit verbringen – diese Stunde wollen wir unseren Kunden weitestgehend zurückgeben.

Wie ist die Idee zu Saiga entstanden?
Die Idee an sich ist ja nicht neu. Private Assistenten gibt es schon lange, nur sind die in der Regel einer sehr, sehr kleinen Bevölkerungsschicht vorbehalten. Mir kam die Idee 2018, als ich für DeepMind von London nach Berlin gezogen bin, um hier das DeepMind Büro zu eröffnen. Wir haben drei Kinder, mussten also Kita und Schule organisieren, durch den Umzug und schlechte Planung meinerseits mussten wir in dem Jahr in vier Ländern Steuererklärungen machen, und nachdem meine Frau Französin ist und zu dem Zeitpunkt noch nicht fließend Deutsch sprach, blieb wirklich alle Bürokratie an mir hängen. Ist eine Mega Pain! Gespräche mit Freunden in Berlin zeigten: das Problem hat jeder. Seien es Expats, die bei jedem Behördenbrief Panik bekommen; Gründer, die sich mit GEZ und der Admin Rund um ihre Holding UG rumschlagen, Eltern, oder Arbeitslose. Jede Lebenssituation bringt einen Stapel Admin mit sich, und wenn wir da etwas gegen unternehmen können wäre ja viel gewonnen.

Wie wollt Ihr Geld verdienen, also wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?
Unser Geschäftsmodell ist sehr simpel: Kunden zahlen für unseren Service durch eine Subscription und variable Gebühren für besonders komplexe Admin-Themen. Es war uns sehr wichtig das so zu konzipieren. Dadurch haben wir “aligned incentives” mit unseren Kunden: wir verdienen kein Geld über Kommissionen oder ähnliches; dadurch glauben uns unsere Kunden auch mehr, wenn wir ihnen Themen oder Verträge vorschlagen. Durch die, nicht ganz günstige, Subscription ist auch klar, dass wir für ernsthafte Themen herangezogen werden. Weniger Pizza und Luftballons bestellen; mehr Aufenthaltsgenehmigungen organisieren, Pässe beantragen, und Verträge und Versicherungen managen.

Wo steht Saiga in einem Jahr?
Wir setzen 2022 unseren Fokus auf die Automatisierung der größten und häufigsten Adminprozesse. Unsere Hoffnung ist, dass wir Ende des Jahres eine zweite Version unseres Services launchen können – mit weniger manueller Intervention unsererseits, und dadurch Saiga einer noch breiteren Zielgruppe zur Verfügung stellen können.

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Foto (oben): Saiga

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#Interview – “Auf das höchste Hoch folgt ganz oft das tiefste Tief”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Hannes Tronsberg, Gründer von future demand. Das Berliner Startup positioniert sich als “Marketing- und KYC-Plattform für Live-Entertainment- und Sport-Veranstalter”.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Ohne Kaffee geht bei mir erstmal gar nichts. Wenn ich in Berlin bin, gehört der Morgen meiner Familie und ich bringe unseren älteren Sohn auf dem Weg ins Büro in die Kita.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Familie oder Musik. Nach Hause zu kommen und erstmal mit dem Bau eines Lego-Flughafens beauftragt zu werden, lenkt ausgezeichnet von den Startup-Herausforderungen ab.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Welche emotionalen Extrempunkte man in kürzester Zeit durchleben kann. Innerhalb von zwei Minuten kommen die Zusage eines strategisch relevanten großen Kunden UND die Kündigung einer wichtigen Mitarbeiterin. Auf das höchste Hoch folgt ganz oft das tiefste Tief. Das kann einen manchmal ganz schön mitnehmen.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Kunden und potentielle Investoren zu überzeugen, dass der Markt reif für tiefgreifenden Wandel ist. Marketing für Konzerte, Shows und Sportevents ist immer noch extrem offline-getrieben. Für uns heißt das, dass wir uns auf die Begleitung von Veranstaltern auf dem Weg zu innovativen und digitalem Marketing fokussieren. Dass der Markt dafür reif ist, hat am Anfang nicht jeder sofort geglaubt.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Vermutlich gibt es nicht den einen. Ich habe in den letzten drei Jahren so viele Fehler gemacht wie nie zuvor. Vieles ist für mich einfach neu. Aber gleichzeitig sind es die Fehler, die uns besser und schneller machen – solange wir nicht immer die gleichen Fehler wiederholen. Ich hoffe, das passiert mir nicht allzu häufig.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Neben klassischen Jobportalen und Active Sourcing finden rund 20 Prozent der Mitarbeitenden auf Empfehlungen aus dem Team heraus zu uns. Darüber freuen wir uns sehr – und fördern das auch mit Erfolgsprämien!

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?
Der eigenen Intuition zu vertrauen und das Branchenverständnis nicht zu unterschätzen – gerade im Kontext von Softwareentwicklung. Diverse Teams können das am besten sicherstellen. Ein Software Engineer kennt das Business-Modell eines Veranstalters zum Beispiel nicht so gut, dann muss er ein Teammitglied haben, der oder die das ausgleicht und beide müssen fortlaufend gemeinsam an einem Feature arbeiten.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Ohne Twitter würde future demand nicht existieren und sich inhaltlich nicht so weiterentwickeln, wie es der Fall ist. Das ist für mich die mit Abstand wichtigste Informations- und Inspirationsquelle – egal ob für Sales, Product oder die Talent Acquisition…

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Wir planen zum Beispiel monatliche Team-Events wie Konzertbesuche, Backstage-Führungen in der Oper oder Privatkonzerte im Büro. Was uns auch wichtig ist, ist eine offene Feedbackkultur und wir legen Wert auf eine harmonische Teamzusammenstellung. Für ein besseres Büroklima haben wir eine Spotify Office-Playliste, in die jeder und jede die eigenen Lieblingslieder einfügen kann. Aber auch kontinuierliche Entwicklungsmöglichkeiten und monatliche Learning-Budget für jeden sind wichtige Bausteine.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Weil wir in der Regel über größere Volumen mit Kunden sprechen, sind ein Vor-Ort-Besuch und ein persönliches Kennenlernen oftmals erfolgsentscheidend. Mein Reisepensum ist entsprechend enorm: Dieses Jahr war ich an 50 Prozent der Tage nicht in Berlin, sondern in der ganzen Welt unterwegs und bin rechnerisch zweimal um den Globus geflogen. Das können dann auch mal 11 Städte und vier Ländern innerhalb von fünf oder sechs Tagen sein.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): future demand

#aktuell, #berlin, #future-demand, #grunderalltag, #interview

#Interview – “Gerade Lebensmittel unterliegen einer sehr subjektiven Beurteilung”


Auch in der elften Staffel der Vox-Gründer-Show “Die Höhle der Löwen” treten wieder etliche Gründerinnen und Gründer vor die Jury. In der sechsten Folge der aktuellen Staffel ist unter anderem Torsten Schuh, Gründer von Hans Ranke, dabei. Im Interview mit deutsche-startups.de stellt der Jungunternehmer das Unternehmen einmal ganz kurz vor.

Welches Problem möchtest Du mit Hans Ranke lösen?
Gute und fleischfreie Ernährung soll für jeden Menschen einfach und abwechslungsreich sein. Wir möchten mit Hans Ranke gute Lebensmittel bieten, die einfach in der Zubereitung sind und jederzeit zur Verfügung stehen. Dabei ist uns natürlicher Geschmack ebenso wichtig wie gute Qualität. Hans Ranke ist einfach, schnell, lecker und vegan. Die Kund:innen bekommen 100 % natürlichen Geschmack und ihr Essen ist in nur etwa drei Minuten zubereitet! Alles was man zur Zubereitung benötigt, ist kochendes Wasser. Unser Couscous aus roten Linsen und Kichererbsen versorgt einen mit Proteinen, Ballaststoffen und hochwertigen Kohlenhydraten. Unser Gericht bieten wir in den drei Sorten Mediterran, Mango-Curry und Steinpilz-Chili an. Unsere Sorten bestehen nur aus natürlichen BIO-Zutaten. Zusätze wie Geschmacksverstärker oder Konservierungsstoffe geben wir ihnen nicht bei.

Warum hast Du Dich entschieden, bei “Die Höhle der Löwen” mitzumachen?
Ich war schon immer vom Sendungsformat der Vox-Gründer-Show “Die Höhle der Löwen” begeistert. Die eigene Idee einer Auswahl von hochkarätigen Investoren präsentieren zu können und im gleichen Zuge ein Millionenpublikum zu erreichen, stellt eine der größten Chancen für ein junges Unternehmen dar.

Wie nervös warst Du kurz vor Deinem TV-Pitch?
Ich hatte zwar durch kleine Testverkäufe nur geringe Erfahrung am Markt, aber war durch den Zuspruch während der erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne von der Relevanz am Markt überzeugt und stand selbstbewusst hinter meinem Produkt. Dies gab mir auch Selbstbewusstsein für den Pitch. Dennoch entsteht natürlich ein großes Fragezeichen zu den Reaktionen der Löwen und zum Ausgang des Pitches. Gerade Lebensmittel unterliegen einer sehr subjektiven Beurteilung, den Geschmack einer Person kann man durch objektive Fakten nicht ändern. Ich habe aber stets die Einstellung, dass alles eine gute Wendung nehmen wird, war daher zuversichtlich und weniger nervös als ich vorab gedacht habe.

Dein Tipp an andere Gründer:innen, die mit einem Auftritt bei “Die Höhle der Löwen” liebäugeln?
Traut euch! Ich glaube man überlegt häufig zu lange, ob man etwas machen soll oder nicht. Und sofern die Bewerbung erfolgreich war, ist eine gute Vorbereitung alles. Während des Pitches bekommen die Löwen und die Zuschauer:innen einen ersten Eindruck. Und wenn der erste Eindruck negativ ist, wird es im späteren Verlauf schwierig, erfolgreich zu sein. Aber auch für den zweiten Part der Show – die Verhandlungen – muss man gut vorbereitet sein und die eigenen Zahlen kennen. Außerdem sollte man offen auf Kritik reagieren und auf diese eingehen, statt sie abzuwehren oder in eine defensive und rechtfertigende Haltung zu gehen.

Wo steht Hans Ranke in einem Jahr?
Ich möchte Hans Ranke zu einer bekannten Marke machen und das Produktportfolio ausweiten. Mein Ziel ist es, dass Hans Ranke sich in den deutschen Supermärkten etabliert hat und es den Kund:innen als gutes, schnelles und leckeres Gericht bekannt ist. Damit einhergehend würde ich gerne das Produktportfolio ausweiten, um den Kund:innen mehr Abwechslung bieten zu können.

Tipp: Alles über die Vox-Gründer-Show gibt es in unserer DHDL-Rubrik.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben):  TVNOW / Bernd-Michael Maurer

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#Interview – “Ein Unternehmen zu starten oder zu finanzieren, ist nie einfach”


Das Berliner FinTech Ride, das von Christine Kiefer (BillPay, Pair Finance) und Felix Schulte gegründet wurde, möchte “Finanzprodukte und die Vermögensstrukturierung demokratisieren”. Ride sieht sich dabei das “das erste Fintech, das sich auf die echte Rendite, nach Steuern und Kosten, konzentriert”. Der amerikanische Geldgeber Social Starts und Business Angels wie Norbert Neef sowie das Family Office von Raoul Heraeus investierten bereits 1,5 Millionen Euro in Ride. Insgesamt sammelte das Startup bereits 5 Millionen ein.

“Ein Unternehmen zu starten oder zu finanzieren, ist nie einfach”, sagt Unternehmerin und Seriengründerin Kiefer. “Ich würde mich selbst als gute Netzwerkerin beschreiben, was in der Start-up-Szene und generell im Berufsleben immer von Vorteil ist. Darum kann ich Gründern nur ans Herz legen, sich ein solides Netzwerk aufzubauen, um sich auszutauschen”, sagt die Ride-Macherin. Im Interview mit deutsche-startups.de stellt sie ihr Unternehmen einmal ganz ausführlich vor.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Ride erklären?
Oma, hohe Steuern hindern Anleger daran, Vermögen aufzubauen. Wir ermöglichen ihnen durch das Gründen einer Firma Steuern zu sparen. Dadurch, dass sie Steuern sparen, haben sie wiederum mehr Geld zum Investieren. So können sie schneller Vermögen aufbauen und finanziell unabhängig werden. Wir reduzieren den gesamten Verwaltungsaufwand für Anleger und Steuerberater. Das machen wir mit unserer eigenen Software. Das spart Kosten und Zeit. So haben unsere Kunden und unsere Partner mehr Kapazitäten. Außerdem sind wir bei unseren Preisen transparent: Kunden wissen bei uns ganz genau, welche Preise unsere Dienstleistungen haben.

Welches Problem genau wollt Ihr mit Ride lösen?
Unser Ziel ist es, bessere Lösungen bereitzustellen, mit denen Anleger effizienter Vermögen aufbauen und strukturieren können. Solche Lösungen sind eigentlich Vermögenden mit einem Portfolio ab 5 Millionen Euro vorbehalten. Das möchten wir bei Ride ändern und machen unsere Services Kunden mit einem Portfoliovolumen ab 100.000 Euro zugänglich. Beispielsweise: Statt 26,375 % Steuern auf Veräußerungsgewinne von Aktien zu bezahlen, zahlen Anleger in einer Kapitalgesellschaft lediglich 1,54 % Steuern.
Wir begründen mit Ride eine neue Kategorie des Investierens: den „low-tax investing“-Ansatz.

Wie wollt Ihr Geld verdienen, also wie genau funktioniert Euer Geschäftsmodell?
Ride bietet die Gründung und die ganzheitliche Verwaltung von GmbHs als softwarebasierte Services an. Das erledigen wir mit zwei Produkten: Einerseits dem Gründungs-Service, bei dem alle Prozesse zur GmbH-Gründung digitalisiert und weitestgehend automatisiert sind. Dafür zahlen Kunden eine einmalige Gebühr. Für die Verwaltung greifen wir andererseits auf unseren Admin-Service zurück. Unser dritter Service ist die sogenannte Wertpapierverbuchung, kurz WePa genannt. Die Gebühren für den Wertpapierverbuchungs- und den Admin-Service werden einmal im Quartal fällig. Wir haben eine Software entwickelt, mit der Wertpapiere automatisch verbucht werden. Anschließend erstellen unsere Partner-Steuerberater den Jahresabschluss im Einklang mit steuer- und handelsrechtlichen Vorschriften. Durch die automatisierte Wertpapierverbuchung reduzieren wir den Arbeitsaufwand und die Kosten um ein Vielfaches. Außerdem bieten wir diese Software externen Steuerberatern an, um auch ihnen die Buchhaltung zu erleichtern.

Wie ist die Idee zu Ride entstanden?
Wer Vermögen aufbaut, baut zum einen Sicherheit und zum anderen Freiheit auf. Das haben mein Mitgründer Felix Schulte und ich immer für sehr wichtig gehalten. Vermögensaufbau ist allerdings gar nicht so einfach, weil die finanzielle Bildung in Deutschland zu kurz kommt. Es genügt ein Blick in aktuelle Umfragen: Da liest man oft, dass privat gar nicht vorgesorgt wird. Wenn Freunde allerdings ein Depot haben und sich über ihre Buchgewinne freuen, möchte ich am liebsten sagen: „Vergesst nicht, dass davon noch 26,375 % Kapitalertragsteuer abgezogen werden“. Letztendlich kommt für mich nicht nur die Finanzbildung zu kurz, auch beim Wissen über Steuern sehe ich in Deutschland Nachholbedarf.
Darum haben wir bei Ride einen klaren Fokus: Wir konzentrieren uns auf die echte Rendite, nach Steuern und nach Kosten. Dabei sind gerade Steuern der größte Kostenfaktor, den Menschen haben, vor Ausgaben für Lebensmittel, für die Wohnung oder für ein Auto. Eine GmbH schafft es Steuern zu reduzieren und vom Prinzip her wie eine Spardose zu sein, über die man Vermögen aufbauen kann. Felix und ich haben mit befreundeten Unternehmern einige Immobilien-Club-Deals aufgesetzt. Dabei hat Felix allen Beteiligten geraten, ihre Anteile in einer vermögensverwaltenden GmbH zu halten. Nur wusste keiner von ihnen, wie man so eine Kapitalgesellschaft erfolgsversprechend konzipiert. Felix verbrachte dann Tag und Nacht damit, alle über WhatsApp bei der Gründung zu unterstützen. Innerhalb von ein paar Wochen war er an der Gründung von acht GmbHs beteiligt. Ich sah da allerhand Optimierungsbedarf und schlug Felix vor, dass wir das mit einer Software beheben können. So ist die Idee zu Ride entstanden.

Zum Start habt ihr bereits 1,5 Millionen Euro eingesammelt. Wie habt ihr eure Investoren gefunden?
Richtig, zum Start haben wir 1,5 Millionen Euro eingesammelt. Insgesamt haben wir schon 5 Millionen Euro Funding. Dabei hat uns unser gutes Netzwerk sehr geholfen. Die ersten Angel-Investoren kamen aus unserem engeren Umfeld. So war ich Stipendiatin der Stiftung der Deutschen Wirtschaft, über die ich Jens Lapinski kannte, und auch mein ehemaliger Chef von Goldman Sachs hat investiert.

Du bist jetzt schon seit über 10 Jahren in der Fintech-Szene unterwegs. Ist es für Dich dadurch einfacher, ein Unternehmen zu starten oder zu finanzieren?
Ein Unternehmen zu starten oder zu finanzieren, ist nie einfach. Ob ich dadurch einen Vorteil habe? Sicherlich! Ich würde mich selbst als gute Netzwerkerin beschreiben, was in der Start-up-Szene und generell im Berufsleben immer von Vorteil ist. Darum kann ich Gründern nur ans Herz legen, sich ein solides Netzwerk aufzubauen, um sich auszutauschen. Ich habe BillPay als Geschäftsführerin und Pair Finance als Gründerin und auch Geschäftsführerin mit aufgebaut. Von diesen Erfahrungen profitiere ich beim Aufbau von Ride. Außerdem empfehle ich, sich mindestens eine Mitgründerin oder einen Mitgründer zu suchen. Man gibt sich gegenseitig Halt, unterstützt sich und kann zusammen Erfolge feiern.

Gerade in der FinTech-Szene gab es zuletzt eine Millionenfinanzierung nach der anderen. Was ist Deine Sicht auf diese absolute Hochphase?
Wir haben es zwar schon zig Mal gehört, aber Corona hat die Digitalisierung nach vorne gepeitscht. Besonders in die FinTech-Szene ist viel Geld geflossen. Diese Hochphase mit den Millionenfinanzierungen hat für immer größere Schlagzeilen gesorgt. Da die Aktienmärkte aufgrund des Ukrainekriegs eingebrochen sind, wird sich die damit verbundene Unsicherheit wahrscheinlich auch in den Finanzierungsrunden niederschlagen. Ich denke, dass die Bewertungen vor allem in späteren Runden sinken werden. Für junge Start-ups mit einem soliden Business-Modell und Product-Market-Fit sollte es aber nach wie vor kein Problem sein, Funding aufzunehmen, da das Kapital im Markt platziert werden muss.

Es entstehen zudem immer mehr neue FinTechs. Ist denn überhaupt noch Platz für weitere Finanzangebote?
Ja, auf jeden Fall. Die FinTech-Welt erfindet sich immer wieder neu. Wir befinden uns im Zeitalter der digitalen Transformation und die Finanzindustrie steckt bereits inmitten eines unaufhaltsamen Wandels. Das bedarf stetig innovativer, effizienter und zukunftsfähiger Lösungen – die eben ältere, ineffiziente und teurere Alternativen ablösen. Gerade im Bereich Steuern und im Bereich des Private Banking, also dem Banking für wohlhabendere Kunden, sehe ich noch jede Menge Optimierungspotential.

Du bist seit einigen Jahren auch mit dem Netzwerk Fintech Ladies aktiv. Wie kann die Szene für Gründerinnen noch attraktiver werden?
Das wird sie bereits – wir können eine stetig wachsende Zahl an Fintech-Gründerinnen verzeichnen, und zusammen mit Jessica Holzbach von Penta haben wir kürzlich das erste Fintech-Gründerinnen-Dinner veranstaltet. Vor ein paar Jahren wäre dies gar nicht möglich gewesen. Trotzdem ist der Anteil an Fintech-Gründerinnen im Vergleich noch gering. Wir brauchen vor allem mehr Kapital für von Frauen gegründete Ventures, egal ob Fintech oder nicht. Aber damit das Kapital fließt, brauchen wir auch mehr Investorinnen. Ich bin seit Anfang des Jahres auch als Venture Partner bei Angel Invest tätig und hoffe, meinen Teil dazu beitragen zu können.

Wo steht Ride in einem Jahr?
Wir sind Anfang dieses Jahres stark gewachsen, beschäftigen derzeit 50 Mitarbeiter. Wir haben mittlerweile über 1.000 Kunden und haben mehr als 200 Millionen Euro Vermögen unter Administration. Bisher haben wir uns hauptsächlich dem Thema Steuern gewidmet. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, unser Serviceangebot zu erweitern. In diesem Jahr liegt der Fokus darauf, dem Kunden mehr Möglichkeiten beim Investieren zu geben und das Traden noch einfacher zu gestalten. Bis Ende des Jahres werden wir verschiedene Angebote entwickeln, die speziell auf GmbHs ausgerichtet sind.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Ride / Nobusama Fotografie

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#Interview – “Meine Missgeschicke sind ohne größere Folgen geblieben”


Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Luwam Tecle-Debesay, Gründerin von Die Backhelden. Das Frankfurter Startup bezeichnet sich selbst als “Hellofresh für Backen”.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Mit zwei kleinen Kindern definitiv nicht ruhig. Um 6:30 Uhr sind bei uns alle wach. Den Großteil der Morgenschicht übernimmt mein Mann. In der Regel setz ich mich um 8.00 Uhr an den Schreibtisch – manchmal auch früher. Je nachdem wie der Morgen es erlaubt. Die ersten 30 Minuten eines Arbeitstages nutze ich meist, um meine Ziele für den Tag zu definieren und mir einen Überblick über alle anstehenden Aufgaben und Termine zu verschaffen. Anschließend geht es direkt los. Dabei versuche ich mir die erste Tageshälfte meetingfrei zu gestalten, so dass ich wirklich fokussiert arbeiten kann. Gerade wenn es darum geht kreativ zu arbeiten wie zum Beispiel bei der Gestaltung von Creatives oder Content brauche ich Ruhe. Was mir hierbei hilft, ist der Fokusmode auf meinem iPhone. Dort lassen sich bequem alle Benachrichtigungen steuern bzw. blockieren. Meetings mit Kollegen und Partnern sind dann meist am Nachmittag dran. Pausen werden gemacht, wenn es dann gerade mal reinpasst. Um 15:30 Uhr ist dann erstmal Schluss. Ich hole die Kinder von der Kita ab. Es wird gespielt, gehaushaltet und Abendbrot gegessen. Gegen 19:30 Uhr sind die Kinder im Bett. Ab 19:30 Uhr setze ich mich dann meistens nochmal für zwei bis drei Stunden an den Schreibtisch.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Um ehrlich zu sein, ist das bis heute meine größte Herausforderung. Es gibt immer was zu tun und ich muss mich tatsächlich zwingen komplett abzuschalten. Klappt mal gut, mal nicht so gut. Wenn ich es aber schaffe, dann meist mit einem guten Podcast oder Youtube. Ich gehe auch sehr gerne spazieren, um den Kopf freizukriegen. 

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Das es ein ständiges Auf und Ab der Gefühle sein kann und man davon unbeeindruckt fokussiert an seinen Zielen arbeiten muss. Die Balance zwischen Beharrlichkeit und dynamisch auf neue Gegebenheiten zu reagieren ist auch etwas was ich lernen musste. Auch hätte ich nicht gedacht, dass der bürokratische Aufwand dann doch nicht ganz zu unterschätzen ist. 

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Definitiv, Kinder und die Gründung zusammen unter einen Hut zu bringen. Die Idee zur Gründung kam mir ja während der Elternzeit meines zweiten Kindes. Das heißt es war gerade in der Anfangszeit ohne richtiges Team und Strukturen – ein riesengroßer Kraftakt. Jede Schlafpause meines Jüngsten habe ich genutzt um mich gefühlt in tausend Themen einzuarbeiten. Ich bin meiner Familie echt dankbar, dass sie mir in dieser Zeit den Rücken gestärkt hat. Ansonsten ist das Gründen ein ständiges Überspringen von Hürden auf dem Weg zum Ziel.  

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Ich muss gestehen, dass ich von Buchhaltung am Anfang wenig Ahnung hatte, auch hatten wir keinen Steuerberater. Dementsprechend lief am Anfang in der  Buchhaltung einiges schief. Außerdem habe ich das Lagermonitoring auch eher stiefmütterlich behandelt, sodass wir mehrmals Out of Stock gegangen sind.  Ärgerlich, aber man lernt draus. Mittlerweile haben wir richtig gute Leute im Team, die um Finanzen und Logistik etc.  kümmern. Unsere Finanzen und Operations haben wir seither super im Griff. Meine Missgeschicke sind glücklicherweise ohne größere Folgen geblieben.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
In der Anfangszeit haben wir einige Mitarbeiter aus dem Bekannten- und Freundeskreis rekrutieren können. Vorteil: Man kennt sich und kann die Person sehr gut einschätzen. Nachteil: Es ist ein gewisser Balanceakt zwischen Freundschaft und Arbeit. In der zweiten Phase haben wir mit den klassischen Jobportalen, aber auch über Linkedin gute Erfahrungen gemacht. Recruiting ist einer der Dinge, die wir zu Beginn unterschätzt haben. Unser Glück war einfach das große Netzwerk meines Bruders. Mein Learning für das Recruiting: Lieber länger auf den richtigen Mitarbeiter warten, als sich vorschnell mit der erstbesten Lösung zufrieden zugeben. 

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen? 
Man macht schon sehr vieles richtig, wenn man überhaupt erstmal anfängt. Bei mir war er so, dass ich lange Zeit mit dem Gedanken gespielt habe zu gründen und mir bereits alles ausgemalt habe. Aber träumen ist eben nicht gründen. Das Machen kann durch nichts ersetzt werden. Ansonsten sei proaktiv und suche dir ein Netzwerk, tausch dich mit anderen Gründern aus und teilt euer Wissen. Du hast niemanden in deiner Nähe? Dann empfehle ich dir Twitter und Podcasts. Hier konnte ich unheimlich viel lernen. Also leg los und grübel nicht zu lange. Wie heißt es doch so schön: “Start small, think big”. Achte zudem darauf, dich auf das Verkaufen deines Produktes bzw. deinen Kunden zu fokussieren und herauszufinden, ob ein Product-Market Fit gegeben ist. 

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Es werden täglich mehr Tools. Aber im Ernst. Tools, die täglich zum Einsatz kommen sind vor allem Kollaborationstools wie Slack, Google Suite, Asana und Canva. Auf der operativen Seite gehört Xentral zu unserem täglich Brot. Ohne ein stabiles ERP-System würde nichts funktionieren!

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Gute Frage. Gerade in Remote-Zeit ist es sehr viel schwieriger geworden, den persönlichen Kontakt aufrecht zu erhalten. Umso wichtiger ist es uns, dass wir als Team immer wieder persönlich zusammenkommen und auch gemeinsam an einem Ort arbeiten. Wir organisieren zudem regelmäßig Teamevents, denn Spaß auf der Arbeit und mit den Kollegen ist ein Must für uns. Das Fundament bleibt allerdings ein respektvoller und authentischer  Austausch auf Augenhöhe. Unsere Mitarbeiter sind unser Schatz und so behandeln wir sie auch.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Rückblickend war es ein verrücktes Erlebnis mit meinen beiden Brüdern beim Notar zu sitzen und die Backhelden GmbH ins Leben zu rufen. Mit meiner Familie ein Unternehmen zu führen? Das hätte ich mir niemals erträumen können. Nach einer Testphase, die zeigen soll, ob wir überhaupt zusammen arbeiten können, haben wir uns für diesen Weg entschieden. Wir ergänzen uns perfekt!

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Die Backhelden

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#Interview – “Wir digitalisieren die Digitalisierung”


Das junge Kölner Startup Mogenius, das von Gerrit Schumann, Benedikt Iltisberger, Behrang Alavi, Herbert Möckel und Jan Lepsky gegründet wurde, verspricht seinen Nutzer:innen ein “einfaches Setup und Management” der eigene Cloud-Infrastruktur. “Mogenius vereinfacht Softwareentwicklung radikal, mit einer Cloud auf Autopilot. Alle komplizierten Aufgaben für den Betrieb der Applikation werden automatisiert, sodass sich Entwickler auf die Programmierung konzentrieren können”, sagt Gründer Schumann zum Konzept.

Im Interview mit deutsche-startups.de stellen Schumann und Mitstreiter Lepsky das Konzept einmal ganz ausführlich vor.

Wie würdet Ihr Eurer Großmutter mogenius erklären?
Schumann: Heutzutage Software zu entwickeln, ist wie Autofahren vor 100 Jahren: Man musste Fahrer und Mechaniker gleichzeitig sein, um ans Ziel zu kommen. Bei Software für die Cloud ist das auch so, man muss komplizierte Aufgaben bewältigen, die unterschiedlichste Fähigkeiten erfordern. mogenius vereinfacht Softwareentwicklung dagegen radikal, mit einer Cloud auf Autopilot. Alle komplizierten Aufgaben für den Betrieb der Applikation werden automatisiert, sodass sich Entwickler auf die Programmierung konzentrieren können.

Welches Problem genau wollt Ihr mit mogenius lösen?
Lepsky: Fast jeder Entwickler, jedes Unternehmen, jedes Startup kennt das: cloudbasierte Softwareprojekte erfordern komplizierte, langwierige und immer wiederkehrende Konfigurationen. Es dauert meist länger als geplant, bis die Applikation skalierbar und sicher im Betrieb ist. Und die kurzfristig schnellste Lösung, ist meist oft nicht die langfristig beste und günstigste. Cloud-native Applikationen erfordern Expertenwissen und das Management der Cloudinfrastruktur macht bis zu 50 % des gesamten Aufwands aus. Wir ändern das, indem wir den Betrieb cloudbasierter Applikationen radikal vereinfachen. Wir bieten eine skalierbare, sichere Plattform, die von jedem Entwickler selbst bedient werden kann.

Jede Woche entstehen dutzende neue Startups, warum wird ausgerechnet mogenius ein Erfolg?
Schumann: An erster Stelle das Team: wir kennen uns seit Jahren, ergänzen uns perfekt, und verfolgen die gleiche Vision. Zweitens wächst der Markt so extrem schnell und der Bedarf an Entwicklertools der nächsten Generation explodiert gerade, weil Komplexität und Kosten steigen und Experten rar sind – quasi “ein perfekter Sturm”. Und drittens haben wir mittlerweile bewiesen, dass unsere Lösung funktioniert. Wir digitalisieren damit die Digitalisierung und machen moderne Cloud-Technologie für jeden Entwickler, jedes Team, einfach nutzbar.

Wer sind eure Konkurrenten?
Lepsky: Der Gedanke, Cloudcomputing zu vereinfachen und zugänglicher zu machen ist noch jung, von daher sind wir in der Pionierphase. In den USA ist das Startup Render mit einem ähnlichen Ziel, aber einem anderen Konzept unterwegs. Gitlab ist ansonsten in der Entwickler-Community beliebt, deckt aber nicht alle wesentlichen Komponenten der Infrastruktur ab. Wir gehen weiter und integrieren auch Cloudressourcen und Security-Lösungen in unseren Workflow.

Wo steht mogenius in einem Jahr?
Schumann: In einem Jahr planen wir international zu expandieren und zu skalieren.

Reden wir über den Standort Köln. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für Köln als Startup-Standort?
Gerrit: Köln ist einfach die coolste Stadt Deutschlands. Jung, dynamisch und dabei noch sympathisch und nicht abgehoben. Sicherlich gibt es Nachholbedarf in Bezug auf Startups, aber das ist genau die Dynamik, die wir hier gerade spüren. Und mittlerweile ist das Wachstum von Startups und Investoren hier größer als in anderen Großstädten.

Was ist in Köln einfacher als im Rest der Republik?
Lepsky : Leute kennenlernen, Netzwerk aufbauen. Gute Talente nicht nur zu finden, sondern auch zu halten. Und nirgendwo sonst hat man im Umkreis von 100km so eine Dichte an Unternehmen, Startups, Mittelstand und Großkonzernen.

Zum Schluss habt Ihr drei Wünsche frei: Was wünscht Ihr Euch für den Startup-Standort Köln?
Schumann: Viele ausländische Studenten, um internationalen Nachwuchs sicherzustellen. Eine Initiative wie UnternehmerTUM in München, die von der Stadt und vom Land unterstützt wird. Dass Köln als Stadt ambitionierter wird, sich zeigen und vorzeigen will, auch international. Vorzeigeprojekte in der Stadtentwicklung, aber auch die Basics wie Sauberkeit und Sicherheit.

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln werfen wir einen genaueren Blick auf das Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind dort die Voraussetzungen für Gründerinnen und Gründer, wie sieht es mit Investitionen aus und welche Startups machen gerade von sich reden? Mehr als 550 Startups haben Köln mittlerweile zu ihrer Basis gemacht. Mit zahlreichen potenziellen Investoren, Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents bietet Köln ein spannendes Umfeld für junge Unternehmen. Diese Rubrik wird unterstützt von der KölnBusiness Wirtschaftsförderung. #Koelnbusiness auf LinkedInFacebook und Instagram.

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Foto (oben): mogenius

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