#Interview – Ein Startup, das effizientere Batteriespeicher entwickelt


Das junge Münchner Unternehmen Stabl, das von Arthur Singer, Christoph Dietrich, Martin Sprehe und Nam Truong gegründet wurde, entwickelt eine “neue Generation Wechselrichter, die die Leistung und Effizienz der Batteriespeicher auf eine höhere Stufe heben”. Die Wurzeln der Idee stammen aus Forschungsprojekten an der Technischen Universität München und der Universität der Bundeswehr München.

Energie360, der Smart Energy Innovation Fund, die Initiative for Industrial Innovators und weitere Business Angels investierten kürzlich 1 Million Euro in Stabl. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Stabl-Mitgründer Truong über Energiesysteme, die Energiewende und Wechselstrom.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Stabl erklären?
Wir alle wollen etwas für das Klima tun und die Energiewende vorantreiben. Damit das Licht nicht ausgeht, wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht, braucht es Batteriespeicher. Diese speichern den Strom, wenn er nicht gebraucht wird und stellen ihn zu einem späteren Zeitpunkt wieder bereit. Leider sind die heutigen Batteriespeicher ineffizient, zu teuer und brauchen speziell geschultes Personal. Wir von Stabl Energy entwickeln daher Batteriespeicher, die sicher, effizient und kostengünstig sind.

Welches Problem genau wollt Ihr mit Stabl lösen?
Batteriespeichersysteme sind unverzichtbar für die Energiewende und sind Bestandteil nachhaltiger Energiesysteme. Aktuelle Batteriespeichersysteme haben allerdings einige Nachteile: Gefährlich hohe Spannungen erfordern speziell geschultes Personal bei Installation und Wartung. Die Speicher bestehen aus einer Kette von in Serie geschalteten Batterien, wodurch der Ausfall von nur einer Batterie zum kompletten Systemausfall führt. Zudem verursachen die Wechselrichter, die den Gleichstrom der Batterie zu nutzbarem Wechselstrom für das Netz umwandeln, zu hohe Energieverluste. Mit Stabl Energy setzen wir an diesen drei Nachteilen an und möchte einen neuen Standard für Batteriespeichersysteme setzen.

Wie genau muss man sich das vorstellen?
Wir entwickeln modulare Wechselrichter und ermöglichen so ein sicheres, hocheffizientes und flexibles Design von Batteriespeichersystemen. Mit unserer Technologie werden die Batteriesysteme aus mehreren Batterien mit geringer Spannung aufgebaut, die dynamisch miteinander verschaltet werden können. Somit ist der Speicher berührsicher; am Ausgang wird dennoch der erforderliche Wechselstrom bereitgestellt. Durch den modularen Aufbau erhöhen wir die Ausfallsicherheit des Systems. Bei Ausfall eines Moduls kann dieses einfach überbrückt werden. Nicht zuletzt verringern wir die Verluste bei der Umwandlung um bis zu 70 %. All diese Maßnahmen machen Stabl zum Innovator für wirtschaftlich attraktive und sichere Batteriespeichersysteme Made in Germany.

Jede Woche entstehen dutzende neue Startups, warum wird ausgerechnet Stabl ein Erfolg?
Der technische Vorteil unserer Technologie wurde in langjährigen Forschungsprojekten an der TU München, der Universität der Bundeswehr München und der Hochschule Osnabrück entwickelt und bestätigt. Durch die stark fallenden Preise von Halbleiterkomponenten kann unsere Technologie nun wirtschaftlich produziert und eingesetzt werden. Durch eine Vielzahl von Patenten, die teilweise schon erteilt, teilweise noch in Arbeit sind, sichern wir uns einen wichtigen Wettbewerbsvorteil. Außerdem haben wir ein topp Gründer- und Mitarbeiterteam aus erfahrenen Ingenieuren und Betriebswirten.

Wie genau funktioniert eigentlich euer Geschäftsmodell?
Wir arbeiten mit Batteriespeicherherstellern zusammen und liefern unseren Partnern unsere Wechselrichter, damit diese in den Batteriespeicher integriert werden. Unsere primäre Rolle ist es, Zulieferer der Wechselrichter für Batteriesystemhersteller zu sein.

Wer sind eure Konkurrenten?
Wir fokussieren uns primär auf uns und die Vorteile, die wir haben. Wichtige Mitbewerber sind dabei sicherlich Hersteller von Wechselrichtern. Diese sind jedoch hauptsächlich auf dem Markt für Photovoltaik-Wechselrichter aktiv. Wir glauben deshalb, dass wir durch unseren Fokus und unsere Spezialisierung auf Batteriespeicher einen starken Marktvorteil haben, der nicht leicht aufzuholen ist.

Wie ist überhaupt die Idee zu Stabl entstanden?
Seinen Ursprung hat Stabl Energy in einem Forschungsprojekt, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt 2017 finanziert wurde, in dem sich zwei unserer vier Gründer, Arthur und Martin, kennengelernt haben. Arthur hat über die Technologie hinter dem Stabl Wechselrichter an der Universität der Bundeswehr München promoviert und in dieser Zeit wurde schnell klar, dass die Stabl Technologie konventionellen Wechselrichtern überlegen ist. Laborversuche bestätigten die höhere Effizienz über den gesamten Leistungsbereich. Dazu kommen zahlreiche Vorteile in der Handhabung, der Logistik und der Produktion. Nachdem das Gründerteam um die ehemaligen Kommilitonen von Arthur, dem Batterie-Experten Nam und Strategie-Chef Christoph erweitert wurde, konnten wir nicht anders, als nach Studium und Promotion 100 % unserer Zeit STABL zu widmen, um unser Produkt auf den Markt zu bringen.

Die Corona-Krise traf die Startup-Szene zuletzt hart. Wie habt ihr die Auswirkungen gespürt?
Auch an uns ist Corona nicht spurlos vorbeigegangen. Uns ist vor allem aufgefallen, dass Kunden Projekte erstmal nach hinten verschoben haben. Zudem hat sich die Kommunikation personalbedingt erheblich verlangsamt. Zuletzt konnten wir lange Zeit nicht die Vorteile unseres Systems vor Ort demonstrieren, was ebenfalls zu einer Verzögerung bei Abschluss von Pilotprojekten führte. Um unser Team zu schützen, haben wir natürlich entsprechende Maßnahmen getroffen, was bei der Entwicklung von Hardware eine zusätzliche Herausforderung ist und diese verlangsamt. Das merkten wir aber auch bei Zulieferern, die aufgrund der Situation vereinbarte Termine nicht ganz halten konnten.

Wo steht Stabl in einem Jahr?
In einem Jahr wird die Technologie die Prototypen- und Demonstrationsphase überwunden haben und wir werden mit einem zertifizierten Produkt in den Markt eingestiegen sein. Das bedeutet, dass wir zusammen mit unseren Partnern kommerzielle Projekte durchführen und einige Stabl Batteriespeicher bei Kunden in Betrieb genommen haben. Wenn alles klappt, werden wir auch eine weitere Finanzierungsrunde aufgenommen haben und eine Skalierungsphase durch eine Internationalisierung vorantreiben. Wir blicken in jedem Fall sehr positiv auf das nächste Jahr und in die Zukunft.

Start-ups mit Impact powered by Samsung

In unserem Themenschwerpunkt “Start-ups mit Impact” berichten wir regelmäßig über die Zebras unter den Start-ups. Wir begleiten die Geschichten von Gründungsteams mit innovativen technischen Lösungen, die nachhaltige und wirtschaftliche Ziele gleichermaßen verfolgen. Die Rubrik wird gefördert von Samsung in Partnerschaft mit dem Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland und dem Impact Hub Berlin, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, an besseren Rahmenbedingungen für soziale Innovationen mitzuwirken. In der Artikelreihe beleuchten wir das Potenzial der Zebra-Szene. Weitere Infos bei: Samsung for Impact.

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#Anzeige – Samsung for Impact startet in die nächste Runde mit dem Motto „Tech for Green Deal”


Das Engagement von Samsung für Social Entrepreneurship in Deutschland geht mit „Samsung for Impact“ in die nächste Runde. Für das Accelerator-Programm werden in Zusammenarbeit mit dem Impact Hub Berlin und dem Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland early-stage Tech Start-ups mit frischen Ideen für den Wandel hin zu einer klimaneutralen Gesellschaft gesucht, um sie bei einem individuellen Wachstumsziel zu unterstützen. 

Der Klimawandel und die Umweltzerstörung sind existenzielle Bedrohungen für unseren Planeten und damit für uns alle. Deshalb hat sich die Europäische Kommission mit dem Green Deal auf eine neue Wachstumsstrategie geeinigt – eine der wichtigsten politischen Initiativen der nächsten zehn Jahre. Zahlreiche Branchen befinden sich mitten im Prozess der klimabewussten Umgestaltung ihrer Lieferketten, Wertscho?pfungs- und Produktionsprozesse. Zebra-Start-ups, die nachhaltige Ansätze als integralen Bestandteil ihres Gescha?ftsmodells verstehen, können in diesem Transformationsprozess eine treibende Kraft sein. 

Mit der neuen Bewerbungsphase liegt nun der Fokus bei „Samsung for Impact“ auf den folgenden drei, im Green Deal benannten Handlungsfeldern: 

  1. „Sustainable Industry“ zielt darauf ab, modernste Technologie auf
    Industrieproduktion anzuwenden und so eine nachhaltige
    Kreislaufwirtschaft zu schaffen.
  2. „Sustainable Mobility“ beschreibt das Ziel, mit intelligenten Lösungen die Verkehrs- und Warentransportlage in allen Bereichen zu entspannen und Emissionen einzusparen.
  3. „Climate Action“ bezieht sich auf die Reduktion von Treibhausgasen
    durch innovative Lösungen und ganz neue Technologieansätze. 

Hast du eine digitale Lösung entwickelt, mit der du zum European Green Deal beitragen kannst und bist du dabei ein nachhaltiges und wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell aufzubauen?

Dann bewirb dich bis zum 4. Oktober 2020 unter www.samsung.de/samsung-for-impact

Dort findest du ebenfalls weitere Informationen und Voraussetzungen für deine Teilnahme.

Aus allen Einreichungen werden sechs Start-ups ausgewählt, die ihre Ansätze Ende Oktober vor einer Jury präsentieren, die unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven repräsentiert. Drei Finalisten erhalten schließlich ein Preisgeld in Gesamthöhe von 30.000 Euro, technische Ausstattung und einen Platz im Accelerator-Programm von Oktober 2020 bis März 2021. 

Kick-off des Programms ist ein Bootcamp in Berlin, in dem für jedes teilnehmende Unternehmen ein individuelles strategisches Wachstumsziel definiert wird, das innerhalb der Laufzeit von sechs Monaten erreicht werden soll. Neben der finanziellen Unterstützung durch Samsung bei Qualifizierung für das Programm bietet der Accelerator individuelles Coaching und zielgerichteten Wissenstransfer durch das Impact Hub Berlin, strategische und technische Unterstützung sowie individuellen Kommunikations- und PR-Support. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Vernetzung mit Experten, Investoren und Partnern. Dazu geho?rt auch eine Impact Hub Berlin Mitgliedschaft fu?r ein Jahr und Zugang zum globalen Impact Hub Netzwerk. 

Fu?r die aktuelle Runde hatten sich im vergangenen Jahr mit Perto, Stabl, Fimo und Varomo vier Start-ups qualifiziert, die auf Digitalisierung und Nachhaltigkeit setzen: Perto und Stabl nutzen datenbasierte Lo?sungen, um mit effizienten Alternativen zu bestehenden Ansa?tzen einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Fimo und Varomo entwickeln digitale Lo?sungen im Healthcare-Bereich, die sich ku?nstliche Intelligenz zunutze machen, um die Lebensqualita?t erkrankter oder beeintra?chtigter Menschen zu steigern. Zum Abschluss des laufenden Programms pra?sentierten die vier diesja?hrigen Teilnehmer ihre erreichten Meilensteine auf Demo Days im Rahmen der Bits & Pretzels. 

Foto (oben): Samsung for Impact

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#Interview – Ein Startup, das mit KI gegen Fatigue kämpft


Das junge Unternehmen Fimo Health entwickelt eine KI-Lösung für Fatigue-Patienten. “Menschen, die unter chronischen Krankheiten wie Krebs oder Multipler Sklerose leiden, haben häufig mit einer massiven Form der Erschöpfung zu kämpfen, welche auch Fatigue genannt wird. Mehr als eine Millionen Menschen sind davon in Deutschland betroffen”, erklärt Alexander Krawinkel, der das Kölner Startup gemeinsam mit Dominik Stiegeler und Benedict Höger gegründet hat.

Das Fimo Health-Team möchte Fatigue-Betroffenen nun eine “individuelle Unterstützung” bieten. “Unsere App erfasst jeden Patienten individuell und hilft ihm auf Basis Künstlicher Intelligenz, die Einflussfaktoren besser zu verstehen und sie mit unseren Tipps und Ratschlägen proaktiv anzugehen. Zusätzlich sollen die Daten auch Ärzten zur Verfügung stehen. Das bietet ihnen und ihren Patienten die Möglichkeit, gemeinsam bessere Therapie- und Medikamentenpläne auszuarbeiten”, sagt Gründer Krawinkel.

Die Rheinländer konnten mit ihrem Konzept schon beim Ignition Accelerator vom digihub in Düsseldorf, dem Rockstart Accelerator in Nijmegen und im Samsung for Impact-Accelerator landen. “Mit diesem Geld konnten wir unser Kernteam bisher finanzieren und bereiten nun eine erste Investitionsrunde für weiteres Wachstum vor”, erzählt der Jungunternehmer. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Krawinkel außerdem über Lärm, datengetriebene Gesundheitsthemen und klinische Studien.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Fimo Health erklären?
Menschen, die unter chronischen Krankheiten wie Krebs oder Multipler Sklerose leiden, haben häufig mit einer massiven Form der Erschöpfung zu kämpfen, welche auch Fatigue genannt wird. Sie können von kleinen Aktivitäten wie einer Dusche oder einem Spaziergang dermaßen erschöpft sein, dass sie über Stunden oder Tage nichts mehr machen können. Diese Fatigue wird von vielen Erkrankten als eines der schlimmsten Symptome überhaupt bezeichnet, und sie wird durch diverse Faktoren wie Aktivität, Schlaf, Stress, Temperatur, Licht oder Lärm beeinflusst.

Wie viele Menschen sind davon betroffen?
Mehr als eine Millionen Menschen sind davon in Deutschland betroffen. Für sie ist es meistens nicht möglich, genau einzuschätzen, welche der Faktoren die Fatigue in welcher Art und Weise beeinflussen. Aus diesem Grund messen wir all diese Einflussfaktoren mit Smartphone- und Smartwatch-Sensoren und werten die Daten aus. Innerhalb unserer App haben die Betroffenen dann die Möglichkeit, ihre Fatigue und die Einflussfaktoren besser nachvollziehen zu können und ihr aktiv entgegenzuwirken. Da dieses Krankheitsbild so individuell ist, erfassen auch unsere Analysen jeden Patienten individuell, wodurch unsere App zum persönlichen Helfer für Fatigue wird.

Welches Problem genau wollt Ihr mit Fimo Health lösen?
Unser Ziel ist es allen Menschen, die unter Fatigue leiden, individuelle Unterstützung an die Seite zu geben. Da dieses Krankheitsbild so hochgradig individuell ist, gibt es leider keine allgemeingültigen Therapien oder Medikamente. Studien zeigen allerdings, dass die Betroffenen häufig einen großen Einfluss auf ihre Fatigue haben, wenn sie ihr Bewegungs-, Ernährungs- oder Schlafverhalten darauf einstellen. Aber auch durch die Reduzierung ungünstiger Außenfaktoren wie hohe Temperaturen, Lärm oder Licht kann die Fatigue gemildert werden.

Und wie kommt da jetzt Fimo Health zum Einsatz?
Unsere App erfasst jeden Patienten individuell und hilft ihm auf Basis Künstlicher Intelligenz, die Einflussfaktoren besser zu verstehen und sie mit unseren Tipps und Ratschlägen proaktiv anzugehen. Zusätzlich sollen die Daten auch Ärzten zur Verfügung stehen. Das bietet ihnen und ihren Patienten die Möglichkeit, gemeinsam bessere Therapie- und Medikamentenpläne auszuarbeiten, da die Ärzte mit unseren objektiven Informationen ihren Anamneseprozess deutlich verbessern können.

E-Health-Startups hatten es lange Zeit sehr schwer in Deutschland. Ist die Zeit für digitale Gesundheitsthemen jetzt endlich reif?
Definitiv. Neue Gesetzesvorstöße wie das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) und das gestiegene Interesse von Patienten und Ärzten an E-Health-Lösungen zeigen, dass die Zeit endlich reif ist. Wir gehen davon aus, dass die 2020er der Durchbruch für Digital- und E-Health-Lösungen sein werden. Insbesondere in unserem Umfeld von chronisch kranken Patienten sehen wir ein riesiges Interesse an digitalen Lösungen. Hier sind die Beteiligten deutlich aufgeschlossener für E-Health-Ansätze. Auch andere Player im Markt wie Versicherungen, Pharmaunternehmen oder der Gesetzgeber erkennen den gestiegenen Wert von digitalen und datengetriebenen Gesundheitsthemen. Aus unserer Sicht ist genau dieses Umdenken bei verschiedenen Akteuren relevant, um ein breites Handeln zu ermöglichen. Dies wird auch nötig sein, um die großen Herausforderungen wie KI-Analysen oder Datenschutz im Bereich von digitalen und datengetriebenen Gesundheitsthemen zu meistern.

Die Corona-Krise traf die Startup-Szene zuletzt hart. Wie habt ihr die Auswirkungen gespürt?
Auch an uns ist die Krise natürlich nicht vorbeigegangen. Für uns war es schwierig, dass wir unsere klinischen Studien und Tests zunächst nicht weiterführen konnten. Das Feedback und die Daten der Patienten sind für uns sehr wichtig, da wir eine patientenzentrierte Lösung entwickeln. Durch Videotelefonate mit Patienten konnten wir einen Teil ersetzen, sind aber sehr froh, dass wir inzwischen wieder direkt mit den Patienten zusammenarbeiten können. Mittlerweile haben wir unsere erste größere klinische Pilotstudie mit 100 Patienten mit einer der größten MS-Kliniken in Deutschland abgeschlossen. Dieser Austausch ist für uns enorm wichtig und Basis unserer Entwicklungen.

Wie ist überhaupt die Idee zu Fimo Health entstanden?
Auf die Idee kamen wir bei einem Hackathon, wo es darum ging, Biosensor-Lösungen für Krebs- und MS-Patienten zu entwickeln. Da Fatigue bei beiden Krankheiten auftritt und eins der schwerwiegendsten Symptome darstellt, haben wir uns auf dieses Thema fokussiert. Diverse Gespräche mit Patienten, Ärzten, Vertretern von Pharmaunternehmen und Versicherungen haben uns gezeigt, dass sie eine solche Lösung als absolut sinnvoll erachten. Dann kamen drei wesentliche Motivationsfaktoren zusammen: Wir haben bei dem Hackathon mit unserer Lösung einen Preis gewonnen; wir kannten im Freundes- und Familienumfeld selbst Betroffene; es gab im Team erste Gründungserfahrung. Damit stand für uns schnell fest, dass wir unsere Idee weiterverfolgen. Zunächst haben wir das noch neben unseren Jobs getan, doch mit zunehmendem Fortschritt mussten wir Prioritäten setzen. Die Entscheidung fiel sehr schnell auf die Kündigung unserer alten Jobs und die Gründung von Fimo Health.

Hat sich das Konzept seit der Idee irgendwie verändert?
Am Anfang wollten wir eine eigene Hardware, also eine eigene Smartwatch für Fatigue Patienten, entwickeln, die alle relevanten Einflussfaktoren erhebt. Nach mehr oder weniger erfolglosen Versuchen mit 3D-Druckern, E-Mail-Verkehr mit chinesischen Hardware-Lieferanten und Investoren haben wir aber schnell gemerkt, dass dies aus verschiedenen Gründen kein sinnvolles Vorgehen ist. Daher fokussieren wir uns nun vollständig auf die Entwicklung der Software, die mit verschiedenen Third Party Devices funktioniert, und die Weiterentwicklung unserer Algorithmen zur Analyse der Daten.

Wer sind denn eure Konkurrenten?
Viele Patienten nutzen heute schon Fitnesstracker oder analoge Symptomtagebücher, hören mit deren Nutzung aber meistens schnell genervt auf, da sie daraus keine sinnvollen Schlüsse ziehen können. Daneben gibt es verschiedene Symptom-Apps, die aber nicht mit quantitativen Daten arbeiten und die bestehenden Daten nicht krankheitsbezogen auswerten. Wiederum andere Apps versuchen digitale Biomarker für verschiedene Krankheitsbilder oder Symptome zu entwickeln. Die Messmethoden eignen sich häufig allerdings nicht für den Alltag und sich auch nicht patientenzentriert entwickelt. Wir unterscheiden uns von den bestehenden Lösungen, da bei uns die Datenerhebung passiv und objektiv erfolgt, der Patient also keinen zusätzlichen Aufwand hat. Die automatisierte Datenauswertung liefert Ergebnisse, die individuell auf die Patienten zugeschnitten sind, sodass wir ihnen die Kontrolle über ihre Aktiv- und Ruhephasen zurückgeben. Die Lösung lässt sich so ganz natürlich in den Alltag integrieren. Das erhöht die Akzeptanz ganz entscheidend.

Wie genau funktioniert eigentlich euer Geschäftsmodell?
Unsere App soll für Patienten grundsätzlich kostenfrei sein. Daher befinden wir uns aktuell im Prozess für die Zertifizierung als Medizinprodukt. Mithilfe des neuen Digitale-Versorgung-Gesetzes kann die App dann von behandelnden Ärzten wie Neurologen oder Onkologen verschrieben und die monatlichen Kosten von den Krankenkassen erstattet werden. Ein zweiter Anwendungsbereich der Fimo MS App ist die Begleitung klinischer Studien, um die Wirksamkeit von Medikamenten auf verschiedene Symptome datenbasiert zu evaluieren. Das ist für Pharmaunternehmen und Kliniken relevant.

Wo steht Fimo Health in einem Jahr?
In einem Jahr ist unsere App längst als Medizinprodukt zertifiziert und im Katalog für digitale Gesundheitsanwendungen gelistet. Unser momentaner Fokus liegt insbesondere auf MS-bedingter Fatigue. 2021 wollen wir bereits einer niedrigen vierstelligen Zahl an MS-Patienten mit unserer Lösung geholfen haben. Hierfür arbeiten wir jetzt schon mit verschiedenen Kliniken und Ärzten zusammen.

Start-ups mit Impact powered by Samsung

In unserem Themenschwerpunkt “Start-ups mit Impact” berichten wir regelmäßig über die Zebras unter den Start-ups. Wir begleiten die Geschichten von Gründungsteams mit innovativen technischen Lösungen, die nachhaltige und wirtschaftliche Ziele gleichermaßen verfolgen. Die Rubrik wird gefördert von Samsung in Partnerschaft mit dem Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland und dem Impact Hub Berlin, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, an besseren Rahmenbedingungen für soziale Innovationen mitzuwirken. In der Artikelreihe beleuchten wir das Potenzial der Zebra-Szene. Weitere Infos bei: Samsung for Impact.

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#Anzeige – Warum die Zeit für Zebra-Start-ups gekommen ist


Vor unseren Augen entsteht ein Gründer:innen-Typus neuer Art: Marcella Hansch, die mit Pacific Garbage Screening die Weltmeere von Plastik reinigen möchte. Philipp Zajac von Rehago, der mit seinem Team VR-Anwendungen entwickelt, die erkrankten Menschen zurück in den Alltag helfen. Robert Heinicke von Breeze, der die Luftqualität von Städten verbessern will. Sie alle adressieren gesellschaftliche Herausforderungen. Und sie möchten damit ein tragfähiges Geschäftsmodell aufbauen. Von ihnen gibt es Hunderte allein in Deutschland – doch noch fliegen viele unter dem Radar. Zeit, das zu ändern! 

Gesellschaftliche Probleme erfordern auch unternehmerische Ansätze 

Wir stehen weltweit vor neuen Herausforderungen aus ganz unterschiedlichen Richtungen: Die Digitalisierung prägt unser Leben und Arbeiten neu, ja führt gar zu massiven Umwälzungen. Es gibt mehr Menschen als je zuvor auf diesem endlichen Planeten, die immer älter werden. Wir sehen uns mitten in einem Klimawandel, der einschneidende Veränderungen mit sich bringt. Technologie kann und wird in der Begegnung gesellschaftlicher Herausforderungen ein großer Teil der Lösung sein. 

Natürlich erfordern soziale Probleme Antworten politischer Natur – auf lokaler und globaler Ebene. Und ohne Frage spielt der Non-Profit-Bereich bei der Adressierung gesellschaftlicher Herausforderungen eine immens wichtige Rolle. Doch das allein reicht nicht. Es braucht ein starkes Zusammenwirken aller Kräfte, jedes und jeder Einzelnen und insbesondere der Wirtschaft – die einen Teil der Probleme mitverursacht. Die Lösung liegt langfristig nicht in Kompensation, sondern in der Verankerung von Nachhaltigkeit als integralen Teil des wirtschaftlichen Wirkens. Besonders großes Potenzial liegt in jungen Unternehmen, die Lösungen zu Klimaschutz, Gesundheit, sozialen Fragstellungen beitragen und damit langfristig tragbare Geschäftsmodelle aufbauen. Wenn das gelingt, gewinnen sie Einnahmequelle beziehungsweise das Interesse von Investoren und sichern sie sich Zukunftsfähigkeit unabhängig von Fördermitteln – die eine wichtige Rolle bei der Starthilfe spielen. Diese Zebra-Start-ups sehen wir als Katalysator für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft.

Zeichen stehen auf Wandel 

Es gibt viele kleine und große Anzeichen, dass ein Umdenken auf großer Ebene stattfindet. Anschub für die Debatte geben 2019 eine Reihe US-amerikanischer Unternehmenslenker:innen, die in einem gemeinschaftlichen Brief zumindest gute Absichten und sich zu einem neuen Fokus auf „Stakeholder Value“ bekennen. Fortgeführt wird die Diskussion mit dem „Davoser Manifesto 2020“, das zu einem grundsätzlichen Umdenken in der Wirtschaft motiviert und gleichfalls fordert, Interessen aller Stakeholder in Balance zu bringen. Auch aus der Finanzbranche kommt Unterstützung: Neben VC-Gebern wie beispielsweise Bon Venture in Deutschland, die seit vielen Jahren soziales Risikokapital im deutschsprachigen Raum vergeben, lenken auch große Vermögensverwalter den Blick auf Nachhaltigkeit als Bewertungskriterium für Investments. 

Doch nicht nur aus der Wirtschaft, auch aus der Politik kommen positive Signale. Der Green Deal auf europäischer Ebene, mit dem Ziel, Europa bis 2050 zum CO2-neutralen Kontinent zu machen, ist eine politische Initiative neuer Qualität – in Umfang und Inhalt. Erst kürzlich wurde ein weiterer wichtiger Meilenstein für den Social Entrepreneurship Sektor erreicht: Der Beschluss des Antrags der Regierungsfraktionen CDU/CSU und SPD zur Förderung von sozialen Innovationen am 29. Mai stellt Unterstützung für die bislang zu wenig beachtete Szene in Aussicht. Das zeigt, die Bedeutung und Relevanz von jungen Unternehmen, die digitale Potenziale nutzen und sowohl soziale als auch wirtschaftliche Zielsetzungen vereinbar machen, ist nicht nur im Start-up-Ökosystem und in der Gesellschaft angekommen, sondern auch in der Politik. Besonders vielversprechend erachte ich den Vorschlag, mehr soziale Innovationszentren oder soziale Innovations-Hubs aufzubauen – wie es sie beispielsweise mit den Impact Hubs bereits gibt – und diesen Aufbau finanziell zu unterstützen.

Rolle von Technologie-Unternehmen 

Technologieunternehmen sind aus vielfältigen Gründen prädestiniert dafür, die Bemühungen zu unterstützen, bessere Rahmenbedingungen für soziale Innovationen zu schaffen. Sie können nicht nur Anschlussfähigkeit an eigene Produkte und damit Reichweite schaffen. Neben dieser und finanzieller Förderung, sind es vor allem Vernetzung, Know-how und Aufmerksamkeit, die wir beitragen können. Diese Form der Unterstützung bieten wir seit einigen Jahren für soziale Innovationen in verschiedenen Entwicklungsstadien mit unterschiedlichen Programmen. Unser Engagement verstärken wir nun mit einem Accelerator-Programm für Zebra-Start-ups in Deutschland. Mit dem Programm “Samsung for Impact” schaffen wir einen größeren Rahmen, mit dem wir vielversprechende Gründungen längerfristig auf ihrem Weg begleiten möchten. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern für das Accelerator Programm SEND und dem Impact Hub in Berlin wollen wir helfen, Early Stage Tech Start-ups mit Aufmerksamkeit, Coachings, Ressourcen und bei der Weiterentwicklung ihres Wirkungs- und Geschäftsmodells zu unterstützen – das schließt die Erschließung potenzieller Finanzierungsquellen ein. Ein Ziel des Programmes ist es, die native wirtschaftliche Tragfähigkeit sozialer Innovation zu begünstigen. Dies legt am Ende den Grundstein für nachhaltige Gründungen, die Kapitalinvestments organisch anziehen. 

Das Accelerator Programm startet mit vier vielversprechenden Kandidaten, die sich im vergangenen Jahr qualifiziert haben. Perto und Stabl nutzen datenbasierte Lösungen, um mit effizienten Alternativen zu bestehenden Ansätzen einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Fimo und Varomo entwickeln digitale Lösungen im Healthcare-Bereich, die sich künstliche Intelligenz zunutze machen, um die Lebensqualität erkrankter oder beeinträchtigter Menschen zu steigern. Den Abschluss des Programms bilden Demo Days im Herbst. Parallel startet in Kürze die Bewerbungsphase für eine neue Runde des Accelerator-Programms – und damit eine neue Chance für Start-ups mit Impact. 

Zum Autor
Steffen Ganders ist Director Corporate Affairs bei Samsung Electronics.

Start-ups mit Impact powered by Samsung

In unserem Themenschwerpunkt “Start-ups mit Impact” berichten wir regelmäßig über die Zebras unter den Start-ups. Wir begleiten die Geschichten von Gründungsteams mit innovativen technischen Lösungen, die nachhaltige und wirtschaftliche Ziele gleichermaßen verfolgen. Die Rubrik wird gefördert von Samsung in Partnerschaft mit dem Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland und dem Impact Hub Berlin, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, an besseren Rahmenbedingungen für soziale Innovationen mitzuwirken. In der Artikelreihe beleuchten wir das Potenzial der Zebra-Szene. Weitere Infos bei: Samsung for Impact.

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#DealMonitor – Weltbild rettet tausendkind – Millionen für Alasco


Im aktuellen #DealMonitor für den 8. Juni werfen wir wieder einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.

INVESTMENTS

Bepro11
+++ Altos Ventures, Softbank Ventures, Saehan Ventures, Springcamp und Miraeasset Ventures investieren 8,8 Millionen Euro in Bepro11. Vor zwei Jahren flossen bereits rund 10 Millionen Dollar flossen in das Hamburger Unternehmen, dessen Wuzeln in Südkorea liegen. Hyunwook Kang, der sich europäisiert Luis Kang nennt, gründete das sportliche Analyse-Tool 2015 in Seoul. 2017 – nach einer ersten Finanzierungsrunde – zog das Unternehmen dann aus strategischen Gründen nach Hamburg.

Alasco
+++ Der Rocket-Internet-Geldgeber Global Founders Capital und Anyon investieren zusammen mit Bestandsinvestoren Holtzbrinck Ventures und Picus Capital 7,5 Millionen Euro in Alasco, eine digitale Finanzmanagement-Lösung für Bauprojekte. Das frische Kapital soll in die “Weiterentwicklung der Plattform und den Ausbau des Teams” fließen. Alasco wurde 2018 von den ehemaligen Stylight-Machern Anselm Bauer, Benjamin Günther und Sebastian Schuon gegründet.

PLAN4
+++ Der Kölner Geldgeber BitStone Capital und der Immobilienbewerter Sprengnetter investieren im Rahmen einer Pre-Series-A-Runde in das 2018 gegründete Freiburger Startup PLAN4. Das PropTech bietet mit dem Produkt Gebäudecheck eine Software-as-a-Service-Lösung zur mobilen Zustandsbewertung von Bestandsimmobilien an. Das junge Unternehmen wurde im Februar 2018 von Bernhard Mering, Hendrik Seibel und Thorsten Harig gegründet.

EXITS

tausendkind
+++ Die Düsseldorfer Droege Group, zu der Weltbild gehört, übernimmt das insolvente Berliner Startup tausendkind, einen Shop für Baby- und Kinderartikel. “Tausendkind wird unter dem Dach der Weltbild Gruppe als Marke positioniert und als eigenständiges Unternehmen geführt. Dabei wird sich tausendkind der bewährten Prozesse von Weltbild bedienen. Die Umsätze der Weltbild-Marke Kidoh werden mit tausendkind zusammengeführt. Es ist angedacht, ein Angebot von tausendkind in allen Weltbild-Filialen einzurichten”, teilt das Unternehmen mit. tausendkind schlitterte Ende März in die Insolvenz – zuvor war eine Investmentrunde geplatzt. Rund 24 Millionen flossen in den vergangenen Jahren in tausendkind. Der Bilanzverlust summierte sich zuletzt auf rund 30,6 Millionen.

VENTURE CAPITAL

Samsung for Impact
+++ Der Elektronikrise Samsung legt mit Samsung for Impact ein Programm für Social Entrepreneurship auf. Das Programm unterstützt gezielt “Early Stage Tech Startups beim Aufbau von nachhaltigen, wirtschaftlich tragfähigen Geschäftsmodellen”. Das Accelerator-Programm startet mit vier Kandidaten, die sich im vergangenen Jahr qualifiziert haben: Perto und Stabl nutzen datenbasierte Lösungen, um mit effizienten Alternativen zu bestehenden Ansätzen einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Fimo und Varomo entwickeln digitale Lösungen im Healthcare-Bereich, die sich künstliche Intelligenz zunutze machen, um die Lebensqualität erkrankter oder beeinträchtigter Menschen zu steigern.

Achtung! Wir freuen uns über Tipps, Infos und Hinweise, was wir in unserem #DealMonitor alles so aufgreifen sollten. Schreibt uns eure Vorschläge entweder ganz klassisch per E-Mail oder nutzt unsere “Stille Post“, unseren Briefkasten für Insider-Infos.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): azrael74

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